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Gar nichts mehr machen ist auch keine Lösung. Das hat auch Elke Dieterich gemerkt, als sie sich 2008 das erste Mal damit beschäftigte, eine Auszeit vom Job zu nehmen. Elke ging als ehrenamtliche Beraterin nach Tanzania und gründete danach „Manager für Menschen“, eine Organisation, die Führungskräften auf der Suche nach einer erfüllenden Auszeit unterstützt – und damit auch zahlreiche Hilfsbedürftige.

Wann und woran haben Sie gemerkt, dass Sie eine längere Auszeit brauchen?

In 2008 habe ich das erste Mal über das Thema Auszeit nachgedacht. Damals war ich Marketingleiterin bei einem großen Sanitärhersteller. Ich hatte eigentlich alles, um glücklich zu sein, und doch hat mir etwas gefehlt. Ein Urlaub in Namibia mit Rucksack und Zelt hat mir dann gezeigt, dass das, was ich aktuell mache, nicht alles sein kann im Leben.

In 2009 habe ich meinen Job gekündigt und bin für 7 Monate als Berater auf Zeit in ein AIDS-Waisen Projekt nach Tanzania. Dort habe ich das Projektteam beraten und gecoacht und letztendlich dort unterstützt wo meine Hilfe benötigt wurde. Durch Wissenstransfer wurden im Projekt Strukturen aufgebaut, die vom lokalen Projektteam mit Leben gefüllt werden. Auch nach meiner Rückkehr nach Deutschland im Mai 2010 läuft das Projekt sehr erfolgreich weiter.

Wie haben Sie die Auszeit erlebt, was haben Sie in dieser Zeit über sich selbst und das Leben gelernt?

uch wenn ich in den 7 Monaten in Tanzania ständig zwischen Hoffnungslosigkeit, Wut und Lichtblicken geschwankt bin, würde ich mich im Nachhinein betrachtet, immer wieder für eine solche Auszeit entscheiden. In Tanzania und im Projekt bin ich oft an meine Grenzen gestoßen, denn es sind natürlich zwei Welten aufeinander geprallt. Auf den ersten Blick habe ich auf vieles verzichten müssen. Wir hatten nicht immer Strom, und aus der Dusche kam wenn überhaupt nur kaltes Wasser. Viele Aufgabenstellungen wären in Deutschland sehr einfach zu lösen gewesen, weil wir hier auf entsprechenden Support zurückgreifen können. Bei vielen Problemen war ich auf mich allein gestellt. Das zwingt einen andererseits aber dazu kreativ zu sein und unkonventionelle Lösungsansätze zu finden.

Auch hatte ich zu anfangs Schwierigkeiten mit der Langsamkeit. Meine deutsche Pünktlichkeit war nicht gefragt. Viele Dinge, die ich in Deutschland wahrscheinlich schon bis zur Mittagspause erledigt hätte, haben sich dort über ein bis 2 Tage gezogen. Ob der schlechten Strassenverhältnisse und des Verkehrschaos hat ein Bankbesuch dann schon mal einen halben Tag gedauert. Das kann einen zermürben, insbesondere wenn man Ziele zu erfüllen hat und somit ein gewisser Zeitdruck da ist.

Und auf der anderen Seite sieht man, dass das bischen was man gibt, einem aufs Vielfache zurückgegeben wird. Sieht das Leuchten in den Augen der Kinder und die Hoffnung und die Lebensfreude der Tanzanier, die durch nichts zu erschüttern ist.

Ich habe also nicht nur gelernt kreativ und flexibel zu sein, sondern insbesondere auch zu warten und geduldiger zu werden. Das wichtigste was ich mir jedoch mitgenommen habe ist, dass ich Heute und im Hier und Jetzt lebe. Ich verschiebe Dinge die mir wichtig sind, nicht mehr auf irgendwann, sondern mache es jetzt. Insgesamt bin ich ruhiger und gelassener geworden. Dinge, die mir früher wichtig waren, sind es heute nicht mehr wirklich. Werte haben sich verschoben.

40% aller Deutschen träumen davon, auszubrechen aus ihrem Alltag und etwas völlig Neues auszuprobieren. Nur 4% nehmen sich tatsächlich eine Auszeit. Was unterscheidet diejenigen, die ihren Träumen folgen von denen, die Jahr für Jahr weiterträumen, bis sie tot sind?

Ganz einfach: sie sind mutig. Denn eine große Portion Mut gehört dazu, wenn man sich für eine Auszeit – egal in welcher Form – entscheidet.

Was sind die größten wahrgenommenen Hindernisse, die zwischen unserem Traum und der tatsächlichen Auszeit stehen – und wie können wir sie überwinden?

Ich bin der Meinung, dass sich jeder Mensch eine Auszeit nehmen kann. Nur die Ausgestaltungsmöglichkeiten (hinsichtlich Länge und Art) sind verschieden und richten sich nach den jeweiligen Lebenssituationen, den Wünschen und natürlich dem Geldbeutel des Einzelnen.

