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Die Angst, nicht gut genug zu sein, ist zutiefst menschlich. Wir alle kennen sie, die Selbstzweifel. Nur gehen wir unterschiedlich damit um. Meistens versuchen wir, gegen sie anzukämpfen, sie zu verdrängen.

Die renommierte Expertin fürs Hochstapler-Syndrom – jener Angst, „aufzufliegen“ und dass alle merken, dass man’s doch nicht drauf hat – Dr. Valerie Young, schreibt in ihrem Buch „The Secret Thoughts of Successfull Woman“ von den unterschiedlichen Wegen, wie Menschen mit diesen Selbstzweifeln umgehen. Sie unterscheidet fünf Bewältigungsstrategien:

  • Der Perfektionist
  • Der Supermann / Die Superfrau
  • Das geborene Genie
  • Der wilde Individualist
  • Der Experte

1. Der Perfektionist

Perfektionismus und Hochstaplersyndrom passen gut zusammen und gehen oft Hand in Hand.

Als Perfektionist setzt man sich extrem hohe Ziele und wenn man sie nicht erreicht, erlebt man das als massives Scheitern. Dann macht man sich fertig dafür und hat schnell das Gefühl, ganz grundsätzlich nicht gut genug zu sein – als Arbeitnehmer, als Autor, als Mutter, als Mensch.

Anzeichen dafür, dass Du in diese Gruppe fällst:

  • Kontrollierst Du gern und viel?
  • Kannst Du Aufgaben nur schwer abgeben, und wenn, dann bist Du enttäuscht über die Ergebnisse?
  • Fällst Du schnell ein hartes Urteil über Dich, wenn Du sehr, sehr hohe Anforderungen nicht erreichst („Ich hab’s einfach nicht drauf, ich bin nicht gut genug für diesen Job“)?
  • Glaubst Du, dass Deine Arbeit 100% perfekt sein muss, zu 100% der Zeit

Erfolg ist für diese Gruppe nur wenig befriedigend, weil sie immer denken, sie hätten es noch besser machen können. Oder: dass so oder so bald auffallen wird, dass sie nur Hochstapler sind.

Das Problem: Perfektionismus, an dem wir zwangsläufig scheitern, untergräbt unser Selbstbewusstsein und sorgt dafür, dass wir uns zu hart pushen und ausbrennen.

Ein guter Weg ist hier, zwei Dinge zu trainieren:

  • Schneller zu handeln als üblich, wo wir sonst noch 3 Monate planen und vorbereiten wollten einfach loszulegen. Dass wir ein Projekt annehmen, bevor wir uns voll und ganz „bereit dafür fühlen“. Dass wir mit dem Blog oder Podcast starten, bevor wir einen Volkshochschulkurs abgeschlossen haben mit dem Titel „Websites erstellen im Internet drin“. Dass wir also zum Tauchkurs gehen, bevor wir Tauchen können.
  • Uns immer wieder vor Augen zu halten, dass Fehler zu machen ein ganz natürlicher Teil des Prozesses und des Lebens ist, wir sind Menschen, keine Götter und nichts wird jemals 100% perfekt sein.

2. Supermann / Superfrau

Dem zweiten Typ geht’s auch darum, die Sache möglichst gut zu machen, aber nicht aus Angst vor Fehlern, sondern aus dem Druck, immer extrem outperformen und über die Maßen hinaus ALLES geben zu müssen, härter zu arbeiten als alle anderen … und dann noch härter.

Und zwar ebenfalls aus einer Unsicherheit heraus, aus dem Gefühl, von sich aus nicht gut genug zu sein oder genug zu leisten.

Supermänner und Superfrauen sind die letzten im Büro und bleiben, wenn eigentlich die Arbeit des Tages längst erledigt ist, wenn sie sogar noch Spammails freundlich beantwortet haben „Vielen Dank für ihre nette Anfrage, ich habe gerade 6 Stunden recherchiert und keinen Cousin in Nigeria ausfindig machen können, das muss leider ein Missverständnis sein!“

Sie sind gestresst, wenn sie nicht arbeiten können und halten Freizeit oder Nichtstun für eine sündhafte Verschwendung, zumindest was sie selbst betrifft.

Sie vergessen ihre Hobbies und die Dinge, die ihnen mal gutgetan haben, bevor sie angefangen haben, unterm Schreibtisch zu pennen mit ein paar Akten als Kopfkissen.

Sie glauben, dass sie trotz allem noch mehr arbeiten müssten, sich noch mehr Druck machen müssten.

Also: Typ Workaholic, abhängig nicht direkt von der Arbeit, sondern eher von der Anerkennung, die die Arbeit mit sich bringen kann … und immer befürchtend, dass andere meinen, sie würden nicht hart genug arbeiten.

In diesen Fällen hilft die Erinnerung, immer wieder, dass wir nicht unsere Arbeit sind, nicht unsere Leistung, dass wir als Menschen genauso viel wert sind, wenn wir nichts tun, dass dieser Selbstwert einfach gegeben ist und wir ihn nicht „verdienen müssen“. Und auch die Erinnerung, dass die Anerkennung, die wir uns selbst geben, die wichtigste ist – wir sollten dafür sorgen, dass es uns gut geht.

