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Muss Spiritualität immer staubtrocken sein? Nö, sagt Yogalehrerin Silvia Doberenz und schüttet mit ihrem Kabarettstück „Erleuchtung für Anfänger“ einen Eimer Humor über die Landschaft von Zen-Meditation, Yoga, Taichi und Tarot.

Es folgt ein Auszug aus der aktuellen Ausgabe von „connection spirit, Deutschlands ältester Zeitschrift rund um die Spiritualität.

Wolf Schneider, Gründer des zugehörigen connection-Verlags, spricht darin mit Silvia über Erleuchtung, Humor, schwere Zeiten und leichten Glauben.

Vorab noch ein exklusiver, 10-minütiger Ausschnitt aus Silvias Programm:

 

Silvia Doberenz und die „Erleuchtung für Anfänger“

Ob man Humor in den Genen haben muss oder es erlernen kann, darüber wird unter Pädagogen viel gestritten. Eines aber hilft sicher: schlimme Erlebnisse! Wenn man sich die Statistiken zunehmender Depressionen und Burn-out Fälle ansieht, scheint das jedoch nicht auszureichen, um aus einem Gescheiterten oder Geprellten einen lächelnden Weisen zu machen. Es muss wohl noch etwas dazu kommen, um über das eigene Scheitern lachen zu können. Bei der Yogalehrerin Silvia Doberenz kam zu dem Schock zutiefst betrogen worden zu sein (Ah, danke!) die Hilfe von Freunden hinzu, ihre Kämpfernatur und ein Mantra aus ihrer DDR-Jugend: »Vorwärts immer – rückwärts nimmer!«

Silvia sagt:

  • »Humor und die Bereitschaft, über sich selbst zu lachen, sind für mich Schlüssel, um bei der spirituellen Suche nicht Dogmatismus und Scheinheiligkeit zum Opfer zu fallen«
  • »Es war für mich Glück – oder sogar eine große Gnade –, mit diesem Kabarett-Stück meine Wut und Enttäuschung in Freude und Kreativität transformieren zu können«
  • »Ich dachte: ‚Was die anderen Erwachten können, das kann ich auch!‘ Und so wurde ich Erleuchterin«

Fragen an Silvia Doberenz (Interview mit Wolf Schneider)


Wolf: Hallo Silvia, in deinem Kabarettstück »Erleuchtung für Anfänger« mokierst du dich über so einige Marotten der Psycho- und Spiriszene. Und gehörst ihr als Yogalehrerin doch selbst an, oder? Wie ist das für dich zu vereinbaren?

Silvia: Für mich ist das sehr gut zu vereinbaren. Schließlich hat ja jeder Berufsstand seine Eigenheiten und Marotten, nur ist die Humor-Fähigkeit in der spirituellen Szene besonders unterbelichtet, finde ich. Und genau da beginnt meine Mission – als Erleuchterin. Humor und die Bereitschaft, über sich selbst zu lachen sind für mich Schlüssel, um bei der spirituellen Suche nicht Dogmatismus und Scheinheiligkeit zum Opfer zu fallen. Schon der große Guru Karl Valentin meinte: »Man soll die Dinge nicht so ernst nehmen, wie sie sind.«

Seit meiner Teenie-Zeit beschäftige ich mich mit diesen Dingen. Mir ist dabei immer wieder aufgefallen, wie ernst sich doch viele Menschen nehmen bei ihrer Suche und wie schnell dabei so etwas wie ein spirituelles Strebertum entsteht. Während man noch reiner, noch liebevoller, noch gütiger werden möchte, fängt man an, andere, die sich nicht auf dem gleichen Weg befinden, insgeheim zu verurteilen, sich als was Besseres zu fühlen und eigene negative Gefühle in einen Zuckermantel der liebevollen Güte zu kleiden, der irgendwann ziemlich klebrig wird, weil er keine authentische Kommunikation und keinen ehrlichen Austausch mehr ermöglicht.

Wolf: Genau! Deshalb bin ja seit einiger Zeit, speziell auch in dieser Zeitschrift, zum Missionar des Humors geworden, und muss nun aufpassen, dass ich in dieser Rolle nicht überschnappe und mich weiterhin, nun auch in dieser Rolle, ausreichend komisch finde. Schon aus Gründen der guten Unterhaltung. Ob die Humor-Fähigkeit unter Spiris unter- oder überbelichtet ist, darüber kann man wohl streiten. Eine humorvolle Haltung gegenüber religiösen Themen grassiert jedenfalls unter Gläubigen eher nicht. Als Begeisterter von einer religiösen Praxis – auch: einem Glauben – ist man in seiner frischen Verzückung ja erstmal nicht so erpicht darauf, diese von anderen verspottet zu finden. Mein Eindruck ist jedoch, dass in den reiferen Stadien jedweden spirituellen Weges, die ja auch Phasen der »dunklen Nacht der Seele« enthalten, spätestens nach solchen »Nächten« der Humor ein Ingredienz des Lebensgefühls geworden ist.

