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Philipp ist der Gründer von YogaMeHome, einem Anbieter für Online-Yoga. Wie Philipps Leben sich durch Yoga verändert hat, welche Philosophie dahinter steht und was es mit dem virtuellen Yogastudio auf sich hat, erfahrt ihr im Interview.

Hi Philipp, schön, dass Du Dir für das Interview Zeit nimmst. Magst Du Dich den Lesern kurz vorstellen?

phil4Ich praktiziere selbst seit über zehn Jahren Yoga, habe 2010 bei Agama in Thailand die Ausbildung zum Yogalehrer absolviert und vor zwei Jahren das Online-Yogastudio www.YogaMeHome.org ins Leben gerufen. Bevor ich mich ganz auf Yoga einließ, war ich Campaigner bei Greenpeace, wo ich im Koordinationsteam der europäischen Kampagne gegen Gentechnik in Lebensmitteln war. Ich war damals viel in Europa unterwegs und habe trotz meiner Reisetätigkeit immer nach einer regelmäßigen Inspirationsquelle für meine eigene Yoga-Praxis gesucht. Ich habe dann die amerikanischen Studios genutzt, weil es noch kein deutsches gab. So entstand dann die Idee, das Ganze auch für Deutschland, Österreich und die Schweiz umzusetzen.

Wie bist Du zum Yoga gekommen und was hat sich durch Yoga für Dich verändert?

Ich war und bin eigentlich keiner dieser typischen Suchenden, für die Indien das geheiligte Land ist. Ich wollte nie nach Indien und wollte nie Yoga machen. Das Universum hat das aber offenbar falsch verstanden und so landete ich auf Umwegen eben doch in Indien auf der Yogamatte und das zum Glück bei der sehr beeindruckenden Lehrerin Indra Mohan. Sie war damals vielleicht 50 Jahre alt, sah jedoch aus wie 25 und strahlte eine vitale Ruhe aus, wie ich sie noch nie an einem Menschen erlebt hatte. Das beeindruckte mich zutiefst. Jedes Mal, wenn ich aus ihrem Unterricht kam, fühlte ich mich, als hätte sie mir Wattepolster unter die Füße geklebt. Dabei hat sie mich eigentlich nur atmen lassen, während ich die Arme dazu heben und senken sollte.

Als ich von Indien zurück kam verlor ich Yoga wieder aus den Augen. Später widmete ich mich intensiv der buddhistischen Vipassana Meditation nach S.N. Goenka bis ich dann 2010 doch die Yogalehrer-Ausbildung machte.

Heute gehöre ich noch immer nicht zu den Yogis, die jeden Tag mit eiserner Disziplin auf die Matte gehen und dennoch ist Yoga für mich so etwas wie mein sicherer Heimathafen geworden. Ich fahre immer wieder hinaus aufs Meer und fische nach Erlebnissen und Begegnungen. Aber früher oder später kehre ich stets wieder in meinen sicheren Yogahafen zurück.

Yoga besteht neben den Übungen ja auch aus einer komplexen Philosophie. Wovon handelt diese grob und welche drei Punkte haben Deinem Leben besonders gut getan?

In vielen Yogastudios werden heute die Übungen von der Philosophie fast vollständig losgelöst unterrichtet. Da gibt es dann zum Beispiel Bauch-Bein Po-Yoga oder ähnliches. Das kann man natürlich machen, ich halte es aber für Unsinn, denn Yoga ohne Philosophie ist wie schwimmen ohne Wasser.

Für mich persönlich am wichtigsten ist vielleicht eine Szene aus der Bhagavad Gita, einem der Grundlagenwerke des Yoga. Ohne diese würde es heute YogaMeHome.org wahrscheinlich nicht geben. In der angesprochenen Szene steht Arjuna, der Königssohn, auf dem Schlachtfeld mit seiner Armee hinter sich versammelt und seinen Gegnern gegenüber. Da bekommt er plötzlich weiche Knie und wird zögerlich. Er ruft Krishna, den höchsten Gott, um Hilfe. Krishna erscheint und sagt etwas, das uns zunächst verwunderlich erscheint, weil es nicht zum Image von Yoga passt. Krishna sagt: „Arjuna, sei kein Feigling, geh hinaus und kämpfe!“

Dazu muss man erklären, dass in der Gita nicht von Schlachtfeld im Sinne eines Kriegsschauplatzes die Rede ist, sondern vom inneren Schlachtfeld, das jeder Mensch täglich mit sich selbst austrägt. Der scheinbar endlose innere Konflikt zwischen Für und Wider. Krishna mahnt den Arjuna letztlich, nicht vor seinen inneren Ängsten und Zweifeln davon zu laufen. Damit gibt er ihm eine Lektion in Mut.

