Neu im Podcast von myMONK: Ich schäme mich so. Und folgst Du myMONK schon bei Instagram?

Er hat die Ärmel hochgekrempelt,
bis er ohne Hemd dastand.
Und nach zwanzig Jahren stempeln
gibt’s den Stempel auf dem Amt.

– Max Herre

Vorbei die Zeiten. Mit den sicheren Jobs. Mit den Konzernkarrieren zwischen Ausbildung und guter Rente. Dem Arbeitgeber als Familienmitglied. Den Kollegen, die einen lebenslänglich begleiten. Dem Stolz, ein Teil vom großen Autobauer oder Maschinenhersteller oder Nahrungsmittelgiganten zu sein.

Nein, heute läuft das anders. Der Vater kommt abends heim, wirkt irgendwie abwesend auf seine auf Frau, und weiß gar nicht, wie er das alles erklären soll. Gekündigt, wegrationalisiert, nach 30 Jahren besten Arbeitens und ohne einen einzigen Krankheitstag. Wie sollen jetzt die Raten für Haus bezahlt werden, wie das Essen auf den Tisch kommen? In Japan gibt es eine ganze Schicht von Männern, die sich morgens in Anzüge kleiden, in die S-Bahn gleiten, und dann den ganzen Tag herumfahren, bis sie abends wieder aussteigen, heimkehren und aus Scham auch nach Monaten niemandem erzählen, dass sie ihren Job verloren haben.

In Zukunft wird’s nicht einfacher: in 30 Jahren sind vermutlich die Hälfte der Jobs solche, die bisher noch gar nicht erfunden sind – wer dachte in den 80ern schon an Webdesigner, Social-Media-Manager oder Zumba-Trainer? Und die Hälfte der heutigen Jobs nur noch eine blasse Erinnerung – man denke an Heizer, Flößer und Henker (naja, das mit den Henkern liegt vielleicht doch noch n bisschen länger zurück).

Das ist nichts Neues, was ich hier schreibe. Wurde ungefähr so oft durchgekaut wie Gras von einer Kuh mit Alzheimer, die das Zeug wieder und wieder hochwürgt und neu zermalmt, bis der ganze Brei nach gar nichts mehr schmeckt.

Die wichtigste Frage, die das aufwirft, bleibt aber meistens unbeantwortet:

Wie kann man mit dieser Unsicherheit umgehen, ohne durchzudrehen?

Meine Antwort: Unternehmer sein. Vor allem im Kopf. Den Job (wenn man ihn denn noch hat) braucht man dazu nicht kündigen, und man muss auch keine Wahnsinnsidee! haben.

Du bist bereits Unternehmer (und es wird alles ein bisschen einfacher, wenn Du Dir das klar machst)

Der größte Fehler, den Du im Leben machen kannst, ist:
zu denken, dass Du für jemand anderen arbeitest.
– Brian Tracy

In Wahrheit bist Du ohnehin schon Unternehmer. Auch als Angestellter.

Der Punkt ist: erst wenn Du Dir das klar machst, wird alles ein bisschen einfacher. Du wirst Dich freier fühlen und spüren, dass Du keine Marionette der Arbeitsmarkt-Launen bist, sondern die Fäden für Dein Berufs- und Überhaupt-Leben selbst in der Hand hältst.

Viele Ikonen der Persönlichkeitsentwicklung wie Brian Tracy oder Steve Pavlina schreiben, wir sollten uns vorstellen, dass wir alle Präsidenten unserer eigenen Firma sind, ganz gleich, wie wir unser Einkommen erwirtschaften.

In einem Angestelltenverhältnis haben wir eben nur einen Mitarbeiter (uns selbst) und einen Kunden (den einen Arbeitgeber), dem wir unsere Dienstleistung (unsere Arbeitszeit) in Rechnung stellen (Gehalt bekommen).

Wie sonst sollte es auch sein: wir alle arbeiten in erster Linie für uns selbst. Wir arbeiten nicht, weil „unser Chef“ es sagt, sondern weil wir uns entschieden haben, ein Einkommen zu erwirtschaften, und dafür eben tun, was getan werden muss. „Unser Chef“ beim Arbeitgeber ist in Wirklichkeit nur Kunde unseres eigenen Dienstleistungsunternehmens. Der einzige echte Chef für uns sind wir selbst.

