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Es folgt ein Gastbeitrag von Dietmar Schmidt von www.setup-your-soul.at.

Wer kennt ihn nicht Frank Sinatra mit der Hymne seiner Lebensreflexion „My way“?

Aber „My way“…. was ist das?

And now, the end is near;
And so I face the final curtain
My friend, I’ll say it clear,
I’ll state my case, of which I’m certain.

Auf Deutsch:

Und nun ist das Ende nah,
und ich sehe den letzten Vorhang fallen
Mein Freund, ich sage es dir klar,
ich erkläre dir wovon ich überzeugt bin

„myMONK hilft Dir, innere Ruhe und Deinen eigenen Weg zu finden, zumindest ist das das große Ziel“, so lese ich es bei Tim Schlenzig.

Mein Name ist Dietmar, aber er ist nicht meine Erfindung und er war nicht meine Entscheidung, deshalb ist er nicht wichtig. Mein Weg ist auch nicht wichtig, aber ein Weg, der bereits gegangen wurde, von einem Dietmar könnte interessant sein.

„Mein Freund, ich sage es dir klar, ich erkläre dir wovon ich überzeugt bin.“

Ich bin neu in dieser Welt. Mir ist kalt. Die Zähne tun weh. Ich habe strenge Eltern, ich bin nicht so gerne bei Ihnen, die Welt ist eng und so voller Einschränkungen, ich hasse Erziehung und Bevormundung. Ich träume viel, und habe Erinnerungen an eine andere Welt. Ich sitze viele Stunden allein und träume, ich mache mir unentwegt Gedanken über die Freiheit. Ich werde endlich 14 und kann in ein Schüler-Heim, ich habe aber auch da keine Freude und keine Freunde, der Leistungsdruck ist enorm, die Seele leidet. Ich bin endlich 18 und Volljährig, ich kann nun tun und lassen was ich will, doch es stellt sich heraus, dass das nur ein Konzept ist. Ich bin 22 habe einen Beruf, bin verheiratet, habe keine Geldsorgen, bin gesund, das Leben hat mich endlich erreicht.

Ich bin 28 und ich will jetzt die Freiheit, ich habe sie noch nicht gefunden, die Gesellschaft lässt das nicht zu, ich muss funktionieren, ich muss Montag für Montag erneut einen Kampf führen, ich schaffe es gerade mal bis Freitag Mittag, dann flüchte ich in Träume. Ich finde die Freiheit nur mit geschlossenen Augen, im Schlaf oder heimlich, wenn ich einnicke. Ich schreie innerlich so laut, dass dieser Schrei irgendwann erhört werden muss. Mitmenschen feiern und lieben ihr Leben, freuen sich auf Jubiläen, mir jedoch rutscht unbedacht der Satz heraus: „mit 30ig wird sich alles ändern, mit 30ig werde ich seriös!“ Ich kapier selbst nicht was ich da sagte, und damit meinte.

Die Zeit ist gekommen, ich bin 30ig und ich werde irgendwie zu einem Kontakt mit und in die Geisterwelt des Jenseits gelenkt. Ich treffe meine Oma und Uroma, meinen Opa, und mehrere Priester sowie Heiler. Sie helfen mir weiter, mein Wunsch ist nun klar: „Ich will heilen, heilen und segnen!“ Doch auch diesen Satz verstehe ich selbst nicht. Wie könnte ich das nur anstellen? Ich habe keine Befähigung. Beruf, Verpflichtungen, Gesellschaft ich kann doch nicht ohne festes Einkommen leben. Der Alltag schmerzt. Ich nehme mir eine Auszeit, und fliehe für drei Tage in die Berge. Ich bin so allein, ich funktioniere einfach nur bis ich müde werde, und hoch oben in den Alpen einschlafe. Ein neuer Morgen, es ist noch fast finster, ich krieche aus dem Zelt, ich warte auf die wärmende Sonne. Ich sehe sie endlich, und Moment mal, ich sehe nicht nur sie als Licht, sondern ich sehe Milliarden Tropfen Tau, die zu leuchten und funkeln beginnen. Es ist ein Feld voller Diamanten. Ich bin reich, ich bin in diesem Augenblick das reichste Geschöpf dieser Welt. Stopp das geht nicht, bin ich etwa schon im Himmel. Die Zeit steht still. Meine Tränen lassen sich nicht kontrollieren. Ich bin endlich frei, zeitloser Einklang mit Allem, Dankbarkeit und Demut erfüllen den Raum. Murmeltiere huschen vorbei, ich liebe sie. Heuschrecken hüpfen von Blume zu Blume, ich liebe sie. Bergdohlen ziehen ihre Kreise, ich liebe sie. Ich sehe ins tiefe Sorgental der Menschen, ich liebe plötzlich auch sie. Alles liebe ich in diesen Momenten. Es existiert im Blick mit der Schöpfung kein Gegenteil, alles hat ein und dieselbe Ausrichtung. Endlich bin ich frei.