Die Gründe, warum man seinen Auszeit-Wunsch nicht umsetzt sind eigentlich immer die gleichen. Was sagen die anderen zu meinem Vorhaben (Familie, aber auch Arbeitskollegen)?; Wie sage ich es meinem Arbeitgeber? Kann ich mir das finanziell überhaupt leisten?  Wie gestalte ich meine Auszeit? Wie organisiere ich das alles? Wer bereitet mich vor? Wer unterstützt mich? Wer fängt mich auf, wenn ich wieder zurückkomme? Über diese Fragestellungen muss man zwingend nachdenken, bevor man seinen Auszeit-Wunsch realisieren kann. Mit einem Partner an der Seite und einer guten Planung können diese „Hindernisse“ jedoch überwunden und der Auszeit-Wunsch in die Lebenssituation integriert werden.

Muss ein Sabbatical „der Menschheit dienen“? Gibt es etwas einzuwenden gegen 12 Monate am Strand?

Klar muss ein Sabbatical der Menschheit dienen, und zwar jedem einzelnen. Denn wenn es mir gut geht, dann geht es auch meinem Umfeld gut. Dafür ist es nicht wirklich wichtig, was ich in meiner Auszeit mache. Jeder Mensch ist verschieden und so verschieden sind auch die Ausgestaltungsmöglichkeiten einer Auszeit. Diese müssen sich einfach nach den Bedürfnissen und Möglichkeiten des Individuums richten. Ob Weltreise, Hausbau, Pflege eines Familienangehörigen, Weiterbildung oder soziales Engagement – der Ausgestaltung sind da keine Grenzen gesetzt und somit können 12 Monate am Strand für den einen genau so richtig und gut sein, wie 4 Monate soziales Engagement für den anderen.

Was ist „Manager für Menschen“? Und an wen richtet es sich? Können Sie Beispiele für Projekte nennen?

anager für Menschen bildet eine Brücke zwischen Fach- und Führungskräften (von 30 bis 60 Jahren), die sich im Rahmen einer Auszeit sozial engagieren möchten und gemeinnützigen Organisationen, die für den Einsatz in einem ihrer Projekte einen Berater auf Zeit benötigen. Dabei begleiten wir die Fach- und Führungskraft vom Auszeit-Wunsch bis zur Durchführung bei allen organisatorischen, rechtlichen und finanziellen Fragen, suchen das passende Projekt, qualifizieren für den jeweiligen Einsatz und sind auch nach der Rückkehr als kompetenter Ansprechpartner da.

Gemeinnützige Organisationen haben so einen flexiblen, transparenten und kosten-effizienten Zugriff auf qualifizierte ehrenamtliche Know-how Träger und auf ein Berichtswesen, welches sie auch noch nach dem Einsatz nutzen können.
Darüber hinaus bieten wir Unternehmen konkrete und messbare Möglichkeiten gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen, indem wir das soziale Engagement entlang des Kerngeschäfts in die Unternehmenskultur integrieren.

Wir bieten Einsatzmöglichkeiten im In- und Ausland ab 8 Wochen bis maximal 12 Monate.

Beispiele für Soziales Engagement im Ausland:

  • Berater auf Zeit für eine Radio-Station in Tanzania: Sie analysieren die kaufmännischen Prozesse eines bereits bestehenden Radiosenders und erarbeiten gemeinsam mit dem Team vor Ort ein Marketingkonzept, sowie den Marketingplan für die nächsten 3 Jahre.
  • Berater auf Zeit für ein Kinderdorf in Nepal: Sie legen gemeinsam mit dem Team vor Ort den Grundstein für eine Berufsberatung der Jugendlichen des Kinderdorfs. Neben der Konzeption arbeiten Sie auch lokale Mitarbeiter ein und sorgen dafür, dass die Berufsberatung fester Bestandteil der Erziehung und Ausbildung wird.

Beispiele für Soziales Engagement im Inland

  • Berater auf Zeit für einen integrativen Hotelbetrieb: Sie beraten und unterstützen das Team bei der Führung des Tagungshotels und erarbeiten gemeinsam den Marketingplan für die nächsten 3 Jahre. Darüber hinaus arbeiten Sie einen neuen Hoteldirektor ein.

Kann und will man nach Erlebnissen als „Manager für Menschen“ überhaupt zurückkehren, an den Schreibtisch des alten Büros, umgeben von denen, die, die in der Zwischenzeit weiter auf Ihren Monitor gestarrt und unheimlich wichtige Meetings abgehalten haben?

Auch da gibt es unterschiedliche Ausgestaltungsmöglichkeiten für den Wiedereinstieg. Der eine geht an seinen alten Arbeitsplatz zurück, der andere macht etwas völlig neues. Aber alle haben einen erweiterten Horizont, neue Eindrücke, Erfahrungen und neue Sichtweisen. Diese werden mit in die Gesellschaft, die Arbeitswelt und in das Privatleben eingebracht. Unternehmen können hiervon nur profitieren, denn ein Einsatz als Berater auf Zeit bewirkt mehr als jedes Management-Seminar.

Wo kann man mehr erfahren über „Manager für Menschen“?

  • Auf www.managerfuermenschen.com
  • Auf Messen und Info-Veranstaltungen, die wir auf Social-Media und auf unserer Webseite oder Newsletter publizieren.

Herzlichen Dank!

 

Photo: Arbeit in einer Schule in Laos, Quelle www.managerfuermenschen.com