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Ist nicht besser geworden durch das Internet, aber: Dummes Geschwätz und Hass sind so alt wie die Menschheit.

Und wer anders ist, wer sich heraus wagt, wer herausragt aus der Masse, bekam schon immer besonders auf die Fresse.

Ein großes Glück, dann Unglück

Marie Curie bekam 1903 als erste Frau den Nobelpreis für Physik für die Entdeckung der Radioaktivität, gemeinsam mit ihrem Mann Pierre. Die beiden hatten Berühmtheit, hatten Anerkennung, hatten sich, hatten alles. Doch am 19. April 1906 stürzte Pierre in einer regnerischen Nacht in Paris, als er eine Straße überqueren wollte. Eine Pferdekutsche kam, er geriet darunter und war sofort tot. Überfahren von einem einzigen PS. Über Jahre trauerte Curie schwer. 1910 dann verliebte sie sich in einen ehemaligen Schützling ihres Mannes, den jungen Physik-Professor Paul Langevin. Der war zwar verheiratet, lebte aber getrennt, weil seine Frau ihn körperlich misshandelte. Die beiden wurden ein Paar.

Eine Hetzjagd

Langevins Ehefrau platzte fast vor Wut und engagierte jemanden, der in das Apartment einbrach, in dem sich die beiden immer trafen, und ihre Liebesbriefe stahl. Sie bot die Briefe der Presse an, die sie mit Kusshänden nahmen und veröffentlichten. Curie wurde grausam zerrissen, ihr Privatleben ausgeschlachtet, ihre Karriere und Reputation sollten zerstört werden. Als sie aus Brüssel von einer Konferenz zurückkam, wo sie Albert Einstein kennenlernte, wartete ein wütender Mob vor ihrer Wohnung in Paris. Sie musste sich mit ihren Kindern bei einem Freund der Familie verstecken.

Ein Rat von Einstein

Einstein erfuhr von der Hetzkampagne und riet ihr folgendes in einem Brief:

Hoch geehrte Frau Curie,

Lachen Sie nicht über mich, wenn ich Ihnen schreibe, ohne Ihnen etwas Verständiges zu sagen zu haben. Aber ich bin so wütend über die niederträchtige Art, in der sich der Pöbel gegenwärtig mit Ihnen zu befassen wagt, dass ich diesem Gefühl unbedingt Ausdruck geben muss. Aber ich bin überzeugt, dass Sie diesen Pöbel stets gleich verachten, ob er Ehrfurcht heuchelt oder seine Sensationslust durch Sie zu stillen sucht! Es drängt mich, Ihnen zu sagen, wie ich Ihren Geist, Ihre Tatkraft und Ihre Ehrlichkeit bewundern gelernt habe, und dass ich mich glücklich schätze, Ihre persönliche Bekanntschaft in Brüssel gemacht zu haben. Wer nicht zu den Reptilien zählt, wird sich nach wie vor freuen, dass wir solche Persönlichkeiten wie Sie und auch Langevin unter uns haben, wirkliche Menschen, im Verkehr mit denen man sich glücklich fühlt.

Wenn sich der Pöbel noch weiter mit Ihnen befasst, so lesen Sie einfach das Gewäsch nicht, sondern überlassen es dem Reptil, für das es fabriziert ist.

Es grüßt Sie und Langevin freundschaftlichst Ihr ganz ergebener A. Einstein

Manchmal ist das die einzige und beste Lösung: einfach nicht beachten. Die Bewertungen und Kommentare nicht lesen.

Erst recht sollten wir auf die Hater, die Trolle, die hasserfüllten Pöbler nicht eingehen. Denn das nährt sie nur, gießt Öl ins Feuer der Idiotie.

Stattdessen können wir uns, wenn wir doch mal etwas Übles mitbekommen, daran erinnern:

Was ein Anderer macht hat nichts mit uns zu tun, sondern mit ihm. Es ist sein Problem, seine enger Verstand, sein verschrumpeltes Herz.

(Mehr dazu unter Wie man aufhören kann, die Dinge zu persönlich zu nehmen.)

Übrigens: Kurz nach dem Skandal gewann Curie den zweiten Nobel-Preis, diesmal den für Chemie. Sie hatte die Elemente Radium und Polonium entdeckt. Bis heute ist Curie damit der einzige Mensch, der je in zwei verschiedenen Kategorien einen Nobelpreis erhielt. Damit hat sie sich unsterblich gemacht. An die ätzenden hätzenden Redakteure erinnert sich keiner mehr.

 

Siehe auch 10 Lektionen von Einstein für ein gutes Leben und Erfinder Edison brannte das Haus ab. Wie er reagierte erklärt seinen großen Erfolg.

 

Photo: Craig Sunter | Inspiriert von: Brainpickings