Neu im Podcast von myMONK: Ich schäme mich so. Und folgst Du myMONK schon bei Instagram?

Krank die Welt, an vielen Stellen, und krank sind auch viele Beziehungen. Da verbringen Menschen Jahre und Jahrzehnte zusammen und machen sich das Leben noch schwerer, als es ohnehin schon ist. Hören sich nicht zu. Beleidigen sich. Belügen sich. Betrügen sich (eine Rutschpartie auf der Sekretärin, ein Ritt auf dem buckligen Gärtner). Fallen sich in den Rücken, bei jeder Gelegenheit. Schaffen sich ihre persönliche Hölle. Aber selbst an diese Hölle gewöhnt man sich, richtet sich dort ein, wo Blut von der Decke tropft und Tränen ganze Badewannen füllen und zahnlose Münder stumm vor Schmerzen schreien.

Dann gibt’s noch den Gegenentwurf. Die Hollywoodfilme und den Medienkäse mit Leuten, die sich so sehr lieben, dass einem die Worte fehlen, wooow. Seelenverwandt, angeblich, auf Wolke 7, tagein, tagaus. Mit 102 Jahren immer noch dreimal Sex am Tag miteinander, jedes Gespräch eine Offenbarung, jede noch so harte Zeit durch das Miteinander in Watte gepackt, jede Wunde durch das Herz des Anderen geheilt.

Unsere Realtität liegt oft dazwischen. Weder durchfallbraun, noch rosarot. Nicht mehr verliebt wie am ersten Tag, nicht immer einer Meinung und nicht immer nur alles leicht. Aber trotz einiger Abstriche vielleicht ja gesund und gut für uns. Das Richtige. Das, was wir festhalten sollten.

Die Frage ist nur:

Woran erkennt man eine gesunde Beziehung?

Oder: Woran merkt man, dass man zusammenpasst?

Dafür gibt es einige Anzeichen.

Hier zehn davon:

