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Hochsensibilität ist ein Begriff, der in den 1990er Jahren erstmals aufgekommen ist. Während die Einen Hochsensible als Mimosen darstellen, die behaupten, ihr hypersensibles Nervensystem sei schuld daran, dass sie mit ihrem Leben und ihrer Umwelt nicht klarkommen, gründen andere Vereine, um Hochsensible zu stützen und die Wissenschaft um die Erscheinung voran zu treiben.

Was ist Hochsensibilität?

Hochsensible Personen (HSP) nehmen ihre Umgebung anders wahr, als „normale“ Menschen. Sie sind in der Lage, mehr Reize, mehr Sinneseindrücke, mehr Details wahrzunehmen. Außerdem scheinen sie Reize anders zu verarbeiten. Reize aller Art, darunter Geräusche, Gerüche, Farben etc., werden normalerweise so gefiltert, dass nur das, was wichtig erscheint, in das Gedächtnis gelangt. Auf dem Weg zur Arbeit mag sich ein normaler Mensch vielleicht an das Klingeln des eigenen Handys erinnern. Das Brausen der vorbeifahrenden Autos, das Bimmeln der Straßenbahn und das Lachen vorbeigehender Schulkinder, nimmt er dagegen gar nicht erst in seine Erinnerung auf. Anders dagegen ein Hochsensibler.

Hochsensible Menschen registrieren jedes noch so kleine Detail. Sie sind den Stimmungen ihrer Mitmenschen unterworfen, erleben ihre Umwelt besonders intensiv und sind nicht in der Lage, sich von ihr abzugrenzen. Hochsensibilität gilt nicht als Krankheit. Vielmehr ist sie eine Eigenheit des Nervensystems, das schlichtweg anders reagiert als bei normal sensiblen Menschen.

Die Folgen der Hochsensibilität

Als hochsensibel gelten rund fünfzehn bis zwanzig Prozent der Bevölkerung. Zu schätzen ist die Anzahl Hochsensibler schwer, da es bisher weder eine wissenschaftlich anerkannte, einheitliche Definition gibt, noch Messinstrumente oder Tests, die als zuverlässig angesehen werden können. Georg Parlow, der dem österreichischen Verein „zart besaitet“ vorsitzt und sich der Förderung Hochsensibler verschrieben hat, bezeichnet Hochsensibilität als „Begabung“.

Gewissenhaft, gerecht und nicht selten perfektionistisch sind hochsensible Personen auf der einen, schmerzempfindlich, reizbar und konzentrationsschwach auf der anderen Seite. Sie sind in der Regel gute Zuhörer, können sie doch Stimmungen außerordentlich gut wahrnehmen und sich lebhaft in die Empfindungen anderer hineinversetzen. Geht es jedoch darum, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, um nicht in der Informationsflut der modernen Medienwelt unterzugehen, sind sie überfordert und schnell zum Scheitern verurteilt.

Hochsensibilität ist keine Krankheit und kann demnach auch nicht im klassischen Sinne behandelt werden. Hochsensible leisten bemerkenswerte Beiträge für die Gesellschaft. Sie sind künstlerisch begabt, gesellschaftlich engagiert und vertreten hohe ethische Werte. Dennoch müssen sie in einer Welt bestehen, in der Reizüberflutung zum Alltag gehört. Dies geht nur, indem sie ihre Umgebung so reizarm wie möglich gestalten und ihr Leben an die Erfordernisse ihres Nervensystems anpassen. Wie dies geht, schildern Betroffene unter: http://www.gutefrage.net/frage/hochsensibilitaet-desensibilisieren .


Photo: Peter McConnochie