Die Erinnerungen blieben eine kurze Weile noch, aber die Freiheit ließ sich dennoch nicht mitnehmen, der Alltag begrub sie unter sich. Ich bin 33, und total zerstört am Boden. Seit Jahren und unzähligen Stunden suche ich ganz verbissen nach dem Anfang, nach Gott und dem wahren Selbst, dass ich kurze Zeit erleben durfte. Ich suche nach einem Jesus des Herzens, mir ist es einerlei wie man es bezeichnen kann, ich will endlich Freiheit. Ich kapiere weder die Religion noch die Ideale die sie vermitteln. Ich bin allein, sehr allein. Ich breche nicht auseinander, schade eigentlich, ich bin jung und kräftig, aber gefangen im Leben; der Tod wäre so süß, so einfach, so erlösend, aber ich traue mich nicht diese Option zu wählen. Es bleibt beim Verhandeln mit dem Fährmann, der Preis ist zu hoch.

Ich muss wissen wer ich bin! Ich muss wissen was ich hier tue! Ich muss wissen ob ich noch weiter machen muss! Gott würde mich, als jemand der eine Abkürzung nahm, strafen, ich  habe Angst, unaussprechliche Angst, Angst wahnsinnig zu werden, Angst ewig Gefangener zu bleiben. Ich beginne intensiver als je zuvor zu suchen. Ich lasse meinen Beruf sausen, ich ziehe mich vor der Gesellschaft zurück, ich kapsle mich ein, ich lebe in der Isolation und lese, lerne und denke. Jahre vergehen, ich lese, lerne und denke; wo kann ich sie finden, die Freiheit. Logik, Ratio und Willen. Wollen, Tun und nicht mehr Umkehren, es gibt kein zurück mehr. Endlich ein Lichtblick, er ist so kurz, und so geradlinig wie ein Stich mitten ins Herz. Der Satz: „Es gibt nur die Quelle von Allem, und diese hat sich nie verändert!“ öffnet plötzlich eine Tür. Was für eine Quelle, was für ein Tür? Das Wort „Gott“ hat diese Tür unkenntlich gemacht, das Wort „Jesus“ hat diese Tür verstellt. Gerade als ich das Licht suchte, wurde ich immer und immer wieder in die Finsternis geleitet. Ich suchte das Licht, und jeder einzelne Strahl der durch die Augen trat, wurde in ein Labyrinth namens Religion und Glaube geschickt, es war wie durch ein verschliffenes Prisma unmöglich, klar sehen zu können. Endlich, nach so langer Zeit, endlich schaffte es ein Strahl, durch die Worte hindurch zur Bedeutung zu stoßen. Dieser Strahl brach die Tür auf, und nun ist Licht am Flur, und nun beginnt ein müdes Auge, ein von Dunkelheit geschwächtes Auge, langsam von neuem sehen zu lernen.

Das neue Licht schmerzt, aber es gibt keine Möglichkeit mehr, die zerbrochene Tür einzuhängen, sie hat ein für alle mal ausgedient. Der Geist kann wieder atmen, die Seele kann wieder lachen, der Himmel ist ein Konzept. Mensch sein, bedeutet irgendwann stark genug zu sein, um sich von der Finsternis nicht länger einschüchtern zu lassen.

„Mein Freund, ich sage es dir klar, ich erkläre dir wovon ich überzeugt bin.“

Dietmar Schmidt, www.setup-your-soul.at

 

Photo (oben): Vincent