Neu im Podcast von myMONK: Ich schäme mich so. Und folgst Du myMONK schon bei Instagram?

Es folgt ein Beitrag von Andreas Gauger, Autor der myMONK-Bücher Selbstwertgefühl – Wie es entsteht und wie Du es stärken kannst und Wie man die richtigen Entscheidungen trifft.

Die meisten von uns wünschen sich ein authentisches Leben. Wir wollen uns nicht abstrampeln für nichts und wieder nichts, sondern unserem Leben Sinn verleihen. Wollen nicht bloß Rechnungen zahlen und den Rasen mähen, sondern mit jeder Faser spüren, dass es einen Unterschied macht, gelebt zu haben.

Worum sollte es in Deinem Leben wirklich gehen? Wie sollte sich Dein Leben von innen heraus anfühlen? Wann würde es sich wirklich nach Deinem Leben anfühlen?

An der Basis eines authentischen Lebens stehen unsere Werte. Wie und auf welche Weise können wir sie in unserem Leben ausdrücken?

Dabei unterliegen wir alle gewissen Unfreiheiten und Sachzwängen. Wir können nicht immer so, wie wir gerne wollen. Unsere Umwelt, unser Körper, das Schicksal, unsere Finanzen und so viel mehr – alles erlegt uns gewisse Grenzen auf. Menschliche Freiheit ist immer auch bedingte Freiheit.

So denken und sagen wir vielleicht:

„Klar, wenn ich keine Miete zahlen müsste und im Lotto gewonnen hätte; wenn ich mich nicht um meine kranke Mutter kümmern müsste; wenn ich auch auf dem Land leben könnte oder in einem anderen Körper geboren wäre,…“ … und bleiben stecken im Unmöglichen … wie sollen wir da schon authentisch bleiben?

Doch ein authentisches Leben bedeutet nicht, immer alles tun und lassen zu können, worauf wir gerade Lust haben.

Es bedeutet, unsere Nische innerhalb unserer unabänderlichen Einschränkungen zu finden und sie so auszugestalten, dass sie uns widerspiegelt. Die Dinge, die wir tun müssen, auf unsere Weise zu tun. Aus dem Gegebenen das Beste zu machen – gemessen an dem, was uns wichtig ist. Also an unseren individuellen Werten. Diese gibt es auf drei Ebenen als Erlebniswerte, schöpferische Werte und Einstellungswerte. Wenn wir sie kennen, können wir ihnen bewusster und leichter nachgehen.

1. Erlebniswerte: Der Freude folgen

Erlebniswerte haben immer eine Genuss-Komponente. Alles, womit Du gerne Zeit verbringst, wobei Du Dich so richtig wohl fühlst, für das Du sogar Geld bezahlen würdest, um es zu erleben. Joggen, gutes Essen, Quality Time mit Partner, Haustier oder Kindern, Zeit am Meer oder in der Natur, … was auch immer Dir Freude bereitet. Erlebniswerte sind es auch, die wir meist als erstes im Kopf haben, wenn wir daran denken, ein authentisches Leben zu führen. Möglichst viel Zeit mit den Dingen zu verbringen, die uns mit Freude und Dankbarkeit erfüllen.

Erlebniswerte haben ihren festen Platz in einem authentischen Leben. Ein Ziel auf dem Weg ist, unser Leben dort wo es geht, schöpferisch so umzugestalten, dass wir möglichst viele Erlebniswerte darin unterbringen.

Nur ist es uns nicht möglich, unser Leben ausschließlich nach dem Lustprinzip umzugestalten. Dass dies auf Dauer auch nicht besonders Sinn erfüllt ist und nach einer gewissen Anfangseuphorie auch nicht allein seligmachend ist, kannst Du alleine an den vielen depressiven Multimillionären und Celebritys erkennen. Genuss alleine ist auf Dauer nicht stark genug, um unserem Leben ein tiefes Sinnerleben hinzuzufügen.

Was tut Dir gut?

