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Ich werde ja gern mal berührt. Vor allem, wenn ich nicht dafür bezahlen muss. Heute geht’s aber nur um nicht-sexuelle Berührung. Und um ihre Kraft. Denn sie macht etwas mit uns Menschen.

Werden wir nicht berührt, gehen wir ein. Wie bei dem traurig-berühmten Experiment, das Kaiser Friedrich II angewiesen haben soll. Um herauszufinden, ob es eine „Ur-Sprache“ gibt, die in uns steckt und auch ohne Kommunikation aus uns herauskommt, ließ er Babys zwar mit Nahrungsmitteln versorgen, sonst aber mit keinerlei Zuwendung. Sie wurden nicht angeschaut, nicht angesprochen – und nicht berüht. Das Experiment brachte keine Erkenntnis hinsichtlich der Sprache. Denn alle Babys starben frühzeitig.

Wie Berührung wirkt

Werden wir hingegen berührt, kann uns das mitunter heilen. Die alten Schamanen nutzten das und auch heute noch spielt es eine große Rolle in verschiedenen Arten der Naturheilkunde.

Doch auch im sozialen Alltag hat das Anfassen eine Reihe von Effekten. Selbst dann, wenn es nur kurz und unverfänglich ist. Diese psychologischen Effekte sind inzwischen immer besser erforscht.

Hier zehn dieser Wirkungen:

  1. Berühren beruhigt. Wenn wir aufgeregt sind, kann uns eine sanft auf die Schulter gelegte gelegte wieder entspannen. Ohne großes Gerede. (Studie) Es lindert auch körperlichen Schmerz – vor allem das Händehalten mit dem Partner, wie ein Experiment mit Elektroschocks gezeigt hat. (Studie)
  2. Berühren zahlt sich aus. Kellner bekommen mehr Trinkgeld. (Studie) Und wenn wir etwas verloren haben, gibt’s uns der Finder nach einer Berührung eher zurück. (Studie)
  3. Berühren macht hilfsbereit. Menschen erfüllen Bitten eher, wenn wir sie angefasst haben. In einem Experiment halfen so 90 statt 63 Prozent der Leute einem Fremden beim Aufheben seiner heruntergefallenen Sachen. (Studie)
  4. Berühren lässt übereinstimmen. Nachdem sie leicht anfgefasst wurden, unterzeichneten 81 statt 55 Prozent der Testpersonen eine Petition. (Studie)
  5. Berühren verkauft. Französische Forscher sprachen zufällig ausgewählte Männer auf einem Gebrauchtwagen-Markt auf. Die eine Hälfte wurde für eine Sekunde leicht am Arm berührt, die andere nicht. Anschließend befragt, bewerteten die Personen der berührten Gruppe den Verkäufer als ehrlicher, freundlicher,  umgänglicher und gütiger. Klar, dass sie bei so jemandem lieber ein Auto kaufen: „Der war so nett, das macht bestimmt nichts, dass der teure BMW nur zwei Räder hat … und irgendwie genauso aussieht wie ein Fahrrad.“ (Studie)
  6. Berühren verschafft Macht. Der Psychologe Henley beobachtete ausgewählte Großstädter in ihrem Alltag. Wer andere Leute häufiger berührte (statt von ihnen berührt zu werden) hatte in der Regel einen höheren gesellschaftlichen und beruflichen Status. (Studie)
  7. Berühren macht erfolgreich. Wissenschaftler der University of California fanden einen Zusammenhang zwischen dem Erfolg von Basketballteams der NBA und der Häufigkeit der Berührungen der Kameraden. Teams, die sich häufiger abklatschen oder aufmunternde Klapse gaben, schnitten besser ab. (Studie)
  8. Berühren verschafft Dates. Männer verwechseln so ziemlich alles gern mit einem Flirt. Das ist nichts Neues. Der kleinste Hauch einer Berührung ist für viele ein sicheres Zeichen – „Boah, die will mich, ey, die will mich so sehr!“ Scheißegal, ob das in einer überfüllten U-Bahn ist, in der die Frau ihre Gliedmaßen schon aufessen müsste, um niemanden zu berühren. (Studie).  Interessanter: Frauen rücken eher ihre Telefonnummer heraus, wenn sie dabei für 1-2 Sekunden am Oberarm berührt werden. Vermutlich, so die Forscher, weil dieses Verhalten für Dominanz steht, eine attraktive männliche Eigenschaft. (Studie)
  9. Berühren bringt Nähe. Mit einer Berührung am Unterarm allein erkannten Menschen in einem Experiment mit verbundenen Augen zwölf verschiedene Emotionen des Gegenübers, mit einer Treffsicherheit von 48 bis 83 Prozent. Ob Ekel, Dankbarkeit, Angst oder Liebe. Anfasssen ist Kommunikation. Geht von der Haut unter die Haut, geht ins Herz.  (Studie)
  10. Berühren macht glücklich und schlau. Über mehrere Monate bekamen Frauen mit einer Depression zweimal wöchentlich eine Massage. Ihnen ging es körperlich und seelisch deutlich besser. (Studie)  In einer anderen Studie wurde die eine Hälfte nicht massiert, die andere Hälfte über fünf Wochen. Die massierte Gruppe schloss besser bei schwierigen Matheaufgaben ab. (Studie)

Wie man richtig berührt (Vorsicht bei Frauen mit kleinen Fingern)

So, jetzt geht’s um die Wurst, beziehungsweise auf die Pelle. Aber bitte nicht zu sehr, nicht zu oft, nicht zu aufdringlich.

Die beste Berührung ist eine sanfte und kurze, eine Sekunde am Oberarm. Insbesondere dann, wenn wir den Anderen nicht oder kaum kennen.

Frauen sind dabei übrigens sensibler. Forscher der McMaser University in Ontario maßen die Länge der Fingerspitzen von 100 Studenten. Hinterher testeten sie die Empfindlichkeit der Finger. Das Ergebnis: Je kleiner die Finger, desto empfindsamer waren die Testpersonen insgesamt – da Frauen meist kleinere Finger haben als Männer, reagieren sie sensibler auf Berührung.

Umzingeln und überall antatschen funktioniert nicht. Wir alle haben eine Art persönlicher Zone um uns herum. Diese „Intimzone“ ist in Deutschland etwa 20-60 Zentimeter groß, in anderen Ländern bis zu einem Meter oder auch deutlich geringer als bei uns.

Dringen wir zu stark / zu häufig / zu lange ein in diese Zone, fühlt der Andere sich unwohl und bedroht. Es gibt auch Menschen, die es generell nicht mögen, in alltäglichen Interaktionen berührt zu werden. Wie gesagt, ich gehöre nicht dazu. Also fass mich ruhig an.

 

Siehe auch 10 einfache Körperhaltungen, die Dich stärker, schlauer und beliebter machen.

 

Photo: Rick