Neu im Podcast von myMONK: Ich schäme mich so. Und folgst Du myMONK schon bei Instagram?

Die Wesen stellen eine Distanz her
Zugleich als Vorwand, sie zu überwinden;
So tanzen sie am Abend;
Transpiration und Reue.

Ich fühle mich auf meinen Stuhl gebannt
Wie ein allzu gut genährter Engerling;
Dabei duften die Frauen nach Erdbeeren,
Nach Reseda und Patschuli.

– Michel Houellebecq

Gestern schlug ich ein Buch auf. Ein Gedichtband von Michel Houellebecq, „Der Sinn des Kampfes“. Darin fand ich nicht nur die zitierten Zeilen, sondern auch einen Kassenbon. Er stammt aus einer Buchhandlung nahe meiner alten Wohnung in Leipzig. In dieser Zeit, zwei Jahre waren es fast, tat ich fast nichts, außer Bücher zu kaufen und Bücher zu lesen. Und fernzusehen (damals lief eine großartige Staffel von Big-Brother). Die Frühlinge und Sommer waren besonders hart. Meine Wohnung verließ ich tagsüber fast nur, um selbstlieblos Nahrungsmittel einzukaufen, und abends fast nur, um allein spazieren zu gehen.

Das Gedicht spiegelt ganz gut wieder, wie ich mich damals fühlte. So, als hätte das Leben mich ausgeschlossen, als dürfte ich bestenfalls nur zuschauen. Wenn andere in die Uni gingen, lag ich im Bett. Wenn andere tanzten, lag ich im Bett. Ich war selbst Student, hätte also in die Uni gehen können. Und ich hatte Freunde, hätte also mit tanzen gehen können. Die Möglichkeiten waren da, im Außen, nur konnte ich sie in dieser Zeit nicht ergreifen.

Heute gelingt mir das zum Glück – nein, nach vielen Anstrengungen – schon viel besser. Ich bin sehr froh darüber, mitzutanzen (wenn auch nur sehr selten und ungern in irgendwelchen Clubs). Und dennoch würde ich diese Zeit nicht gern ungeschehen machen. Zum einen, weil ich weiß, wie es schmeckt, „Scheiße zu fressen“, kein Sunnyboy zu sein, dem alles zufliegt. Zum anderen, weil es mir die Chance gab, mich aus dieser Lage zu befreien. Das hat mich stärker gemacht und lässt mich hoffen, dass ich auch anderen die Hand ein Stück weit reichen kann. Ach ja, außerdem fing ich in dieser Zeit mit dem Schreiben an (siehe Das traurige Zwischenspiel eines jungen Mannes, der heute viel besser drauf ist). Ohne diese Zeit hätte es myMONK nie gegeben.

Daher: Danke für diese Erfahrung.

Man weiß nie, wofür’s gut ist.

 

Photo: Lucia Whittaker