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J.K. Rowling – die Harry-Potter-Autorin – hat jahrelang eine Pleite nach der anderen eingesteckt. War arbeitslos, hat dann noch ihre Mutter verloren, die schon eine ganze Weile an MS erkrankt war. Dann einen Mann kennengelernt, ihn geheiratet… und nach einem Jahr ging die Beziehung in die Brüche. Und sie stand da, mit ihrer gerade erst geborenen Tochter, ohne Geld, ohne Plan, nur mit einem angefangenen Buch, für das sich leider kein Verlag interessiert hat.

Also nicht gerade eine beneidenswerte Situation.

Jahre später sagte sie bei einer Rede vor Harvard-Absolventen:

„Scheitern hat dazu geführt, dass alles weggefallen ist bis auf das Wesentlichste. Ich hab aufgehört vorzugeben, dass ich jemand anderes bin als die, die ich bin und ich hab angefangen, meine ganze Energie ins Abschließen der einzigen Arbeit zu investieren, die mir wichtig war. Wäre ich bei all den anderen Dingen erfolgreich gewesen, hätte ich nie diesen unbedingten Willen gefunden, in dem Bereich alles zu geben, zu dem ich wirklich gehöre. Ich war frei, weil meine größten Ängste eingetreten sind und ich trotzdem noch am Leben war. Der Tiefpunkt meines Lebens war eine stabile Basis, auf der ich mein Leben neu aufgebaut habe.“

Ihr Tiefpunkt war ihr Auftakt zu was Großem.

An dem, was passiert ist, können wir nicht mehr viel rütteln (ich hab’s oft genug selbst versucht, aber irgendwie wollte die Vergangenheit sich nicht beeindrucken lassen von meinen Bemühungen). Was wir aber beeinflussen können, ist unsere Bewertung.

Vielleicht ist es ein bisschen viel verlangt, uns im Anblick von Frust und Enttäuschung und Schwierigkeiten schon mal vorab über den bevorstehenden Aufstieg zu freuen.

Was ich stattdessen versuche, ist die Sache anzunehmen, wie sie ist … und die bewertenden Gedanken nicht ganz so ernst zu nehmen und ein bisschen offen zu bleiben dafür, dass das Ende vom einen doch nicht der Untergang von allem sein muss, sondern eventuell ja der Anfang von was Gutem.

Möglich, dass dieses Gute näher dran ist, als wir denken. Weil’s eben nicht genau vor uns liegt, sondern hinter der nächsten Ecke wartet.

Wer weiß, ob wir nicht die Partnerin oder den Partner fürs Leben kennenlernen bei der Reha, nachdem uns ein Einradfahrer auf m Zebrastreifen zusammengefahren hat.

Könnte doch sein, dass wir zwar aus dem Job als Marketingverantwortlicher in der gülleverarbeitenden Industrie rausgeflogen sind, dafür aber endlich unseren Traum von der eigenen Heilpraktiker-Heilpraxis angehen können, ohne dafür erst was hinschmeißen zu müssen, weil sich der alte Job eben selbst schon hingeschmissen hat.

Oder der Burnout, in den wir gerutscht sind. Klar ist das Kacke zu erleben, dass man erstmal kein bisschen belastbar mehr ist und alles, wirklich alles zu anstrengend … aber vielleicht unsere große Chance, uns Zeit zu nehmen für uns selbst und herauszufinden, was wir wirklich brauchen und wollen?

Und keine kann sagen, was uns erspart geblieben ist, als wir diese schicke, modern-fensterlose Eigentums-Wohnung nicht bekommen haben, obwohl wir uns für sie so gern über 30 Jahre verschulden wollten?

„Glück bedeutet manchmal, dass wir etwas nicht bekommen“, hat der Dalai Lama gesagt.

Und einen zweiten Gedanken finde ich sehr tröstlich (auch, wenn ihm etwas Kitschiges anhaften mag):

Der Moment, wo die Nacht am dunkelsten ist, liegt eine Sekunde vor dem Moment, wo die Sonne wieder aufzusteigen beginnt.

Dieser Text ist ein kleiner Auszug aus dem Podcast mit dem Titel „Du weißt nie, wofür es gut ist: Ein Gedanke, der beim Loslassen hilft“:

Photo: Night sky von Pozdeyev Vitaly / Shutterstock