Wichtig ist auch hier das Training, auszuprobieren und auszuhalten, wie’s ist, wenn wir mal den Supermann-Anzug ausziehen und stattdessen im Unterhemd vor der Glotze, oder im Park über einem Buch, oder wirklich präsent mit Freunden oder der Familie bei einem Essen abhängen.

Und dass wir uns immer wieder eine Überlegung anstellen, die Götz Werner so zusammengefasst hat: „Streiche die Begriffe Arbeitszeit und Freizeit, ersetze sie durch Lebenszeit und frage Dich: Macht es Sinn, was ich tue?“

3. Das geborene Genie

Das geborene Genie beurteilt Erfolg anhand ihrer Fähigkeiten und nicht ihrer Anstrengung (Festes Mindset vs Wachstums-Mindset).

Sie glauben sogar, dass, wenn sie hart für etwas arbeiten müssen, dass sie dann schlecht darin sein müssen, denn schließlich ist in ihrer Weltsicht Qualität etwas Angeborenes. Entweder man hat sie und alles geht leicht von der Hand, oder man hat es nicht und sollte es gleich lassen. Die Anforderung heißt also: Der erste Wurf muss sitzen, sonst ist man ein Hochstapler.

Auch dieser Typ hat unglaublich hohe innere Standards. Und wenn er tatsächlich mal hart arbeitet, hat er Angst, dass das rauskommt und alle sehen, dass es nur Schweiß war, nicht Intelligenz oder Genie.

Das sind oft Menschen, denen in der Vergangenheit viel gelungen ist und die oft auch schon als Kinder „die Schlauen“ waren und die Eltern haben ganz stolz erzählt, wie gescheit das Kind doch ist.

Die Herausforderungen liegen da auf der Hand: Es ist schwierig für, sie Hilfe anzunehmen oder einen Mentor zu haben. Ein einziges Scheitern bei einer Sache sagt (gefühlt) extrem viel über sie aus. Neue Dinge auszuprobieren ist äußerst riskant für sie, weil sie dann merken könnten, dass sie dort nicht aus der Hüfte heraus großartig sind.

Die „geborenen Genies“ profitieren davon, sich wieder und wieder vor Augen zu halten, dass die Wahrheit eine andere ist: Übung ist viel, viel wichtiger als Talent für Erfolg und die Besten auf der Welt sind sehr oft nicht die begnadetsten, sondern die, die am meisten Zeit und Mühe investiert haben.

4. Der wilde Individualist

Menschen mit diesem Hochstapler-Angst-Typ lehnen jegliche Form von Hilfe und Unterstützung ab, um ihren eigenen, von allen ach so unabhängigen Wert zu beweisen.

Sie glauben, sie müssten alles selbst hinbekommen und sagen gern so was wie „Ich brauch doch keine Hilfe, von niemandem!“

Anders als dem letzten Typ geht’s ihnen aber nicht darum, dass Hilfe ihr Genie widerlegen würde, sondern ihre Unabhängigkeit und Wildheit, ihr Marlboro-Man-Dasein, allein in der Prärie, Kippe im Mund, Pferd unterm Arsch, und bereit, den ganzen Wilden Westen auf den Kopf zu stellen.

Wenn sie wirklich andere brauchen würden, hieße dass für sie, dass sie in ihrer Individualität nur Hochstapler wären

5. Der Experte

Der letzte Typ denkt, er hätte zum Beispiel seinen Arbeitgeber oder Kunden nur ausgetrickst und den Job deshalb bekommen … und geht jetzt jeden Morgen ins Büro mit der nagenden Angst, aufzufliegen.

Experten in diesem Sinn erkennt man daran, dass sie sich nur auf Stellen bewerben, für die sie wirklich jede einzelne Anforderung des Profils erfüllen oder übererfüllen.

Was recht leicht für sie ist, weil sie ständig in Trainings und Schulungen gehen und sich weiterbilden und Bücher und Fachzeitschriften lesen, gern auch am „Feierabend“, gern auch auf dem Klo. Sie haben immer das Gefühl, noch etwas brauchen zu müssen, noch mehr Wissen, noch mehr Zertifikate, die sie vorlegen können … zum Teil auch, um die echte Arbeit aufzuschieben.

Wenn sie einen Blog haben wollen, machen sie erstmal zehn Kurse, bevor sie sich auch nur eine eigene Internetadresse zulegen. Und wenn sie mal „Experten“ genannt werden von anderen, dann verkrampfen sie und bekommen noch mehr Angst, aufzufliegen und sich zu blamieren.

Auch hier kann’s hilfreich sein, sich Situationen auszusetzen, in denen man noch kein Experte ist oder auch nie einer wird … einfach um zu erfahren, dass das nicht schlimm ist. Genauso wie jemanden um Hilfe zu bitten oder wie der Satz „Ich weiß es nicht“ oder „Ich fühle mich darin unsicher, wie seht ihr das?“.

Welcher Typ bist Du?

Bei mir war’s früher das geborene Genie, ist es inzwischen aber weniger, weil ich mich recht intensiv damit auseinandergesetzt habe, wie sehr Einsatz doch Talent schlägt. Inzwischen bin ich eher ein Supermann mit leider chronisch unrealistischem Expertenanspruch.

In welcher Kategorie oder welchen Kategorien hast Du Dich am meisten wiedergefunden?

Mehr zum Thema findest Du im myMONK-Podcast:

Photo (oben): Stock Photos von Irina Bg / Shutterstock