Neu im Podcast von myMONK: Ich schäme mich so. Und folgst Du myMONK schon bei Instagram?

Keiner von uns schafft die ganze Strecke, ohne dass er unterwegs verletzt und enttäuscht und schlecht behandelt wird. Von oben herab, von hinten heran, manchmal im fliegenden Wechsel, und man denkt sich dann: Scheiße, was für eine Scheiße, und die Wolken ziehen zu und alles schaut ziemlich finster aus, und niemand ist da, neben uns auf der Bettkante, mit uns auf den Boden starrend, den Arm auf unserer Schulter.

Zumindest ein kleines bisschen Trost und neuen Mut kann in solchen Zeiten vielleicht die folgende alte Geschichte spenden, immerhin ist sie besser als nichts.

Wem ist nicht schon mal ein Esel in den Brunnen gefallen?

Ein Bauer ist mit seinem Esel unterwegs. Der Esel schaut tief in einen alten, verlassenen Brunnen. Ein bisschen zu tief. Er kommt aus dem Gleichgewicht und fällt rein.

Der Esel schreit, dass es einem das Herz zerreißen könnte. Der Bauer überlegt, was er tun kann. Ihm fällt nichts ein. Aber was soll’s, denkt er, das Tier ist schon ein bisschen älter und kaum noch zu gebrauchen. Und der Brunnen sollte ohnehin mal zugeschüttet werden, und wenn man das gleich erledigte, würde auch noch das Geschrei des Esels aufhören.

Also versammelt er das Dorf um sich. Die Meute legt los und kippt Dreck in den Brunnen, Schaufel für Schaufel. Dem Esel dämmert, was man ihm antun will. Er schreit noch lauter.

Nach einer Weile aber beruhigt er sich plötzlich. Ein paar geschaufelte Ladungen später schauen die Dorfleute nach: Der Esel schüttelt den Dreck von sich ab und tritt ihn unter sich fest. Mit jeder Ladung Dreck kam er so ein Stückchen höher … und kann nun über den Rand springen.

Genau das tut er und läuft davon in die Freiheit.

„Wie man Sorgen, Stress und Selbstzweifel loslässt“

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Den ganzen Dreck für sich nutzen

Dasselbe können wir tun mit dem schlechten Verhalten, das man über uns auskippt. Und mit den Worten, mit denen wir beworfen werden.

Sie abschütteln, sie festtreten, dann höher stehen.

Sie abschütteln, sie festtreten, dann weitergehen.

Mehr unter Wie man aufhören kann, genervt und verletzt zu sein (in 60 Sekunden) und unter Von Leid befreien mit einer einfachen Frage.

Photo: Black jacket / Shutterstock