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Wenn aus Verliebten Entliebte oder sogar Hassende werden, aus Gemeinsamen Einsame, wenn der Traum ausgeträumt ist und die Herzen zusammengeschrumpft in ihren Ecken hocken, erschöpft und angeschlagen wie Boxer nach zwölf Runden … dann kam das Ende nur sehr selten plötzlich.

Kein Fallbeil aus dem Himmel, das das händchenhaltende Paar in der Mitte trennte, so, dass die Finger ab sind und sie sich auf einmal nicht mehr berühren können, den Kontakt zueinander verlieren. Nein, meistens ist es anders, meistens ging dem Ende ein langer, langer Absteig voraus. Zu oft erkennen wir das nur nicht.

John Mordechai Gottman, einstiger Psychologie-Professor an der University of Washington und Autor von über 40 Büchern, genießt weltweiten Ruhm für seine Arbeiten über Beziehungs-Stabilität. Unter anderem hat er eine komplexe Methode entwickelt, mit der er durch direkte Beobachtung innerhalb weniger Minuten und mit einer Wahrscheinlichkeit von bis zu 90% vorhersagen können soll, welche neu verheirateten Paare lange zusammenblieben und welche Ehen nach vier bis Jahren geschieden werden würden.

In seinen Büchern wie „Die Vermessung der Liebe“ schreibt er darüber, wann das Ende einer Beziehung droht, wie es so weit kommen konnte … und wie man die Kurve vielleicht doch noch kriegen kann, bevor alles endgültig an die Wand gefahren ist, ohne Airbag und mit zwei Schwerverletzten inmitten zerquetschter Teile und von Scherben, die sich bekanntlich nicht wieder zusammensetzen lassen, zumindest nicht ohne hässlische Risse.

Gottmans Erkenntnisse stammen aus seiner vierzigjährigen Forschung auf diesem Gebiet mit unzähligen Studien und Tausenden von hetero- und homosexuellen Paaren, die er in dieser Zeit untersucht hat.

Der beste Hinweis, wie gut (oder krank) eine Beziehung wirklich ist

Vorhang auf für den Indikator Nummer eins:

  1. Beantworte die folgende Frage: Wenn Dich jemand nach der Geschichte Deiner Beziehung fragst … was erzählst Du ihm?
  2. Lass Deinen Partner auf dieselbe Frage antworten, ihn seine Geschichte erzählen.
  3. Auswertung: Reduzieren die Geschichten das Negative auf ein Mindestmaß und feiern sie das Positive der Beziehung? Wird der Partner als großartig dargestellt? Oder ist das Gegenteil der Fall – klingen sie so, als hätte man’s wirklich nur noch schwer mit „diesem Idioten“ an der Seite?

Gottman dazu:

„Diese ‚Geschichte von uns’ der Paare sagt so viel über den Zustand einer Beziehung aus wie kaum etwas anderes. Manche Menschen entwickeln Geschichten, die sehr negativ sind, die sich auf alle Probleme der Beziehung stürzen, all das betonen, was fehlt. Die Meister hingegen, jene, die lange glücklich zusammen sind, tun genau das Gegenteil: Sie drücken Dankbarkeit über die Beziehung aus statt Verbitterung. Sie heben die Qualitäten des Partners hervor, nehmen seine nicht so guten Eigenschaften (die wir alle haben) und die Probleme (die wir alle haben) nicht so wichtig.

Welche Geschichte hast Du im Kopf?

Wie wir unsere Beziehungen ruinieren (die 4 apokalyptischen Reiter)

Einer negativen Geschichte und einer erkrankten bis im Sterben liegenenden Partnerschaft geht etwas voraus, das der Psychologe „die vier apokalyptischen Reiter der Paarbeziehung“ nennt.

Schon wenn sie nur als kleine schwarze Punkte am Horizont auftauchen, sollten wir gewahr sein, was noch stabil erscheint, könnte bereits in Gefahr sein. Vor allem, wenn mehrere dieser Reiter aufkreuzen:

  1. Kritik. Der Partner wird angeklagt, wir weisen ihm Schuld zu. Sagen nicht, was wir uns anders wünschen würden und wie’s uns geht, kritisieren nicht spezielles Verhalten, sondern seine Person, den Charakter. Am bitteren Ende veruteilen wir ihn ganz generell.
  2. Abwehr. Wir nehmen Kritik und Wünsche des Partners nicht an, sondern wehren sie ab, indem wir uns rechtfertigen, die eigene Mitverantwortung abstreiten oder uns zu weinenden Opfern machen – und halten Konflikte somit aufrecht.
  3. Verachtung und Geringschätzung des Partners. Wir reden überheblich. So, als würde der Partner unter uns stehen, weniger wert sein als wir.
  4. Mauern, Dichtmachen, Rückzug. Wir wollen uns mit den Problemen nicht mehr auseinandersetzen, blocken ab, vermeiden gemeinsame Zeit und Gespräche. „Ist mir wurscht, soll die Alte doch machen.“

Ein weiteres finsteres Anzeichen:

  • Machtdemonstration. Oft aus verdeckten Ohnmachtsgefühlen geboren, setzen wir dieses Mittel im „Kampf“ ein, geben uns betont unabhängig und mächtig.

Zwischen den Geschlechtern gibt es Unterschiede: Frauen neigen eher zu Kritik, Männer eher zum Mauern, wenn Konflikte auftreten.

Bei unglücklichen, instabilen Beziehungen beobachtete Gottman ein deutliches Überwiegen negativer Kommunikation. Nach der sogenannten Gottman-Konstante sollte eine gesunde Beziehung ein Verhältnis von mindestens fünf positiven Interaktionen für jede negative aufweisen. Schlechtes kann also mit viel Gutem weitgehend ausgeglichen werden.

Was Beziehungen (wieder) gut und stabil macht

Wie können wir die apokalyptischen Reiter in die Flucht schlagen, wenn sie da sind, oder noch besser: sie gar nicht erst in unsere Welt lassen?

Gottmann fand drei Dinge auf lange Zeit glücklicher Paare, die besonders effektiv waren:

  1. Den Partner kennen. In stabilen Beziehungen hören die Partner nie auf, sich gegenseitig zu fragen und zu öffnen, ihr Innerestes preiszugeben – so entstehen immer wieder aktualisierte „Landkarten der Liebe“ für die Psyche des Anderen. Zuhören ist die beste Medizin für eine heile Beziehung. Leider verzichten sehr viele Menschen darauf, weil es Zeit braucht, Einfühlungsvermögen und den Mut, sich zu zeigen. Einer Studie nach, die Gottman zitiert, sprechen amerikanische Paare mit Kindern nur 35 Minuten in der Woche (!) miteinander. Da rede ich ja mehr mit meinen Katzen.
  2. Positiv auf Bitten reagieren. Jedes Mal, wenn wir uns einer Bitte des Partners zuwenden, das heißt, sie weder ignorieren noch sofort abwürgen, sondern versuchen, sie ernst zu nehmen, stärkt das die Bindung. Der Psychologe fand heraus: In Ehen, die nach 5-6 Jahren scheiterten, traf das nur 33 Prozent der Bitten zu, jene, die zusammenblieben, schafften es hingegen zu 86 Prozent. Bedeutet nicht, dass wir uns willenlos jedem Wunsch und jeder noch so ungewöhlichen Sex-Fantasie des Partners unterwerfen sollten. Es geht vielmehr darum, ein offenes Ohr für seine Bedürfnisse zu haben und eine Lösung zu suchen – auch wenn wir vielleicht lieber doch nicht im Latexanzug an einer Hundeleine auf allen Vieren durch die Stadt geführt werden wollen, wuff, wuff.
  3. Anerkennung zeigen. Frag einen neu verliebten nach seiner Flamme und ein Feuer an Komplimenten wird gezündet, so toll ist der, so unglaublich und süß und intelligent, wie er redet und aussieht und handelt und Rosenblüten kackt. Ein Heiliger, ein Superheld, das Kostbarste, was die Natur je hervorgebracht hat. Wenn wir uns von diesem Blick auf den Partner etwas bewahren können, ist viel geschafft, und noch mehr, wenn wir’s ihm mitteilen, auch noch nach drei Jahren und nach dreißig. In erfolgreichen Beziehungen sehen sich die Beiden nicht, wie sie sind, sie sehen sich besser, als sie sind, und daran ist nichts verkehrt. Hast Du ihm/ihr heute schon ein ernst gemeintes, von Herzen kommendes Kompliment gemacht?

Falls Du mich heute in Latex in der Stadt triffst, füttere mich bitte nicht, das macht Frauchen nur sauer auf mich.

 

P.S.: Siehe auch 10 Anzeichen, dass Du Deine Beziehung beenden solltest und 7 Dinge, die wir mit Liebe verwechseln.

 

Photo: Jamiecat *