  1. Geteilte Werte. Aus unseren Werten wachsen unsere Lebenspläne. Schwierig kann es werden, wenn der Eine die Freiheit liebt, die Welt bereisen will, und der Andere sich nur nach einem gemütlichen Zuhause sehnt und zwanzig Kindern. Saint-Exupery schrieb ja, Liebe würde nicht bedeuten, dass man einander ansieht, sondern dass man gemeinsam in die gleiche Richtung blickt. Viele gemeinsame Interessen braucht eine gesunde Beziehung dagegen nicht. Solange es trotzdem gemeinsame Quality Time gibt, müssen nicht beide eine Leidenschaft für Briefmarken oder gestörten Nazi-Schmuck teilen.
  2. Akzeptanz. Für das, was dem Partner wichtig ist. Für seine Einstellung, für seine Ziele, selbst dann, wenn sie sich mal nicht mit unserer decken. Und für seine Fehler. Wir fühlen uns nicht nur angezogen, sondern mögen ihn auch.Klar regt uns manches manchmal auf. Warum auch nicht. Nur lassen wir ihn grundsätzlich sein, wie er ist, reparieren nicht an ihm herum, als wäre er ein kaputtes altes Auto. (Heißt natürlich nicht, dass wir uns alles gefallen lassen müssen.)
  3. Vertrauen und Sicherheit. Das Gefühl von Sicherheit. Kein unfairer Krieg in stürmischer See, mit einschüchternden Flugzeugträgern und fiesen U-Booten. Sondern ein Hafen, in dem man einkehren und Ruhe finden kann, wenn die Wellen draußen hoch wie Türme sind. Es mag Auseinandersetzungen geben. Auch mal kleine Stellungskriege. Doch ist die Landschaft alles in allem eine friedliche; eine, die sich wie Heimat anfühlt.  Dazu braucht es die Bereitschaft, nach einer Krise wieder aufeinander zuzugehen und nicht sofort alles hinzuwerfen, nur weil es nicht perfekt ist.
  4. Offenheit. Sprechen, sprechen, sprechen. Die eigenen Bedürfnisse und Gefühle teilen. Regelmäßig. Ohne Furcht, dafür bestraft zu werden. Sich verletzbar zeigen können, mit allem, was zu einem gehört, die Traurigkeit und der Zorn und die Zweifel, die einen durch den Kopf geistern, und die alten Leichen im Keller.
  5. Das richtige Maß aus Unabhängigkeit und Abhängigkeit. Kein siamesischer Zwilling werden, sondern zwei eigenständige Personen bleiben, die sich brauchen, aber nicht gegenseitig verbrauchen in dieser irren Idee, verschmelzen zu wollen oder zu müssen. Gesund ist, wenn es noch Raum gibt für ein Leben außerhalb der Beziehung. Die Bedürfnisse der Partner nach Nähe und Freiheit wandeln sich dabei immer wieder, geraten jedoch nicht dauerhaft in ein Ungleichgewicht.
  6. Wachstum und Unterstützung. Dem Anderen helfen bei seinen Zielen und seiner Entwicklung, ihn bekräftigen, nicht schwächen. Sich selbst von Zeit zu Zeit zurückstellen und Cheerleader sein. Das „Wir“ vor das „Ich“ stellen können. Unterstützung auch im Alltag, sich hineinteilen, die jeweiligen Stärken einbringen. Nicht vorm Fernseher hocken im abgeranzten Unterhemd, während die Frau sich mit zwei Babys im Arm durch drei Jobs am Tag und den Haushalt quält.
  7. Positive Annahmen. Den Partner in einem guten Licht sehen. In ungesunden Beziehungen verfolgen wir ihn oft mit grellen Scheinwerfern überall hin und unterstellen ihm permanent etwas Böses. In einer gesunden Beziehung gehen wir davon aus, dass er nur zu spät nachhause kommt, weil er im Büro noch etwas erledigen musste, denn für seine Familie legt er sich ins Zeug in der Arbeit. Und der Ketchup-Fleck ist vielleicht einfach ein Ketchup-Fleck und kein Rückstand von seiner letzten nächtlichen Serienmörder-Tour. Wir stellen die Partnerschaft nicht bei jedem Firlefanz infrage und nehmen nicht alles persönlich.
  8. Freiwilligkeit. Das Gefühl, aus Entscheidung zusammen zu bleiben. Nicht aus Gewohnheit. Nicht aus dem Gefühl der Abhängigkeit. Nicht „wegen der Kinder“. Nicht, weil man leider schon vorm Lottogewinn eine Vier-Millionen-Euro-Villa zusammen gekauft hat. Nicht aus Angst, dass der Partner sich oder uns selbst umbringen würde, wenn man ginge.
  9. Glück. Man kann auch unglücklich sein, während man in einer guten Beziehung ist. Man kann aber kaum glücklich sein, wenn man in einer kranken Beziehung ist. Wenn Du also mit einem Lächeln auf den Lippen „ja“ sagen kannst zu Deinem Leben, dann passt die Partnerschaft wahrscheinlich auch. Dazu braucht es keinen ununterbrochenen Rausch aus Verliebtheit und endlosem Verzehren. Vielmehr fühlt sich das Zusammensein natürlich an. Das Herz überschlägt sich vielleicht nicht mehr wie am Anfang, doch geht es noch immer auf, wenn wir an den Gefährten denken, und es vermisst ihn noch immer, wenn er länger weg ist.
  10. Tiefe, zunehmend. Wir lernen den Partner immer besser kennen. Lernen, was er braucht, um sich geliebt zu fühlen. Meistern gemeinsam Krisen und zeigen der Welt die Stirn, Hand in Hand. Damit schlägt die gesunde Beziehung Wurzeln, gewinnt an Tiefe über die Monate und Jahre.

Auch eine gesunde Beziehung kann mal Schnupfen haben oder sogar einen Beinbruch. Aber sie verblutet nicht aus tausend Schnitten oder verdurstet.

(Vom Gegenteil kannst Du hier lesen: 10 Anzeichen, dass Du Deine Beziehung beenden solltest  und 10 Gründe, warum Menschen in kaputten Beziehungen bleiben.)

Was macht für Dich eine gesunde Beziehung aus?