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Stefan Delfs ist Heilpraktiker und Yogalehrer und beschäftigt seit vielen Jahren mit den heilkundlichen Aspekten des Yoga. Wann Yoga beim Gesundwerden unterstützen kann und warum es in Kombination mit naturheilkundlichen Mitteln und der eigenen Vorstellungskraft besonders gut wirken kann, erfahren wir von ihm im myMONK-Interview.

Wie wirkt sich Yoga grundsätzlich auf einen kranken Organismus aus?

Zum einen sollte man wissen, dass aus yogischer Sicht der grobstoffliche Körper, annamayakosa (= Hülle aus Speise und Trank), Ausdruck und Umsetzung feinerer Strukturen ist, nämlich von vier zunehmend feineren Hüllen (= kosas). Die nächstfeinere Hülle ist pranamayakosa (= Hülle aus Energie/Atem) mit den Cakras, den sieben energetischen Zentren. Durch  regelmäßiges Yogaüben mit asanas und pranayamas (Körperhaltungen und Atemübungen) werden insbesondere die Cakras angeregt. Die Lebensenergie insgesamt wird dadurch gestärkt. Kleinere Wehwehchen verschwinden dann vielleicht von allein.´

Bei schwereren Krankheiten macht Yoga den Arzt, den Therapeuten oder den Apotheker nicht überflüssig. Aber die körperlichen Voraussetzungen bessern sich. Und die gesteigerte Lebensenergie führt oft zu einer höheren Wirksamkeit von Medikamenten. Meist können, bitte immer in Absprache mit dem Arzt, die Dosierungen teilweise deutlich gesenkt werden.

Zum anderen wirkt der Yoga auf geistiger oder seelischer Ebene. Das wichtigste für einen Menschen ist eine umsetzbare Lebensperspektive. Entweder kann Yoga helfen, Schwierigkeiten zu überwinden. Oder Yoga hilft, sich mit Unabänderbarem auszusöhnen. Zwischen den beiden Möglichkeiten irgendwo stecken zu bleiben, das vermiest das Leben und die Gesundheit.

Gibt es Erkrankungen, bei denen Yoga besonders gut dazu geeignet ist, die Behandlung und Heilung zu unterstützen?

Bei allen Beschwerden, bei denen noch keine organischen Schäden vorliegen, bei allen Beschwerden, bei der eine innere, oft vegetative Fehlsteuerung vorliegt, (essentieller Bluthochdruck, Migräne, Schlafschwierigkeiten, Nackenverspannungen, Nervosität u.a.) kann man unterstützend mit Yoga arbeiten. Auf lange Sicht ist das vielversprechend. Aber für sofort ersetzt das nicht die ärztliche Betreuung. Arrhythmien bauen sich über einen langen Zeitraum auf, bevor sie sich körperlich manifestieren. Die Neu-Rhythmisierung erfordert dann geduldiges Üben.

Wie können alternativmedizinische Ansätze wie die Homöopathie oder Akupunktur und Yoga bei der „Heilung“ zusammenwirken?

Ich verweise auf die erste Frage. Yoga verbessert die Wirksamkeit von feineren Therapien. Akupunktur und Homöopathie werden deutlicher vom Patienten erlebt. Sie spüren dann oft erst, was das jeweilige Mittel oder das Setzen der Nadeln bewirkt. Die Leute erfahren unmittelbar an sich etwas, das nur schwer mit Placebo-Effekt erklärbar ist. Yoga und die feinstofflichen Therapien erhöhen zusammen oft noch einmal die Wirksamkeit der allopathischen Mittel und erlauben noch eine weitere Reduzierung der Dosierung. Man kann da nichts versprechen, aber dieses Phänomen habe ich häufig beobachtet.

Im von Ihnen praktizierten Yoga-Stil kommt, neben der Anbindung der Körperhaltungen an den Atem, die Arbeit mit Bekräftigungsformeln und der Kraft der Imagination eine besondere Rolle zu. Welche Bekräftigungsformeln sind das, wie wird die Vorstellungskraft eingesetzt – und was bringt das alles?

