Neu im Podcast von myMONK: Ich schäme mich so. Und folgst Du myMONK schon bei Instagram?

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„Es ist weise, aus jeder Quelle zu lernen – von einem Trunkenbold, einem Tropf und einem alten Pantoffel.“

– Francois Rabelais

Schon tausend Mal hab’ ich sowas gelesen und gehört:

Jeder, der Dir begegnet, ist Dein Meister, dafür da, dass Du von ihm lernst. Du ärgerst Dich über jemanden? Dann ist das Deine Chance, an Dir zu arbeiten. Du wurdest enttäuscht, genervt, beleidigt – Deine Chance!

Wenn sich aber mal wieder jemand vordrängelt, mich schubst, so unachtsam ist wie ein Elefant im Porzellanladen auf LSD, dann denke ich manchmal doch eher so etwas wie:

Das ist kein Meister, das ist ein ****** *******. Der sollte lieber mal von mir lernen … und zwar, wie sich meine Rechte in seiner ****** ****** anfühlt.

Allerdings helfen mir solche Gedanken nicht, vor allem nicht, wenn ich mich an ihnen festbeiße oder sie sich an mir. Eigentlich will ich ja fast niemandem wehtun, und auch auf die Konsequenzen – eine Anzeige, mein schlechtes Gewissen, seine Rechte – verzichte ich gern.

Die folgende kleine Übung bringt uns weg vom Fokus auf den Anderen und wieder zurück zu uns selbst, unserem Gefühl und der Möglichkeit, aus allem zu lernen, was uns zustößt. Sie hilft uns dabei, das zu akzeptieren, was wir nicht ändern können – das Verhalten Anderer, und uns auf das zu konzentrieren, das wir in der Hand haben und das uns wirklich weiter bringt.

Die Übung

Stell Dir vor: alle Menschen sind erleuchtet. Alle, außer Dir. Alles, was sie tun, ist richtig und wichtig. Es gibt keinen Grund, ihr Verhalten anzuzweifeln. So wie der Zen-Meister seinen Schüler nicht grundlos oder aus Egoismus oder Bösartigkeit an den Ohren zieht oder peitscht.

Der Trunkenbold, der Raser, die unfreundliche und absurd langsame Bedienung, die frechen Kinder, der Partner, der mal wieder nicht von seiner Zeitung aufschaut, während Du mit ihm redest …

Warum tun sie das – was versuchen sie, Dich zu lehren?

Wollen sie Dir Gelegenheit geben, gelassener zu werden?

Verständnisvoller?

Mitfühlender?

Disziplinierter?

Demütiger?

Stärker?

Ein kleines Gedankenspiel mit großer Wirkung, diese Übung. Mit ihr kann man lernen, so viel weniger frustriert, verärgert oder hoffnungslos durch den Tag gehen.

 

Photo: db Photography | Demi-Brooke