Yoga ist ja der Weg zur inneren Freiheit. Krishna macht klar, dass man sie nur erreichen kann, wenn man sich mutig seinen Ängsten stellt und nicht vor ihnen davon läuft. Auf diesem Weg des Handelns zu scheitern, ist um vieles besser, als gar nicht zu handeln.

Ein weiterer Punkt der Yoga-Philosophie, der mein Leben geprägt hat, ist die Erkenntnis, dass alles vergänglich ist. Nichts und niemand ist statisch. Alles ist ein permanenter Prozess. Die Freunde, der Job, das Geld, die Erkenntnisse, alles kann morgen schon wieder ganz anders sein. Sicherheit ist eine Illusion, Du kannst das Leben nicht anhalten. Immer, wenn man gegen dieses universelle Gesetz ankämpft, verursacht das zwangsläufig Leid. Das ist dann, als würdest Du gegen eine große Welle anpaddeln. Das geht vielleicht eine Weile gut, aber dann geht die Kraft aus und Du säufst ab. Besser du versuchst aufzustehen und die Welle zu reiten und so mit dem Flow des Lebens zu surfen, anstatt gegen ihn. Das ist für mich übrigens der Kern des Flow-Yoga, wie ich es unterrichte.

Und abschließend: immer wenn mein Verstand mal wieder zu klein ist, um die Vergänglichkeit zu fassen und mich mein Mut gerade verlassen hat, dann ziehe ich mich auf die für mich wichtigste aller spirituellen Lehren zurück: Immer locker bleiben! =)

Auf Deiner Seite habe ich gelesen, wie gern und viel Du mit Deinem Bus unterwegs bist. Was ist das für ein Bus, wohin fährst Du damit … und warum?

Den Bus habe ich inzwischen verkauft und ihn vorläufig gegen ein sesshaftes Leben in Wien getauscht, denn ich werde bald Vater. Aber die Zeit im Bus wird weiter gehen, wenn der Zeitpunkt dafür wieder reif ist. Mit Kindern geht das ja wunderbar, so lange sie noch nicht in die Schule müssen. Dann werden wir wieder herumfahren und interessante Lehrer für YogaMeHome suchen.

Was und für wen ist YogaMeHome? Was kostet es und wie kamst Du auf die Idee?

YogaMeHome.org ist als Inspirationsquelle für die eigene Yoga-Praxis zuhause gedacht. Egal ob für Anfänger oder Fortgeschrittene, jede/r kann damit zuhause oder unterwegs Yoga üben. Inzwischen sind rund 230 Yoga-Videos online und jede Woche kommen neue hinzu. Wir bieten verschiedene Asana-Stile, Meditation, Philosophie und Interviews mit bekannten LehrerInnen.

Mittels Filterkriterien lässt sich wählen, wie lange und anstrengend ein Video sein soll oder ob es um ein bestimmtes Thema wie Rückenbeschwerden, Schlaflosigkeit oder Menstruationsbeschwerden gehen soll. So findet jede/r schnell das passende Video. Alle therapeutischen Videos werden übrigens von Ärzten angeleitet, die auch eine Ausbildung als Yogalehrer haben. Überhaupt ist uns die Qualität unserer Lehrenden enorm wichtig. Auf YogaMeHome.org kannst Du von den Lehrern der Lehrer lernen und sie stehen Dir als Mitglied auch für persönliche Fragen bereit. Nur so kann die Qualität des Unterrichts gewährleistet werden. Ich selbst unterrichte übrigens noch nicht auf YogaMeHome, weil ich bislang nur 3 Jahre Lehrerfahrung habe. Das überlasse ich lieber den wirklich erfahrenen LehrerInnen.

Noch ein Satz zum Schluss: Wir verstehen YogaMeHome nicht als Konkurrenz zum herkömmlichen Yoga-Studio, sondern als Ergänzung. Anfänger können sich mit speziellen Anfängerkursen schnell einen Überblick über die verschiedenen Stile verschaffen. Wir empfehlen ihnen aber dennoch zusätzlich in ein Studio zu gehen. Für Fortgeschrittene und Yogalehrer dient YogaMeHome.org als permanente Inspirationsquelle, um die eigene Praxis zu vertiefen.

Wer es ausprobieren möchte, geht einfach auf www.yogamehome.org und bucht ein Abo für nur 16 € monatlich und erhält unbegrenzten Zugriff auf alle Videos. 16 € sind kaum mehr, als sonst eine einzelne Yogastunde im Studio kosten würde. Wer gleich 12 Monate bucht, zahlt bei uns sogar nur 10 € pro Monat.

Vielen Dank für das Interview, Philipp!

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Photo (oben): Mish Sukharev