2. Schöpferische Werte: Die Dinge Leben gestalten

Bei diesen Werten geht es darum, etwas Vorhandenes so umzugestalten, dass etwas Neues, Sinnvolleres, „Höher-Wert-iges“ daraus entsteht. Das trifft bereits auf kreative Hobbys wie Schreiben, Handwerken, Anlegen und Pflege eines Gemüsegartens (mein Thema!) zu.

Besonders sinnvoll und erfüllend erleben wir schöpferische Werte dann, wenn sie eine Komponente haben, die über uns hinausgeht. Wenn das, was wir gestalten oder aufbauen, einen Wert für andere darstellt und einen Beitrag leistet. Dazu muss nicht immer etwas um-gestaltet werden. Schöpferische Werte können wir auch ausdrücken, indem wir die Buchhaltung einer ehrenamtlichen Organisation übernehmen und so über unser eigenes Wohl hinaus Wertvolles tun..

Auch hier kommen wir nicht an Einschränkungen vorbei. Doch ein bisschen Spielraum gibt es immer.

Anfang Zwanzig sortierte ich mal für ein Callcenter Adressdatensätze. Ich habe viele Stunden täglich auf endlos lange Excel-Tabellen voller Adressen gestarrt, bis sie vor meinen Augen verschwammen sind. Irgendwann, als ich vor Langeweile fast gestorben wäre, habe ich Wetten mit mir selbst abgeschlossen: „Mal schauen, wie viele Datensätze ich heute bis zum Feierabend schaffe!“ oder „Ob ich wohl meine Fehlerquote von gestern unterbieten kann?“ An der langweiligen Arbeit konnte ich nichts ändern – ich wollte ja schließlich das nötige Startkapital für meine erste eigene kleine Firma verdienen – aber so zog sich die Zeit wenigstens nicht mehr wie Kaugummi. Ich hatte das Beste aus den Umständen gemacht.

Wann fühlst Du Dich schöpferisch?

3. Einstellungswerte: Die Gedanken sind frei

In der Art, wie wir uns zu den Dingen stellen, liegt die größte Freiheit des Menschen. Diese bleibt uns imme (solange wir bei ungetrübtem Bewusstsein sind). Manchmal können wir an bestimmten Aspekten unseres Lebens im Außen nichts verändern. Bei einer schweren Krankheit etwa. Oder dem Verlust eines geliebten Menschen: Wir können uns nicht mehr an ihn ankuscheln, nicht mehr seine Nähe genießen, nicht mehr (oder nur noch einseitig) mit ihm reden. Unsere letzte verbliebene Freiheit liegt in er Haltung, die wir dieser unveränderlichen Situation gegenüber einnehmen.

Zum Beispiel, indem wir unseren Fokus verlagern. Weg von dem Verlust, den wir erlitten haben, hin zu einer tiefen Dankbarkeit für die gemeinsame Zeit, die wir mit diesem Menschen erleben durften. Denn das Schicksal kann uns nichts nehmen, was es zuvor nicht gegeben hat. Damit beziehen wir neu Stellung; verändern unsere EIN-stellung.

Authentisch leben könnte so zum einen bedeuten, dass wir entscheiden, wie wir die Dinge sehen wollen – und in diesem Beispiel zum anderen auch, dass wir ein kleines Ritual erschaffen, in dem wir uns bewusst Zeit für die schönen Erinnerungen und die Dankbarkeit nehmen.

Welche Einstellungen passen zu Dir und wie kannst Du sie ausleben?

„Es ist nie zu spät, so zu sein, wie man es gerne gewesen wäre“, schrieb George Eliot. Auch, wenn wir uns manche Umstände anders wünschen würden.

Für ein authentisches Leben brauchen wir vor allem auch eines: Selbstwertgefühl. Das Buch Selbstwertgefühl – Wie es entsteht und wie Du es stärken kannst hilft Dir dabei.


Autor:

Andreas Gauger hilft als Coach Menschen dabei, einschränkende Denk-, Fühl- und Verhaltensmuster zu überwinden und Frieden mit der eigenen Kindheit und den inneren Eltern zu schließen.


Photo (oben): Man in the park / Shutterstock