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Es ist schon einige Jahr her, da bin ich ständig gependelt – und zwar nicht zwischen Mecklenburg-Vorpommern und New York, nein, ich bin gependelt zwischen Größenwahnsinn und Hoffnungslosigkeit, zwischen Traum und Realität. Unsicher hab ich mich an beiden Enden gefühlt. Entweder, weil ich gerade unkontrolliert und ohne Flügel oder Flugzeug durch Luftschlösser zu fliegen versuchte, oder weil ich gerade wieder mal in ein tiefes Loch fiel. Immer hat mir der Boden unter den Füßen gefühlt und je größer die Träume, umso größer die Fallhöhe.

Ich war so um die Anfang 20 und meine Luftschlösser waren 20.000 Meilen über dem Meer. Das Studium hatte begonnen und ich wollte – ha! – ein Überflieger sein, Top-Noten an einer Top-Uni schreiben, in der Schulzeit und im zuvor abgebrochenen Studium war ich allerdings nur mittelmäßig.

Ich wollte die Welt bereisen, traute mich aber kaum allein in den Supermarkt. Ich wollte ein Unternehmen aufbauen, brach aber selbst häufig zusammen. Ich wollte die Welt retten, war aber selbst ganz verloren.

Meine Lage war in den Jahren zuvor oft ähnlich: meine Ziele waren hoch, doch ich war vor Unsicherheit gelähmt. Und so fiel ich immer wieder auf die Nase – noch bevor ich den ersten richtigen Schritt in Richtung Ziel gemacht hatte.

Ich wusste nicht, was die Zukunft bringen würde, fühlte mich ihr ausgeliefert, glaubte zwar manchmal daran, die Träume durch günstige Zufälle erreichen zu können, meistens starb dieser Glaube allerdings schneller als eine Eintagsfliege mit Krebs im Endstadium.

Was uns fehlt, sind nicht die Träume

Meine Lage war nicht nur meine Lage, sondern etwas, das ich bei allen Freunden und Nichtfreunden immer wieder sah und auch heute noch sehe (auch bei mir selbst hin und wieder): Was fehlt, sind nicht die Träume. Die meisten Menschen träumen von einem höheren Einkommen, einem passenderen Job, der Selbstständigkeit, einem anderen Gewicht, von Kraft und Sexyness und Abenteuern und mehr Zeit für sich und ihre Lieben und von einem größeren Freundeskreis und einem eigenen Buch, Film oder wenigstens Daumenkino, einer Bilderausstellung, einem Konzert.

Was uns meistens fehlt, sind nicht die Träume. Die Träume gibt es, aber sie schweben in unerreichbarer Höhe über uns.

Und dann ist es wie in einem Albtraum: Wir wollen nach ihnen greifen, strecken uns, doch kommen mit unseren Stummelarmen einfach nicht heran. Nicht mal annähernd, und nicht mal dann, wenn wir alle Kraft sammeln und einmal so hoch springen, wie wir nur können. Nach einer Sekunde hat uns die Erdanziehungskraft wieder in die Knie gezwungen, die Naturgesetze lassen sich nun mal nicht so leicht außer Kraft setzen.

Wenn die Stummelarme und die Sprünge nicht erreichen, um an die Träume zu gelangen, was dann?

Wir brauchen eine Leiter. Eine Leiter mit Stufen, die wir Stück für Stück erklimmen können. Eine Leiter, die Boden (aktuelle Realität) und Luftschloss (angestrebte Realität) verbindet.

Diese Leiter war es, die mir gefehlt hat, als ich mit Anfang 20 so viele Träume hatte und mit jedem neuen Traum nur noch unsicherer und passiver wurde.

Deine Leiter entsteht, wenn wir uns nicht nur fragen:

„Was will ich?“

sondern auch:

„Wie komme ich dahin? Welche einzelnen Schritte sind nötig?“

Du willst ein Hollywood-Filmstar oder vielleicht ein Pornostar werden (in jedem Fall liegt die Latte hoch), ein Berufsmusiker, erfolgreicher Heilpraktiker, Forscher, Globetrotter … oder eine harmonische Familie haben, mit der Du auf einem kleinen Bauernhof lebst und Dein Leben in Ruhe genießen kannst?

