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Oft denke ich „Ich will glücklicher sein“ und dann fallen mir die Dinge ein, die mir dazu fehlen. drei Jahre am Strand oder drei Millionen auf dem Konto oder dreimal mehr Hörer hier im myMONK-Podcast. makellose Gesundheit, einen Ehrendoktortitel (ich würde irgendwann gern in Wartezimmern als „Dr. Tim, bitte“ aufgerufen werden).

Daran, dass ich einen Raum betrete und sich alle umdrehen und jubeln, einfach so, weil ich sie mich so toll finden.

Ich frage also: „Was fehlt?“ und nehme in Gedanken einen Stift in die Hand und füge dem Bild, das mein Leben ist, in meiner Vorstellung etwas hinzu – und dann fühl ich mich schlecht wegen dieser Diskrepanz zwischen dem traumhaften Bild und der Realität.

Es gibt da eine Zen Geschichte …

Ein Mann geht spazieren, hört vielleicht einen entspannten Podcast dabei und ahnt nichts Böses.

Auf einmal kommt ein Tiger und schaut echt übel aus und läuft auf ihn zu und rennt dann und der Mann flüchtet, er rennt, was das Zeug hält, rennt und rennt, bis er plötzlich an einen Abgrund fällt, abrutscht und fast 200 Meter in die Tiefe stürzt, aber er kann sich gerade noch so an einer Baumwurzel festhalten im letzten Moment.

Und während er da so zwischen Himmel und Erde hing, sieht er in der Tiefe des Abgrunds einen weiteren Tiger, der mit blutrünstigen Blicken auf sein Opfer lauert. Sein Leben ist also so gut wie vorbei.

Er sieht keine Rettung. Abwechselnd schaut er von oben nach unten, von unten nach oben, schließlich auch nach der Seite.

Da hängt doch in Reichweite eine große, rote, reife Erdbeere. Trotz seiner Todesangst greift er mit der freien Hand danach und labte sich an dem köstlichen Aroma dieser Frucht.

Noch nie hat er so hingebungsvoll etwas auf der Zunge zerdrückt – noch nie war er je so in der Gegenwart, hatt sich selbst und seine Angst vergessen, noch nie hat ihm etwas so gut geschmeckt, obwohl er schon tausende von Erdbeeren gegessen hat in den letzten Jahrzehnten

Was ich sagen will: Die Lage ist insgesamt nicht gerade rosig und die Erdbeere ist nicht anders als die anderen, aber er weiß sie plötzlich zu schätzen.

Die Übung

Wir müssen nicht warten, bis wir von einem Tiger oder, viel moderner, einer Drohne verfolgt werden.

Wissenschaftler haben einen Weg gefunden, der nachweislich besser funktioniert als die einfache „Jetzt sei aber mal dankbar!“-Nummer.

Dieser andere Weg lautet: Nichts hinzufügen, sondern etwas wegnehmen. „Mentale Subtraktion“ nennen sie‘s, Minus-Rechnen im Kopf.

Dazu fragen wir nicht: „Was fehlt?“

Sondern: „Was wäre, wenn etwas Positives, das wir schon in unserem Leben haben, auf einmal fehlen würde?“

Statt einen Stift nehmen wir also einen Radiergummi in die Hand und stellen uns das Leben ohne diesen positiven Faktor vor.

Besser als gewöhnliche Dankbarkeit

In Studien kam heraus, dass Menschen, die diesen Weg praktizierten:

  • Glücklicher sind als die, die‘s nicht tun
  • Ihre Beziehungen mehr genießen, indem sie sich ihr Leben ohne ihren Partner vorstellten (was nur bei halbwegs intakten Beziehungen funktioniert)
  • Achtsamer waren, den Alltag bewusster erleben, die vielen kleinen und großen Erlebnisse, die uns jeder Tag schenkt (Sonne auf der Haut, Blätter, die im Wind rascheln, Vögel, die singen, das Lächeln der Kollegin, die gelungene Arbeit)
  • Mehr Glück und Dankbarkeit verspüren als jene, die sich nur direkt auf das Positive konzentrierten, sich also fragten: „Wofür bin ich dankbar?“ oder „Was in meinem Leben ist gut?“

Die mentale Subtraktion geht tiefer als jede herkömmliche Dankbarkeit. Weil sie sich von hinten anschleicht, uns erschrickt, am scheinbar Selbstverständlichen rüttelt und es damit wieder präsent und kostbar macht.

Die Übung geht so

Schritt 1:

  • Denke an etwas Gutes aus Deinem Leben, etwas, das Dir am Herzen liegt. Ein Freund vielleicht oder Dein Partner und wie er Dich unterstützt, Dein Kind, Hund, Haus, Boot, Bunker, Klunker, Beruf, Deine Gesundheit, Deine Spaziergänge, die Zeit mit Deinem Hobby.
  • Welche gute Sache oder welcher Mensch fällt Dir zuerst ein?

Schritt 2:

  • Stell Dir Dein Leben ohne diese gute Sache oder diesen Menschen vor. So klar und genau wie möglich. Du bist in diesem Bild (oder Film) ohne sie oder ihn oder es.
  • Wie würde sich Dein Leben unterscheiden, wie anders wären Deine Tage, Wochen oder Wochenenden, Monate und Jahre ohne sie/ihn/es? Wie fühlst Du Dich bei dem Gedanken?
  • Und für den Fall, dass vieles gerade echt trüb ist und zum Beispiel dieser Mensch nicht mehr da ist: Wie wäre das ist wenn du nicht mal mehr die Erinnerungen hättest an diesen geliebten Menschen, der nicht mehr in deinem Leben ist und vielleicht auch nicht mehr in seinem eigenen Leben ist … was würde Dir fehlen, wenn ihr nie zusammen gewesen wärt? Wenn ihr nicht die Dinge zusammen erlebt hättet, das Leben geteilt hättet, für euch dagewesen wärt? Wie wäre es ohne die Liebe, die Du bekommen hast … wer wärst Du ohne die gemeinsame Zeit?

Schritt 3:

  • Atme tief und langsam ein und aus, komm‘ zurück ins Jetzt. Mach Dir klar, dass Du diese Sache, diesen Menschen oder wenigstens diese Erinnerung hast, dass sie nicht weg sind, dass sie nicht fehlen in dem Bild, das Dein Leben ist.
  • Wie fühlt sich diese gute Sache jetzt an, nach dieser kleinen Übung? Etwas weniger selbstverständlich? Spürst Du Dankbarkeit? Bist Du vielleicht erleichtert, dass es noch da ist, dieses Kostbare?

Dieser Text ist ein Auszug vom myMONK-Podcast. Die ganze Folge kannst Du hier hören:

Photo (oben): Stock Photos von  Aaron Amat / Shutterstock