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Gerd Essl entschied sich, neben seinem Job als Pilot, Pädagogik zu studieren und arbeitet heute als Coach für Menschen, die etwas verändern oder eine Flugangst überwinden wollen. Warum ihm das Fliegen irgendwann nicht mehr gereicht hat und wieso viele Menschen ein Leben jenseits ihrer Träume leben, darüber spricht Gerd mit mir im Interview.

Was hat Sie dazu geführt, neben dem Pilotenjob ein Pädagogikstudium zu beginnen?

Sie sind nicht der erste, der diese Frage stellt. Das Berufsbild „Pilot“ wird in der Öffentlichkeit sehr idealisiert wahrgenommen und in der Tat ist es ein toller Beruf. Man ist im Berufsalltag jedoch an sehr strenge Richtlinien gebunden (was auch gut ist!) und es bleibt wenig Raum für persönliche Entwicklung. Damit meine ich nicht die Karrierechancen in der Firma, sondern die Möglichkeiten zu persönlichem Wachstum über das fachlich notwendige Wissen hinaus.

Mit dem Studium habe ich mir diesen zweiten Weg eröffnet und gehe ihn seither konsequent weiter.

Gibt es Ihrer Erfahrung nach viele Menschen, die im falschen Job, im falschen Leben stecken? Wenn ja, warum ist das so?

Niemand steckt im „falschen“ Job oder Leben! Ein „falsch“ gibt es aus meiner Sicht nicht. Jeder kann (mit allen Konsequenzen) im Hier und Jetzt Entscheidungen treffen, die seine Situation verändern. Oft geht es weniger darum nichts verändern zu können, als nicht mit den Konsequenzen leben zu wollen, die eine Entscheidung nach sich zieht. Falsch ist die Situation nicht – sie kann aber durchaus unangenehm sein.

Durch mehr Bewusstheit und bessere Wahrnehmung der eigenen Bedürfnisse kann jeder diese unangenehmen Lebensabschnitte in den Griff bekommen und zukünftigen Problemen mit mehr Sicherheit und Selbstbewusstsein entgegentreten.

Viele haben jedoch den Zugang zu ihren Bedürfnissen verloren. Die Medien geben vor, was man haben muss und sein soll…

Was sind die häufigsten Ausreden dafür, nicht heute den ersten Schritt auf dem Weg aus dem Hamsterrad zurückzulegen?

„Ich kann nicht, weil …“

Es gibt immer einen Grund etwas zu verschieben – und wenn es nur die Angst vor dem unbekannten Neuen ist. Die Verantwortung wird lieber auf die „unbarmherzige“ Außenwelt geschoben anstatt selbst etwas zu verändern.

Wie kann man Klarheit über die eigenen Träume und Ziele gewinnen – und wie den Mut, sie anzugehen?

Hinschauen üben! Lassen Sie Ihre Träume und Ziele zu und folgen Sie ihnen. Viele scheitern bereits im Denken.

Wie viele Menschen leiden unter Flugangst, und was steckt hinter ihr?

Da gibt es unterschiedliche Zahlen: einige Quellen gehen von 30% aus, andere meinen, dass gut zwei Drittel nicht gerne in ein Flugzeug steigen. Es kommt darauf an, wie wir Flugangst definieren – sprechen wir von einer diagnostizierten Phobie oder einem leichten Unwohlsein?
Was hinter ihr steckt ist sehr individuell. Die Bandbreite reicht von falscher oder zu wenig Information über das Thema Fliegen bis hin zu prägenden Ereignissen aus der Kindheit. Mit professioneller Unterstützung lässt sich das Problem aber meist gut bearbeiten.

Wie helfen Sie einem Menschen, der mit Flugangst zu Ihnen kommt?

Bei mir haben die Klienten den Vorteil die fachliche Kompetenz eines Flugkapitäns und eines psychologischen Beraters gemeinsam nutzen zu können. Ich erarbeite dann im Einzelsetting (oder auch in Workshops mit 3-6 Personen) individuelle Lösungen für das Problem. Bei besonders schwierigen Fällen arbeite ich in Kooperation mit einer erfahrenen Psychotherapeutin.

Was hilft im Notfall, wenn einen die Angst im Flugzeug überkommt?

Notfall ist ein gewichtiges Wort. An Flugangst selbst ist noch niemand gestorben! Eine Panikreaktion ist zwar für die Betroffenen sehr belastend, die Symptome flachen aber in der Regel nach etwa 10 Minuten wieder von selbst ab.

Was Sie tun können: Wenn es zu einer Angstreaktion kommt, bitten Sie jemanden Ihre Hand zu halten (Körperkontakt herstellen) und teilen Sie der Person mit, wie es Ihnen gerade geht. Auch gibt es verschiedenste Atem- und Entspannungsübungen, die helfen können. Diese sollten jedoch vorher eingeübt werden.

Es ist vorbeugend recht sinnvoll die Crew beim Einsteigen auf die Flugangst hin anzusprechen. Das hat den Vorteil, dass man nicht mehr alleine mit seiner Angst ist und auch gute Unterstützung von den FlugbegleiterInnen bekommt.

Wo können Interessierte mehr über Sie und Ihre Arbeit erfahren?

Auf www.gerd-essl.at – viel Spaß beim Schmökern!

Herzlichen Dank!