Neu im Podcast von myMONK: Ich schäme mich so. Und folgst Du myMONK schon bei Instagram?

Bewusst auf die Regeln zu scheißen
Und sich seinen Frust von der Seele zu schreiben

Wildwasserwörterfluss
Einzige Mukke, wo man das, was man sagt, auch verkörpern muss

– Max Herre feat. Afrob („Rap ist“)

Liebe Sorge um die Meinung der Anderen,

mein Geduldsfaden wurde dünner und dünner, was Dich angeht, und ich fand Dich dümmer und dümmer und mich auch, dafür, dass ich noch immer so fest an Dir hing wie mein Geduldsfaden an irgendwelchen falsch verdrahteten Gehirnzellen.

Wie viele Jahre habe ich Dir geopfert. Dir, der Sorge darum, was die Anderen wohl über mich denken mögen. Zerfleischt habe ich mich wegen Dir und verstellt und versteckt und ich könnte durchdrehen, wenn ich mir das alles überlege.

Du hast mich Sommer meiner Jugend gekostet, in denen ich mich zu dünn fühlte, um an Badeseen rumzuhängen oder wenigstens kurze Klamotten zu tragen. Wochen, in denen ich mich wegen irgendwelcher Zwangsveranstaltungen grämte und hoffte, bis dahin wären ein paar Pickel weniger im Gesicht oder Millimeter mehr an den abgekauten Fingernägeln. Momente, Tage, Zeitalter in Sorge und Scham.

Oder im Studium, als ich mich lieber allein in die letzte Reihe setzte, als mich zu zeigen und unters Volk zu mischen, mit dem ich vielleicht eine gute Zeit hätte haben können.

Du hast mich in einen Job getrieben, den ich nur machte, weil man sich nach dem Studium eben einen Job sucht und die verpestete Anerkennung derer, die oft genauso von Dir gesteuert werden.

Du bist das Schlimmste, was mir je passiert ist. Und das werde ich Dir nicht so schnell verzeihen, und deswegen gibt es diesen Text und irgendwie auch myMONK im Ganzen. Weil ich mich gemeinsam mit jedem, der mitmachen will, noch weiter von Dir befreien will. Der Kampf hat gerade erst begonnen.

Ich werde Dinge tun, die nicht normal sind, wenn ich sie tun will, wie laut zu pfeifen auf einer überlaufenen Straße, pfeifen auf Dich, ich werde machen, wonach mir ist, und nicht, wovon ich denke, die Anderen würden es gut finden, mich gut finden. Ich werde mich kleiden, wie ich Bock drauf hab an diesem Tag, scheißegal, wo ich unterwegs sein werde. Ich werde mir keine Dinge anschaffen, um zu gefallen, und keine Dinge wegwerfen, um zu gefallen. Ich werde die Entscheidungen treffen, die für mich gut sind und mir am Herzen liegen, ganz gleich was die anderen tun, sagen, denken mögen.

Ich werde meine eigene Meinung über mich an der ersten Stelle halten, und Dich weiter und weiter und weiter ins Nichts drängen.

Tim


Photo: Zach Dischner