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Marion Hötzel leitet das ZENtrum – Den Raum der Sinne am Mondsee, eine Anlaufstelle für alle, die innere Ruhe und sich selbst finden wollen. Marion Hötzel hat umfassende Ausbildungen auf dem Gebiet der Meditation und Therapien absolviert, u.a. in Yoga, Bioenergetik, Gestalttherapie, Atemtechnik und Spiraldynamik, in Stressreduzierung und in der Burn-Out-Präventionen nach Dr. Kabat Zinn.

Sie haben in den 90er Jahren sehr viel Zeit in einem österreichischen Meditationszentrum verbracht. Was sind die wichtigsten Dinge, die Sie dort gelernt haben?

Im Wesentlichen ging es nach den üblichen Selbsterfahrungsprozessen, um das Umsetzen von Meditationen in den ganz normalen Alltag. In einem solchen Lebensraum stehen die unmittelbaren Erfahrungen nahezu täglich auf dem Programm. Da ist jeder zu jeder Zeit voll präsent, mit allem was ihn oder sie ausmacht. Es sind die Herausforderungen die der Alltag an uns stellt, gepaart mit der Lebensphilosophie die ja erst einmal für jeden eine völlig andere ist. Jeden Tag müssen Ideen, Vorstellungen und Überzeugungen neu erdacht, erfunden, verworfen… usw. werden.

Wenn dann am Ende nichts mehr übrig bleibt als die Tatsache, gerade in diesem Moment an diesem Ort zu sein und das „Leben“ genau in diesem Augenblick stattfindet, ganz genau  „jetzt“ und unter ganz genau unter „diesen“ Voraussetzungen — dann beginnt sich Meditation als Grundenergie zu festigen. Dann hören wir einfach auf  über  Meditation zu reden, oder uns in sie zu begeben, oder sie irgendwo zu suchen… Sondern wir leben in ihr. Ganz egal wo wir sind, was wir tun, was wir nicht tun, wir sind in Meditation. Ein dauerhafter Zustand. Im vollen Leben angekommen, ohne wenn und aber, vielleicht, warum, weshalb. Einfach weil es das Leben ist! Und zwar das Einzige das Du vor dem Tode hast. Also mach was draus. Vergeude es nicht. Etwas Wertvolleres steht nicht für Dich bereit.

Was genau ist das ZENtrum – und wieso haben Sie es gegründet?

Das Zentrum ist ein Raum der Sinne. Es steht dafür die Dinge des tägl. Lebens mit Würde, Bewusstheit und Achtsamkeit zu verrichten. Wir lernen und erfahren  „die Süße“ des Alltäglichen. Wir erkennen die zauberhaften Momente in uns und um uns herum, sobald wir nur ein wenig Still werden. Erfahren diese unverwechselbare Stille, die uns in unserem tiefsten Inneren mit ihrer ganzen Unbegrenztheit sanft berührt und uns einlädt den Raum des Mitgefühls zu öffnen.

Das Zentrum ist genau aus diesem Grund entstanden. Einen Ort zu schaffen wo diese Begegnung mit dir selbst stattfinden kann. Eine Tankstelle für die Seele, ein etwas anderes Restaurant. Wir bitten zu Tisch und du wirst durch dich und durch deine eigene Existenz gespeist. Doch solang wir hier auf Erden sind, haben wir einen Körper und der hat Bedürfnisse. Ohne ihn wären wir nicht die, die wir gerade sind. Wir tragen Verantwortung für diesen Körper. Sollten ihm also mit Wohlwollen zugetan sein. Deshalb essen und trinken wir, tanzen und singen wir.

Das Leben ist im Grunde freundlich! Und genau das sollten wir auch sein.

Welches ist Ihrer Erfahrung nach das beste Mittel, um nicht auszubrennen?

Es gibt drei Fragen die sich jeder stellen kann und wenn er mutig und geduldig ist, wartet er die Antworten darauf einfach mal ab. Ich meine wirklich abwarten, nicht nach der Antwort im Kopf oder  irgendwo da draußen zu suchen! Nein, ich meine das Finden. Das Finden geschieht von selbst. Die Antwort steigt in dir hoch. Manchmal angenehm, manchmal unangenehm. Da geht es eben nicht darum ob dir die Antworten immer passen, ob sie dir genehm sind und ob du sie akzeptieren kannst. Sie kommen aus einer anderen Verstehenswelt und weisen dir immer den richten Weg. Auch wenn es erst einmal unbequem und dich in Selbstverantwortung zwingt.

  1. Warum und für wen mache ich das?
  2. Was will ich dafür haben?
  3. Wie sollte es laufen, damit es mit gut geht?

Was ist „MBSR Achtsamkeitstraining“ und wann hilft es?

Achtsam sein hilft immer und jeden Tag. Hilft uns, uns wie Menschen zu benehmen und uns wie Menschen zu begegnen. Jeder hat das Recht auf Achtsamkeit. Sie zu geben und sie zu erhalten. Achtsamkeit heißt, aufmerksam und behutsam zu sein. Mit Sich, mit Anderen, mit allen Lebewesen. Heißt; dankbar sein für jeden Augenblick; heißt, der Existenz danken für die Schönheit die uns umgibt; heißt, immer wieder Staunen über die tägl. Wunder die geschehen. Sei es ein Lächeln von einer fremden Person am Bahnsteig, sei es eine Flutwelle deren Ausmaß für unseren kleinen Verstand kaum zu erfassen ist. Alles ist Leben immer und überall. Heißt, wach sein und doch schlafen; heißt, leben und doch sterben; heißt, im Lauten die Stille hören; heißt, im Denken die Gedanken verlieren; heißt, in Kälte die Wärme spüren; heißt, im Reden zu Schweigen; heißt, zerbrochen und doch ganz sein.

