Neu im Podcast von myMONK: Ich schäme mich so. Und folgst Du myMONK schon bei Instagram?

Unheimlich schmerzvoll, wenn wir betrogen werden. Nachhause kommen, und das Bett sieht irgendwie anders aus als sonst … ach ja, da liegt ja eine fremde Frau drin.

Oder wenn sich unser dunkler Verdacht bestätigt, als wir zufällig diese SMS zu lesen bekommen von … wer ist denn Dörte und warum schreibt sie was von Unterhose vergessen?

Oder wenn der Partner uns anruft: „Danke fürs Kochen, aber Du kannst schon mal alleine essen, ich komm heut nicht nachhause, ich komm nie wieder nachhause, es ist aus, ich hab eine Andere, und die ist nur halb so alt und halb so breit wie Du“.

Doch es gibt etwas, das noch mehr weh tut als Untreue:

Einfach nicht mehr geliebt zu werden.

Weniger und weniger Zuwendung bekommen, den Partner weniger und weniger zu sehen bekommen, das „Ich liebe Dich nicht mehr“ zu spüren bekommen – und irgendwann auch zu hören.

Oder, noch schlimmer eine Form des Verlassenwerdens, die leider immer häufiger geschieht, das sogenannte „Ghosting“. Dabei verschwindet der Partner auf einmal, wie ein Geist, wortlos von heute auf morgen aus dem Leben. Geht plötzlich nicht mehr ans Telefon, antwortet nicht auf unsere Nachrichten. Vollständiger Kommunikationsabbruch. Meist passiert das in der Dating-Phase, am Anfang einer erhofften Beziehung. Es kann aber auch nach vielen gemeinsamen Jahren vorkommen, die gute alte Ich-geh-mal-Zigaretten-holen-Geschichte.

Er/sie, ob in Worten oder Taten, ob entgleitend oder abrupt: „Ich liebe Dich einfach nicht mehr“.

Wir: verladen, verwirrt, verstoßen, verloren. Versinken in einem Schmerz, der irgendwo anfängt und nirgendwo aufhört.

Und das für lange, lange Zeit. Weil wir das ungefähr so schnell verdauen wie einen dreihundert Kilo schweren Stein. Kann sein, dass wir ihn über Jahre in uns herumtragen.

Woran liegt das?

Brené Brown schreibt darüber in ihrem Buch „Daring Greatly“.

Wir können nicht mit dem Finger auf die Ursache zeigen. Es ist nicht einfach ein bestimmtes Ereignis, oder „die Schlampe“, die ihn uns weggenommen hat, und nicht seine üble Sexsucht oder Charakterschwäche. Es ist nicht greifbar und damit auch nicht verstehbar. Nichts, worauf wir wütend sein oder was wir gezielt verarbeiten könnten. Als wäre die Liebe nicht an einer Krankheit gestorben und nicht an einem Unfall. Sondern als wäre sie einfach verschwunden, vom Erdboden verschluckt – Menschen können verrückt werden durch diese Unsicherheit.

Wenn es im Außen keinen Grund gibt, wie erklären wir uns das Ende sonst?

Es muss an uns liegen, denken wir. Daran, dass wir nicht mehr gut genug sind, nicht mehr interessant, nicht mehr liebenswert sind. Deshalb will sich der Partner nicht mehr um uns und die Beziehung bemühen. Weil wir’s anscheinend nicht besser verdient haben.

Und was könnte uns mehr an die Substanz gehen?

Viel gibt’s da nicht, was uns helfen kann. Ein Gedanke aber zumindest ein bisschen: Gefühle entsprechen oft nicht der Realität. Dass wir uns wertlos fühlen, heißt nicht, dass wir wertlos sind. Und dass wir uns schämen, heißt nicht, dass wir uns schämen müssen.

Ich bin jetzt auch weg.

Also für heute.

 

P.S.: Siehe auch Abhängigkeit und Angst vor Nähe – Wenn Beziehungen aus dem Gleichgewicht geraten und Wie man schmerzhafte Gefühle überlebt.

 

Photo: lia_k