Wir tragen die volle Verantwortung.

Wir tragen die volle Verantwortung für unser eigenes Unternehmen: für unsere Dienstleistung dem Kunden gegenüber, für die Bedingungen und den Preis, den wir dafür verhandeln. Und auch dafür, die alte Zusammenarbeit zu beenden und uns neue Kunden zu suchen, wenn unsere Leistung nicht angemessen bezahlt wird … welcher Unternehmer würde schließlich zu seinem Kunden sagen: „wir geben dir alles, was wir haben, wann du es willst, wie du es willst – zahl uns einfach so viel oder so wenig Du magst“? Würdest Du in ein Unternehmen investieren, das so geführt wird?

Je mehr wir uns als Unternehmer sehen, umso weniger fühlen wir uns ausgeliefert, und umso mehr erkennen wir, dass wir die Fäden in der Hand halten.

5 Anzeichen, dass Du im Kopf ein Angestellter bist

Im Kopf bist Du ein Angestellter, kein Unternehmer, wenn Du glaubst:

  1. Dein Chef bestimmt Dein Leben (vs. Du entscheidest)
  2. Du brauchst Dich nicht selbst motivieren, die Kohle kommt ja eh (vs. Du bist für Dich und Deine Leistung voll verantwortlich)
  3. Du wartest auf neue Verantwortung, Beförderungen und mehr Geld (vs. Du nimmst Deine Karriere selbst in die Hand, Du allein bist für Dein Einkommen verantwortlich)
  4. Du brauchst nur alle Anweisungen befolgen (vs. Du schaffst selbst Prozesse und Strukturen, mit denen Du produktiv bist)
  5. Stillstand ist Sicherheit (vs. Stillstand ist der Untergang, Veränderung ist Sicherheit)

Wenn Du so denkst, wirst Du die Nachteile davon selbst am besten kennen.

Wie gern stehst Du morgens auf und beginnst den Tag, dieses Geschenk des Lebens an Dich?

Wie haben Du und Dein Leben sich in den letzten Jahren entwickelt?

Dein Unternehmen

Hier ein paar Fragen, die den Unternehmergeist in Dir wecken oder verstärken können:

  • Branche: Macht Dir das Geschäft Spaß? Bringt es Dich und Dein Unternehmen weiter?
  • Markt: Wächst oder schrumpft der Markt, auf dem Dein Unternehmen aktiv ist? Wie sind die Zukunftsaussichten?
  • Positionierung: Wie ist Dein Unternehmen gegenüber der Konkurrenz aufgestellt? Worin unterscheidet es sich? Bessere Leistung? Niedrigerer Preis? Oder gar nicht?
  • Preisgestaltung: Stellst Du einen fairen Preis in Rechnung? Lässt Du Dich entweder ausbeuten, obwohl da draußen bestimmt Kunden sind, die für Deine Qualität gut zahlen würden? Oder zockst Deinen Kunden ab (indem Du von den acht Arbeitsstunden am Tag 2 Kaffee trinkst und 3 auf Facebook  und eine auf dem Klo rumhängst)?
  • Marketing: Ist das Marketing für Dein Unternehmen gut? Fragen immer wieder neue potenzielle Kunden nach, oder liegt Dein Unternehmen in einer dunklen Gasse, in die sich niemand verirrt?
  • Wachstum: Wie investierst Du in Dein Unternehmen, damit es zum Beispiel motivierter, produktiver oder innovativer wird? Wie sorgst Du dafür, dass sein Wert wächst? Würdest Du in Dein Unternehmen investieren, als Außenstehender?
  • Umgang mit den Mitarbeitern: Kümmerst Du Dich darum, dass die Arbeitskraft in Deinem Unternehmen erhalten bleibt – oder werden Deine Mitarbeiter (Du!) demnächst krank und gestresst ausfallen und damit das Business sterben lassen, weil Du ihnen keine Pause gestattest?

Du bist Unternehmer. Ob Du willst oder nicht.

Nun lass uns rausgehen und unsere Unternehmen erfolgreich machen – erfolgreich ganz nach unseren Bedürfnissen und Maßstäben, denn auch die legen wir als Unternehmer selbst fest.

 

Photo: ribena_wrath