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Glorreicher Start, Hoffnungen, Versprechen. Das Gefühl: Dieses Mal ist’s für immer. Und dann doch wieder das Ende, Scherben, totes Land, verrottete Träume.

Warum gehen so viele Beziehungen in die Brüche?

Vielleicht liegt das auch am weit verbreiteten romantischen Ideal unserer Zeit:

Die Vorstellung, zwei verwandte Seelen müssten verschmelzen, ein einziges Knäuel bilden, zwei Menschen sich wie siamesische Zwillinge durch ihre Jahre bewegen. Aber siamesische Zwillinge haben vermutlich nicht die besten Überlebenschancen auf der chaotischen, tausendspurigen Autobahn unserer Zeit.

Dann gibt es noch das gegenteilige Problem. Das Auseinanderdriften der Partner durch 60-Stunden-Wochen und gnadenlose Selbstverwirklichung, bei der die Liebe und der andere auf der Strecke bleiben.

Keine leichte Aufgabe, diese Balance aus Intimität und Individualität, aus Nähe und Unabhängigkeit, aus Gemeinsamem und Alleinsamem.

In seinem 1923 erschienenen Der Prophet schreibt der libanesisch-amerikanische Dichter und Philosoph Khalil Gibran über das Geheimnis einer langen Liebe:

Ihr wurdet zusammen geboren,
und ihr werdet auf immer zusammen sein.
Ihr werdet zusammen sein, wenn die weißen Flügel des Todes eure Tage scheiden.
Ja, ihr werdet selbst im stummen Gedenken Gottes zusammen sein.

Aber lasst Raum zwischen euch.
Und lasst die Winde des Himmels zwischen euch tanzen.
Liebt einander, aber macht die Liebe nicht zur Fessel;
lasst sie eher ein wogendes Meer zwischen den Ufern eurer Seelen sein.

Füllt einander den Becher, aber trinkt nicht aus einem Becher.
Gebt einander von eurem Brot, aber esst nicht vom selben Laib.
Singt und tanzt zusammen und seid fröhlich, aber lasst jeden von euch allein sein,
so wie die Saiten einer Laute allein sind und doch von derselben Musik erzittern.
Gebt eure Herzen, aber nicht in des anderen Obhut.

Denn nur die Hand des Lebens kann eure Herzen umfassen.
Und steht zusammen, doch nicht zu nah:
Denn die Säulen des Tempels stehen für sich,
und die Eiche und die Zypresse wachsen nicht im Schatten der anderen.

Die Liebe ist etwas Lebendiges. Dafür braucht sie Luft zum Atmen.

Mehr dazu unter Abhängigkeit und Angst vor Nähe – Wie und warum Beziehungen aus dem Gleichgewicht geraten und unter 15 Gedanken zur Liebe und Selbstliebe.

Photo:martin.mutch