Gibt es eine Übung, mit der wir MBSR ganz allein ausprobieren können?

Ja die gibt es. Sie verbringen am Anfang pro Tag einige Minuten damit etwas ganz „bewusst“ zu tun. Sie stellen sich dabei vor, sich selber bei dem was sie tun von außen zu beobachten. Alles was Ihnen dabei auffällt schreiben sie in der Rückschau auf. Es ist dabei nicht nötig sich mit Erinnerungen an die jeweilige Tätigkeit zu quälen, sie schreiben einfach auf was von allein in ihre Erinnerung kommt. Einige Zeit später schauen Sie Ihren Beobachtungsbogen, ganz entspannt, nochmals an.

Seien Sie möglichst neutral und beobachten Sie Ihren Verstand. Möglicherweise hat er eh schon tausende Erklärungen parat. Schnell und scharf, präzise und analytisch, so wie wir halt ticken. Auf diese Weise lernen wir unseren Verstand und seine Beschränkungen kennen. Lernen besser einzuschätzen was wir fühlen, wie wir denken, was wir sehen, wie wir erkennen.

Der allerbeste Begleiter, damit ihr innerer Kritiker an Wichtigkeit verliert, ist ihr Humor. Seien sie also humorvoll mit sich selbst und schenken sich ein inneres Lächeln, bei jeder Fehlbarkeit die Sie an sich finden.

Gibt es eine Berufung für jeden von uns, und wenn ja, wie können wir sie erkennen?

Ja die gibt es. Sie können sich auf die Reise machen. Ich kann Ihnen nicht sagen wie und wo und wann Sie sie erkennen werden. Das liegt ganz bei Ihnen und vor allem ist es letzten Endes immer eine große Gnade die uns da widerfährt. Sich auf seine innere Reise zu begeben, ist auf jeden Fall das Wunderbarste das man für sich selber tun kann. Wahrscheinlich auch das einzig Sinnvolle. Ein wenig Mut und das Vertrauen, zur rechten Zeit am rechten Platz zu sein, reichen aus.

Als wir telefonierten, sagten Sie, letztlich würden alle Menschen bei sich selbst ankommen. Und dass es gar nicht so entscheidend, wann wir zum Beispiel erstmals intensiv darüber nachdenken, was für uns wirklich bedeutsam ist. Habe ich Sie da richtig verstanden, wenn ja, wie meinen Sie das?

Ich meine damit, dass wir alle eine innere Entwicklungsuhr haben. Meist nehmen wir das Ticken nicht gleich wahr. Es braucht häufig äußere Lebenseinschnitte die uns das Ticken hören lassen. Wir erkennen plötzlich, dass wir nur dieses eine Leben JETZT  haben, erkennen das die Zeit verstreicht und somit unsere Lebensdauer.

Allein das ist schon Grund genug nach innen zu gehen. Bei manchem dauert es länger, bei manchem geschieht es früher. Doch seien Sie sicher, dass diese Uhr bei jedem irgendwann laut zu ticken beginnt. Natürlich können wir uns immer wieder im Außen verlieren, uns noch mehr mit Konsum voll stopfen, hunderte von Urlaube machen und theoretisch mit Selbstverwirklichung beschäftigen, doch drehen wir uns damit im Kreis. Ein Hamsterrad ohne Ausgang. Es sei denn, wir drehen uns immer schneller und schneller und durch die Fliegkraft verlassen wir das Laufrad, was meist einen schmerzhaften, wenn nicht gleich tödlichen Aufprall, zur Folge hat. Geschieht eine solche Kompensation bewusst und mit Ihrem Einverständnis, ist nichts dagegen einzuwenden. Doch meist ist es ein eher leidvoller und vor allem unbewusster Weg. Sein Leben ohne seine Essenz zu erfahren ist eher einsam und armselig. Letztendlich können wir uns nur selber aus diesen Rad befreien. Früher oder später kommen wir nicht umhin uns zu beantworten „wer wir sind“ und „was wir tun“.

Und es steht auch außer Frage, dass jeder sich dem stellen muss. Leider finden die meisten von uns, diese Antwort erst in ihrer Todesminute. Doch dann ist nichts mehr zu machen, dann ist der Verlust des Lebens bitter. Es ist nichts mehr zu verändern, nichts mehr zu bereinigen.

Also, „es gibt ein Leben vor dem Tod“ und ich kann Sie nur beflügeln, sich das klarzumachen und aus vollem Herzen das Ihrige zu leben.

Wie können Interessierte am besten Kontakt mit Ihnen aufnehmen?

Über unsere Homepage www.zentrum-mondsee.at. Da gibt es im Vorfeld schon einiges zu entdecken, was Sie möglicherweise anspricht und neugierig macht.

Herzlichen Dank Frau Hötzel!

 

Photo (oben): Mooganic