Silvia: Ja, das denke ich auch, ohne die einzelnen spirituellen Wege wirklich gut zu kennen. Ich glaube, dass richtig guter Humor immer aus einer emotionalen Tiefe kommt. Bei mir jedenfalls war tatsächlich eine sehr »dunkle Nacht der Seele« der Auslöser, um »Erleuchtung für Anfänger« zu schreiben. Humor war dabei absolut mein Lebensretter, nur durch Humor gelang es mir, aus meinem persönlichen Drama eine Komödie zu machen.

Mein Drama (so richtig kann ich immer noch nicht glauben, dass das alles mir passiert ist) begann ganz romantisch: Ich hatte im Sommer 2010 in Deutschland meinen Seelenpartner gefunden, davon war ich jedenfalls von ganzem Herzen überzeugt. Es war ein sehr charismatischer indischer Nachwuchs-Guru. Ich hab mich Hals über Kopf in ihn verliebt und bin dann mit ihm nach Indien, um dort ein Meditationszentrum aufzubauen. Ich war wie hypnotisiert, keine Ahnung, was da passiert ist. Wir sprachen von Hochzeit, und ich hatte meine Zelte in Deutschland schon fast abgebrochen, die Yogaschule einer Freundin übergeben und mich auch sonst nicht weiter um die Akquise für meine Kommunikationstrainings gekümmert.

Bis ich eines Tages feststellte, dass er die ganze Zeit über parallel in Deutschland noch eine andere Verlobte hatte. Und ein Kind aus erster Ehe und wahrscheinlich noch die eine oder andere Geliebte … Puh – das war ein Schock! Mir war klar, ich muss ganz schnell da weg, sonst schafft er es – er mit seiner großen Überredungs- und Manipulationsgabe – mich zum Bleiben zu überreden. Also bin ich geflüchtet und stand im Frühjahr 2011 zurück in Deutschland erst mal vor einem riesengroßen Fragezeichen. Alle Hoffnungen, Träume und Pläne dahin – wovon jetzt leben, was tun?

Dann kam ziemlich schnell die Idee, endlich das zu machen, was schon immer ein Herzenswunsch von mir war: ein eigenes Solo-Programm. Kaum war die Entscheidung gefallen bekam ich von allen Seiten so viel Unterstützung – es war ein einziges Flow-Erlebnis. Drei Monate später, im August 2011, war schon die Premiere.

Wolf: Wow, starke Geschichte! Sie erinnert mich das, was Eckart von Hirschhausen mir gerade geschrieben hat: Humor ist Tragik plus Zeit (ein jüdisches Sprichwort). Jedenfalls hast du es geschafft, diesen Schock in Kreativität umzusetzen. Anscheinend hast dich von deiner Identität als Opfer dieser Situation – als die von diesem Guru Betrogene – gelöst und deinen Schmerz und deine Wut in Schaffenskraft umgesetzt. Du bist vom Opfer zur Schöpferin geworden. Und deine Show wirkt so fröhlich! Die Tragik deines »Reinfalls« ist dort nicht mehr spürbar, außer vielleicht für die »traurigen Clows«, die selbst als Humoristen tätig sind, die wissen, woher diese Tiefe kommt. Was würdest du heute rückblickend sagen, was der Trick dabei war? Wie hast du es geschafft, nach diesem Schock nicht depressiv zu werden oder zur Männer-, Guru- oder Yogahasserin, sondern weiterhin weltoffen, nahbar und begeisterbar?

Silvia: Mmmm …, einen Trick gibt es da wohl nicht. Das wäre doch zu schön, dann würde ich jetzt einen Ratgeber darüber schreiben und ein Seminarprogramm dazu entwickeln. Mit Zertifikat.

Ich glaube, was mir geholfen hat, das war eher eine Haltung oder Fähigkeit. Resilienz vielleicht. Dazu gibt es ja eine Menge aktuelle Forschungen, und Humor scheint dabei eine große Rolle zu spielen: die Fähigkeit, an den Widrigkeiten des Lebens nicht zu zerbrechen, sondern daran zu wachsen. Was mir sehr geholfen hat, das waren einerseits meine Freunde, die mich aufgefangen haben, und andererseits meine Kämpfernatur. In der DDR aufgewachsen, hab ich das Mantra »Vorwärts immer – rückwärts nimmer!« wohl sehr tief in mir verankert. Ich hatte zum Glück schon sehr viele positive Erfahrungen mit anderen Lehrern gesammelt, so dass ich nicht zur Guruhasserin wurde. Ich sehe viele Dinge jetzt kritischer, obwohl ich immer noch ziemlich naiv bin – aber nicht mehr ganz so sehr wie damals. In mir gibt es außerdem den unbedingten Glauben, dass alles was geschieht, ein Geschenk in sich trägt. Egal wie schlimm es ist.