Dann stehen Dir zwei Möglichkeiten offen: mit den Stummelarmen hochhüpfen und Deinen Traum eher nicht erreichen können und mit jedem Mal, wo Du daran denkst, unsicherer werden.

Oder eine Leiter basteln und sie Stufe für Stufe für Stufe erklimmen.

Was ich da sehr hilfreich finde, ist, die Leiter nicht von unten nach oben aufzubauen, sondern von oben nach unten, also „zurückzurechnen“.

Unser Gehirn liebt diese „Übung“, die viel mehr ist als eine Übung, diesen Plan, der eine Brücke schlägt zwischen dem, was ist und dem, wo wir hinwollen. Sobald es dieses Plan hat, kann es sich das – können wir uns das – viel mehr vorstellen, dass wir’s wirklich packen können und sind dann natürlich unendlich mal motivierter und geduldiger.

Die 3-2-1-3 Übung

Nehmen wir mal an, Du hast ein etwas größeres Ziel – also nicht nur 2 Kilo abzunehmen, damit Du perfekt aussiehst in den Klamotten, die Du von Deiner Oma geerbt hast. Sondern zum Beispiel von Deiner Leidenschaft leben zu können, von einer Arbeit, die Du liebst und die Dich erfüllt. Und nehmen wir mal an, das ist grundsätzlich realistischer weise in drei Jahren zu schaffen – realistisch deshalb, weil es schon viele andere Menschen vorgemacht haben, dass es geht.

Dann könntest Du Dir zuerst diesen Zielzustand in 3 Jahren genau anschauen: Was genau tust Du? Wem hilfst Du? Womit verdienst Du Geld? Wie viel Geld brauchst oder willst Du? Und was ist alles dafür nötig? Musst Du noch eine Weiterbildung machen, zum Beispiel damit nicht jeder Zweite querschnittsgelähmt aus unserer Massage-Praxis kommt?

Wenn Du in 3 Jahren an diesem Punkt stehen willst … wo genau solltest Du dann ein Jahr vorher stehen, also von heute aus in 2 Jahren? Was hast Du bis dahin schon geschafft? Wie viel Geld kommt bis dahin monatlich rein? Welche Kontakte hast Du schon geknüpft, welche Kunden oder Interessenten schon gewonnen? Hast Du schon ein eigenes Büro oder Studio gemietet oder ein Bürozimmer in einem Gemeinschaftsbüro? Oder, wenn Du Musiker sein willst: Hast Du schon Dein zweites Album aufgenommen?

Als nächstes schauen wir uns an: Wo genau stehst Du in einem Jahr?

Und zuletzt: Wo genau stehst Du in 3 Monaten? Welche Schritte hast Du in 3 Monaten schon unternommen, was hast Du recherchiert, mit wem gesprochen, wie Deine eigene Website auf den Weg gebracht und so weiter?

Der 3-Monats-Zeitraum ist super wichtig, weil ein ganzes Jahr uns einfach sehr viel Raum gibt, erstmal monatelang gar nichts zu tun und einfach verstreichen zu lassen und zu denken:

Cool, die neue Staffel von Sturm der Liebe ist da und Wayne Carpendale kommt wieder zurück ins Hotel Fürstenhof um doch noch zur Liebe zu seiner Schwester zu stehen … aber gleich hinterher kümmere ich mich um meinen Traum … ist klar.

Wichtig dabei ist, dass Du diese Leiter so baust, dass sie wirklich für Dich passt.

Sind die Stufen gut für Dich, zu groß oder zu klein, oder fühlen sie sich einfach nicht richtig an für Dich? Dann kannst Du die Leiter umbauen – bis sie so ist, dass Du Dich nicht überfordert, sondern herausgefordert fühlst und Freude und Abenteuerlust in Dir aufsteigen merkst

Dies lässt sich auf alles anwenden. Auf alle finanziellen, sozialen, spirituellen Träume.

Welche Leiter brauchst Du, um Deinen größten Traum zu erreichen?

Dieser Text ist ein Auszug aus dem myMONK-Podcast. Die ganze Folge zum Thema kannst Du hier hören:

Photo (oben): Stock Photos von  El Nariz / Shutterstock