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Einst als 8-Jähriger verkauft und nach 32 langen Jahren als Sklave auf der Plantage seines Masters wurde Jourdan Anderson gemeinsam mit seiner Frau Amanda im Jahr 1864 von den Unionstruppen befreit. Sie zogen nach Ohio. Jourdan fand eine neue Arbeit, mit der er gut für seine wachsende Familie sorgen konnte. Ihrem alten Leben trauerten sie nicht hinterher.

Ein Jahr später erhielt Jourdan einen Brief des alten Masters Colonel Patrick Henry Anderson, als dessen Eigentum er die längste Zeit seines Lebens galt. Der Master bat ihn verzweifelt, zurückzukehren und den maroden Betrieb mittels seiner Arbeitskraft zu retten.

Sein Antwortbrief, den er seinem neuen Chef diktierte, gelangte in die Öffentlichkeit und ging um die Welt. Hier ist er, in leicht gekürzter Form.

An meinen früheren Master, Col. P.H. Anderson, Big Spring, Tennessee

Sir,

ich habe Ihren Brief erhalten und mit Freude erfahren, dass Sie Jourdan nicht vergessen haben und möchten, dass ich zurückkomme und wieder bei Ihnen lebe – und dass Sie mir versprechen, mich besser zu behandeln, als es sonst jemand tun würde. Ich habe mich häufig um sie gesorgt, ich dachte, man hätte Sie vielleicht erhängt, weil man die Rebellen gefunden hat, die sie in Ihrem Haus versteckt hielten.

Obwohl Sie, Sir, zweimal auf mich geschossen haben, bevor ich Sie verließ, hoffte ich doch, Ihnen sei kein Leid geschehen.

Es würde mich sehr interessieren, wie diese schöne Zukunft aussieht, die Sie mir versprechen. Hier geht es mir ziemlich gut, ich bekomme 25 Dollar im Monat und dazu Verpflegung und Kleidung. Ich habe ein behagliches Heim für Mandy und die Kinder – Milly, Jane und Grundy gehen zur Schule und sind fleißig. Man behandelt uns gut.

Manchmal hören wir andere sagen: „Unten in Tennessee waren diese Farbigen Sklaven.“ Den Kindern tun solche Bemerkungen weh, aber ich sage ihnen, dass es keine Schande war, das Eigentum von Colonel Anderson aus Tennessee gewesen zu sein. Viele Neger wären so stolz wie ich damals, Sie ihren Master nennen zu dürfen. Wenn Sie mir also mitteilen würden, welchen Lohn Sie mir zahlen werden, dann könnte ich leichter entscheiden, ob es zu meinem Vorteil wäre, wieder zurückzukehren.

Was meine Freiheit betrifft, die Sie mir in Aussicht stellen, so ist in diesem Punkt alles geklärt. Ich habe meine Freilassungsurkunde bereits 1864 vom General des Departments Nashville erhalten. Meine Frau sagt, sie habe Angst, ohne Beweis dafür zurückzukehren, dass Sie uns gerecht und gütig behandeln werden.

Wir haben uns darauf geeinigt, Ihre Aufrichtigkeit zu prüfen, indem wir Sie hiermit bitten, uns unseren Lohn für die Zeit zu schicken, die wir für Sie gearbeitet haben. Das wird uns alte Rechnungen vergeben und vergessen machen und auf Ihre zukünftige Redlichkeit vertrauen lassen.

Ich habe Ihnen 32 Jahre und meine Frau 20 Jahre treu gedient. Bei 25 Dollar für mich im Monat und 2 Dollar in der Woche für meine Frau würde sich unser Verdienst auf 11.680 Dollar berufen. Fügen Sie bitte die Zinsen hinzu für die Zeit, in der unser Lohn zurückgehalten wurde. Und ziehen Sie ab, was Sie für unsere Kleidung und die insgesamt vier Arztbesuche ausgegeben haben.

Bitte senden Sie das Geld per Scheck an unseren Anwalt V. Winter in Dayton, Ohio. Wenn Sie uns für unsere Dienste der Vergangenheit nicht entlohnen, können wir Ihren Versprechen für die Zukunft wenig vertrauen. Wir bauen darauf, dass der Herr unser Schöpfer Ihnen die Augen für das vergangene Unrecht geöffnet hat, als Sie uns 30 Jahre umsonst schuften ließen. Gewiss wird für jene, die einen Arbeiter um seinen Lohn betrügen, einmal der Tag der Abrechnung kommen.

Wenn Sie diesen Brief beantworten, schreiben Sie bitte auch, ob meine Töchter sich in Sicherheit wähnen können und ob es in Ihrer Nähe inzwischen Schulen für farbige Kinder gibt? Mein größter Lebenswunsch ist es jetzt, meinen Kindern eine gute Bildung zu ermöglichen, auf dass Sie ein tugendhaftes Leben führen können.

Sagen Sie George Carter Hallo von mir und richten Sie ihm meinen Dank dafür aus, dass er Ihnen die Pistole weggenommen hat, als Sie auf mich geschossen haben.

Ihr ehemaliger Diener,

JOURDAN ANDERSON

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Photo: Letter von  Khakimullin Aleksandr / Shutterstock