Neu im Podcast von myMONK: Ich schäme mich so. Und folgst Du myMONK schon bei Instagram?

Darf ich vorstellen: die zwei Coaches Thomas Geus und Frank Siemensmeyer. Thomas kenne ich schon seit ungefähr vier Jahren, er steht  unter anderem Studenten der Ludwig-Maximilians-Universität München ehrenamtlich als Mentor zur Seite, so auch mir damals. Auch heute treffen wir uns noch regelmäßig, trinken Kaffee bis zum Umfallen und reden über Gott und die Welt. Gemeinsam mit Frank veranstaltet er 2014 Seminare zum Thema Selbstwirksamkeit. Warum wir unsere Ziele so häufig nicht erreichen und wie sich das mit einem Verfahren ändern lässt, das von aktuellen neurobiologischen Erkenntnissen aus der Wissenschaft abgeleitet ist, darüber sprechen die beiden mit mir im Interview.

 

Hi Frank und Thomas, danke, dass Ihr Euch die Zeit für unser Interview nehmt –  freut mich sehr, Euch und Eure Arbeit den myMONK-Lesern vorstellen zu können. Mögt Ihr den kurz etwas über euch erzählen?

Hi Tim, vielen Dank für das myMonk-Interview!

Mein Name ist Thomas Geus und ich stelle wieder mal fest: Es ist mir unangenehm, etwas über mich zu erzählen. Nur soviel: Ich arbeite als selbständiger Trainer und Coach und begleite Menschen, Teams und Organisationen bei deren Entwicklungen, Veränderungen und Übergängen. Näheres erfährst Du auf www.mtt.de.

Ich bin Frank Siemensmeyer (www.mue9.de) und im selben Feld unterwegs. Wir arbeiten überwiegend mit Menschen in Organisationen. Es geht dann beispielsweise darum, wie ein Unternehmen mit den Potenzialen der Mitarbeiter seine Ziele erreichen kann. Die Menschen wollen sich entfalten und entwickeln, die Organisationen ihre Ziele erreichen. Es geht also um Passung. Im Laufe der Zeit sind mir bei dieser Arbeit die persönlichen Ziele der Menschen immer wichtiger geworden.


Eure Veranstaltung lautet „Selbstwirksamkeit für mehr Lebenskraft“. Was ist das Ziel dieses Trainings?

Der Philosoph Wilhelm Schmid beschreibt in seinem Buch „Schönes Leben – Einführung in die Lebenskunst“  recht anschaulich, weshalb wir immer wieder vor den Lebens-Fragen stehen: „Wie kann ich mein Leben führen?“, „Wer bin ich?“, „Welche Wahl habe ich?“, „Was kann ich konkret tun?“ Die Antwort ist recht ernüchternd und doch einleuchtend. Wir werden sterben. Der Tod stellt in unserem Bewusstsein eine Grenze dar und dieser Grenze verdanken wir auch unsere Freude am Leben.

In unsere Veranstaltung kommen Menschen, die Ihre persönlichen Werte reflektieren, Ihre Ziele bestimmen, ihre bewussten und unbewussten Ressourcen entdecken, ihre Handlungskompetenz erweitern und ihre eigenen Fähigkeiten zur Selbstwirksamkeit entwickeln wollen. Wir sprechen Menschen an, die offen und neugierig sind und die ihre Lebensprojekte kraftvoll in die Welt bringen wollen.

Was sind aus Eurer Erfahrung die häufigsten Gründe, warum Menschen ihre Ziele nicht erreichen?

Ein Ziel ist ja eine angestrebte Situation, ein vorausgedachter Zustand. Ziele sind in der Zukunft liegende Soll-Größen, in die ein gegenwärtiger Ist-Zustand durch angemessenes Verhalten zu überführen ist.

Zunächst einmal stellt sich die Frage, ob wir immer unsere Ziele erreichen müssen und wenn ja, was kommt danach? Vielleicht geht es dann erst richtig los. Das Realisieren von Ziele hat ja auch Konsequenzen und Nebenwirkungen. Wollen wir mit diesen Folgen leben?

  1. Vielleicht ist es ein Ziel, das zwar von mir durchdacht ist und vernünftig erscheint. Aber es kommt eher aus einer Erwartung, die andere an mich richten, z.B. der Chef, oder der Partner.  Das muss nicht schlecht sein. Wenn ich aber keine innere, gefühlsmäßig spürbare Intention habe, wird es schwierig. Vielleicht folge ich auch einem allgemeinen Ideal und mir ist nicht bewusst, dass das gar nicht zu mir passt.
  2. Wir verfolgen immer mehrere Ziele. Sie zu gewichten, Ihnen Zeit und Raum zu geben, ist nicht einfach. Zudem können sie mehr oder weniger miteinander konkurrieren.
  3. Es könnte auch sein, dass Ziele ambivalent sind. Einerseits sind sie sehr erstrebenswert für mich, andererseits lösen die damit verbundenen Handlungen Ängste aus oder das Ergebnis hat einen unerfreulichen Preis. Es müssen lieb gewonnene  Gewohnheiten aufgegeben werden oder ich gerate in einen Loyalitätskonflikt.
  4. Ich weiß genau, was ich will, weiß aber nicht wie es geht. Das hat nun damit zu tun, dass ich meine Ressourcen nicht verfügbar habe, weil ich noch nicht um sie weiß oder ihre Nutzung nicht gut trainiert ist. Dann wird es sehr anstrengend und macht wenig Spaß.
  5. Das Ziel ist als mein persönliches Ziel formuliert, gleichzeitig aber so, dass die Erreichung in zu starkem Maß von anderen abhängig ist. Wichtig ist, dass die Zielerreichung von mir abhängt.