Mich da selbst wieder rauszuholen war also meiner Meinung nach keinem Trick zu verdanken, sondern es war Glück, oder sogar eine große Gnade, die ich erfahren durfte. Das Geschenk, Wut und Enttäuschung in Freude und Kreativität transformieren zu können – und jetzt damit andere zu beglücken! Ich hatte ja immer darum gebetet, dass ich den Weg finden möge zu der Aufgabe, die meinem Herzen und meiner Seele entspricht. Manchmal lässt sich das Leben ein paar Umwege einfallen, bis man endlich dort landet, wo man hingehört.

Wolf: Stimmt! Und man weiß vorher nicht, ob es ein Umweg ist oder eine Abkürzung, und genau genommen weiß man es auch danach nicht. Jetzt nochmal zu deinem Stück »Erleuchtung für Anfänger«, das du auf dem Rainbow-Festival in Karlruhe aufführen wirst, und dann in einer erweiterten Fassung noch einmal auf dem Kongress »Bewusstseins-Erheiterung« in Freudenstadt. Warum gerade Erleuchtung? Ist Erleuchtung das, was dich als spiritueller Mensch, als Suchende immer (oder damals) am meisten interessiert hat? Oder eher etwas, das du an den Spiris komisch findest? Wir könnten doch auch Glück, Gesundheit oder Liebe suchen (und dann bei dir darin einen Anfängerkurs machen) – warum ausgerechnet Erleuchtung?

Silvia: Das Stück hab ich so genannt, weil ich den Titel einfach cool finde und dabei zwei Dinge eigentlich nicht zusammen passen: Erleuchtung und Anfänger. Erleuchtung ist außerdem so schön mystisch und nebulös.  Glück, Gesundheit, Liebe, da kann man sich was drunter vorstellen, das hat jeder schonmal irgendwie erlebt. Aber Erleuchtung? Das große Erwachen? Ich weiß gar nicht so genau, ob mich das persönlich am meisten interessiert. Ich denke eher, das passiert dann halt irgendwann, wenn’s so weit ist. Oder auch nicht. Mit dem Versprechen der Erleuchtung wird auf alle Fälle auch viel Geld verdient. Die Menschen geben so viel für Mantras, Meditationen und erleuchtungsfördernde Techniken aus, in dem Glauben, bei regelmäßiger Anwendung endlich vom Armleuchter zu einem großen Licht zu werden. Da dachte ich: »Was die anderen Erwachten können, das kann ich auch!« Und so wurde ich Erleuchterin.

Wolf: Um die Humorfähigkeit steht es in der spirituellen Szene besonders schlecht, hast du vorhin gesagt. Bekommst du Anfeindungen, weil du in deiner Show die Spiris mit ihrer Leichtgläubigkeit an Gurus, Reinkarnation, Symbolmagie und Energiephänomene auf die Schippe nimmst?

Silvia: Nein, bis jetzt nicht. Ich denke, es ist mir gelungen, mich lustig zu machen, ohne etwas wirklich ins Lächerliche oder durch den Dreck zu ziehen. Gut, ab und zu geht mal jemand in der Pause, warum, das weiß ich natürlich nicht. Wahrscheinlich traut sich niemand zu sagen, dass er es doof findet, weil ich dann mit einem milden Lächeln, leicht geneigtem Kopf und sanftem Nicken antworten würde »Jaja, du bist halt noch nicht so weit – geh und polier deinen Heiligenschein!«

Ich bekomme im Gegenteil sehr viel Unterstützung, und besonders freut mich immer das Feedback von männlichen Zuschauern, die spirituell nicht vorbelastet sind und offensichtlich von ihrer Frau mitgeschleppt wurden, wenn die dann hinterher sagen: »Mensch, das war ja sogar was für Männer!«

Wie gesagt, so richtig angefeindet wurde ich noch nie. Aber wer weiß, vielleicht gibt es ja die eine oder andere Voodo-Puppe mit meinem Antlitz – ich hab in letzter Zeit so Nackenschmerzen….

 

Silvias Karma-Kabarett »Erleuchtung für Anfänger« kann man auf dem Rainbow-Festival in Karlsruhe (18.-20. Mai) bewundern, sowie auch (die erweiterte Version für Fortgeschrittene) auf dem Humor-Kongress »Bewusstseins-Erheiterung« am 27./28. Juli in Freudenstadt. Anmeldung in beiden Fällen über www.rainbowspirit.info, info@onespirit.de, 07221-99649-50.

Silvia Doberenz
, Jg. xx, Kabarettistin, Yogalehrerin, Dipl. Soz.päd., Theaterpädagogin und Kommunikations-Trainerin, lebt in Hoffnungsthal bei Köln. Wenn sie nicht auf der Bühne steht, macht sie entweder Kopfstand auf ihrer Yogamatte oder hält Seminare, in denen sie die Spontanität, Körpersprache und Schlagfertigkeit der Teilnehmer trainiert.
www.die-erleuchterin.de