Die Bekräftigungsformeln sind vielleicht der entscheidende Hebel im Übungsstil Yesudian. Mein Lehrer Rudolf Fuchs hat das dann noch einmal verschärft. Sprechen Sie mal „Ich bin stark“ oder “Ich beherrsche mein ganzes Leben“, wenn Sie sich hundeelend fühlen oder mit Fieber im Bett liegen oder wenn Sie Schmerzen haben.  Das führt Sie an den Rand Ihres Verstandes. Da denken Sie dann manchmal: Was für ein Unsinn, was mache ich da überhaupt. Und das führt Sie dann gelegentlich zur entscheidenden Frage: „Wer bin ich?“ (=Vicara-Frage). Bin ich der Körper? Bin ich wirklich der Schmerz? Und dann, und das ist das eigentliche Yogaerlebnis, wechseln wir zum unvergänglichen Anteil in uns, und all die Beschwernis sind für einen Moment weg. Wer das ein- oder zweimal erlebt hat und eine Wende in einen dann vielleicht immer noch langen Genesungsprozess, hört mit dem Yogaüben nicht mehr auf.  Es gehört aber unbedingt ein betreuender Yogalehrer dazu, der einen zum Arzt schickt, wenn es nötig ist. Damit man nicht im falschen Moment den Helden spielt. Es geht nicht darum, sich in gefährliche Situationen zu manövrieren.

Die Imagination, die Vorstellungskraft beeinflusst immer auch körperliche, neuronale und hormonelle Prozesse. Sie nimmt stark Einfluss auf Genesungsprozesse und Regeneration. Yoga arbeitet mit starken Symbolen wie dem Frosch, dem Löwen oder dem Berg, um die damit verbundenen Vorstellungen von Kraft und Stärke in uns anzuregen. Abwärts gerichtete Gedanken haben wir vielleicht schon genug. Starke Symbole bringen da wieder eine andere Seite in uns zum Klingen. Am Anfang einer Entwicklung steht beim Menschen immer eine Idee, ein Perspektivenwechsel, manchmal eine Vision. Das unterscheidet den Menschen von allen anderen Lebewesen. Dahinter steht auch die alten indische Weltanschauung nama – rupa: Erst ist der Name einer Sache da, dann bildet sich der entsprechende Körper oder das dazugehörende Ding.

Können Sie eine einfache Atemübung aus Ihrem Yoga-Unterricht empfehlen, die uns schnell Kraft und innere Ruhe spenden kann?

Wenn es schnell gehen muss, sollte man zum Arzt gehen! Angenommen, es gäbe eine solche schnelle Möglichkeit. Mal ehrlich: Wer würde dann noch nachhaltig mit sich arbeiten? Ich behaupte: fast niemand. Ob die Menschheit noch lernt, mit unserem Planeten nachhaltig zu wirtschaften, muss man offen lassen. Aber jeder kann bei sich anfangen und sollte mit sich Nachhaltigkeit praktizieren. Sonst landen wir in der nächsten Sackgasse.

Rein theoretisch ist andererseits Ihre Frage leicht beantwortet: Wenn Sie wissen, wie Sie ganz schnell vom Tun auf Nicht-Tun umschalten können, wenn Sie vom Denken ins Nicht-Denken wechseln können (= näherungsweise Pratyahara = frei von Gedanken, Meditation), bekommen Sie sofort Energie.

Aber wer das kann, muss nicht mehr Yoga üben, jedenfalls nicht Hatha-Yoga. Für alle anderen gilt: Man übt und bemüht sich, um Momente der Stille, des Nicht-Tuns zu erkennen und zuzulassen. Von dort her erwächst Energie.

Wie zeigen sich Fortschritte in der Yoga-Praxis?

Fortschritt erkenne ich allein im zunehmenden zur Ruhe kommen können. Selvarajan Yesudian formulierte so: Wenn wir statt achtzig Gedanken in der Minute nur noch sechzig Gedanken in der Minute denken, haben wir schon viel erreicht.

Von dort geht es dann weiter auf vierzig Gedanken pro Minute. Dann weiter auf zwanzig, auf zehn, fünf, zwei und einen. Und dann kam beiden großen Yogins auch die Null – das Nicht-Denken – tiefe Meditation. Das ist Fortschritt im Yoga.

Keine Angst, nach der Pause geht es zurück in die Welt, das Denken kommt wieder. Beim Tiefschlaf geschieht ja etwas Ähnliches, und doch wachen wir immer wieder auf.

Die Fähigkeiten und das Konzentrationsvermögen von großen Yogins sind aber nur so erklärbar. Für unsere Ohren hört sich das manchmal phantastisch an. Aber es ist alles ganz natürlich und geschieht auch ohne Yoga gelegentlich sowieso. Auch die Erlebnisse unserer Mystiker im Abendland beruhen auf solchen meditativen Vorgängen.

Wie können die Leser Sie am besten kontaktieren?

Über Telefon und per Email. Beides finden sie auf meiner Internetseite.

Herzlichen Dank!