Es gibt also gute Gründe, warum das große Ziel, das wir gern am Silvester-Abend fassen, nicht funktioniert.

In eurer Veranstaltung arbeitet ihr auch mit dem Züricher Ressourcen Modell (ZRM), ein in den 1990er Jahren an der Züricher Uni entwickelter Ansatz, mit dem Ziele besser gesetzt und erreicht werden können. Worum genau geht’s beim ZRM?

Maja Storch und Frank Kruse haben ein Trainingskonzept für ein gutes Selbstmanagement vorgelegt, inzwischen vielfach evaluiert und für viele Praxisfelder erweitert. Für uns absolut überzeugend. Es ermöglicht, Ziele zu formulieren, die  stimmen und mit Hilfe unserer persönlichen Ressourcen können wir uns so organisieren, dass die Zielerreichung wahrscheinlich wird.

Mit Hilfe verschiedener Techniken machen wir uns dabei das Unbewusste als unterstützende Kraft zunutze. Die Ziele werden – wie Maja Storch es nennt – in uns über „Denken, Fühlen und den Körper multicodiert“.

Wofür stehen der „Rubikon-Prozess“ und der „Schritt über den Rubikon“, von denen im ZRM immer die Rede ist?

Der Schritt über den Rubikon markiert die Stelle im Prozess, wo aus vielleicht vagen Vorstellungen, Bedürfnissen und Motiven eine Intention wird. Hier lässt sich nun das Ziel formulieren. Es ist die Stelle, an der wir vom „Wählen“ zum „Wollen“ kommen. Der Rubikon-Prozess wurde übrigens nicht im ZRM entwickelt, sondern dort eingesetzt. Er stammt aus der Motivationspsychologie und beschreibt den Reifungsprozess vom Bedürfnis bis zum Handeln.

Historisch ist der Rubikon mit der Entscheidung von Caesar verbunden, den gleichnamigen Fluss mit seinen Truppen zu überqueren, die Schlüsselentscheidung für den Beginn des Krieges gegen Gnaeus Pompeius Magnus. Es wurde gehandelt, es gab eine Entscheidung. Caesar sagte den berühmten Satz: „Der Würfel ist geworfen worden.“ Gleichzeitig steht der Begriff für die Unumkehrbarkeit einer Entscheidung.

Was ist ein somatischer Marker? Könnt Ihr hierzu eine kurze Übung empfehlen, die uns die Kraft dieser Marker zeigt?

Der Begriff stammt von Damasio, der sich sehr intensiv mit dem Zusammenspiel von Körper und Geist auseinandergesetzt hat. Insbesondere in seiner Theorie der somatischen Marker hat er sich mit der Bedeutung von angenehmen und unangenehmen Gefühlen beschäftigt. Diese Gefühle sind verbunden mit unseren Erfahrungen in unserem Gehirn gespeichert.

In ähnlichen Situationen, auch wenn wir planen, werden diese gespeicherten Muster aktiviert und körperlich spürbar. Selbst bei Menschen, die kein Grummeln oder keine Schmetterlinge im Bauch spüren, kann das über den Hautwiderstand nachgewiesen werden. Die Bedeutung von somatischen Markern in der Entscheidungsfindung ist, eine Vorauswahl aus den Möglichkeiten zu treffen, noch bevor wir darüber nachdenken.

Im ZRM macht man sich die somatischen Marker, z.B. über Bilder zunutze, um zu klären, ob ein Motiv und später ein Ziel stark mit unserem Selbst verbunden, also entsprechend kraftvoll ist.

Was sind Ressourcen? Und wo bekommt man mehr davon?

Sie sind vorhanden und dieser Schatz will gehoben werden. Also geht es nicht um ein mehr von Ressourcen, sondern um ihre Entdeckung. Ressourcen sind Werte, Erfahrungen, Wissen, unser Kommunikationsstil, Gewohnheiten, usw. Eine ressourcenorientierte Arbeit lenkt unsere Aufmerksamkeit auf die Kräfte, die schon da sind und macht sie verfügbar.

Eine überwiegend problemorientierte Vorgehensweise lenkt die Aufmerksamkeit eben auf das Problematische, auf die Defizite. Die Handlungsmuster sind dann auch entsprechend. Du kannst Dir vorstellen, was mehr Erfolg verspricht und wahrscheinlich auch mehr Spaß macht.

Der weltbekannte Coach Tony Robbins sagt: Wenn das „Warum?“ groß genug ist, folgt das „Wie?“ zwangsläufig. Wer also unbedingt etwas erreichen will, wird Mittel und Wege finden. Wie kann man das „Warum?“ in sich stärken?  

Ohne „Warum“, d.h. ohne eine von innen kommende Motivation, die zur Intention wird, wird es nicht funktionieren. Wir würden aber eher sagen, dass wir unsere Ziele erreichen, wenn das „Warum?“ stark genug ist. Groß kann es auch sein, wenn es beispielsweise von anderen kommt. Dann wird es leicht überfordernd groß. Stark ist es, wenn es aus dem „Selbst“ kommt, noch besser, wenn es aus einem „starken Selbst“ kommt.

Das „Warum“ bedeutet ja auch, dass es für mich Sinn macht. Das „starke Warum“ ist mit einem starken Kohärenzgefühl verbunden. Einem Empfinden von Stimmigkeit. Die aktuellen Herausforderungen in meinem Leben sind für mich verständlich, überschaubar und vorhersagbar. Ich erlebe, dass ich den Anforderungen und Stressoren passende Ressourcen gegenüberstellen kann. Und die Auseinandersetzung mit den Herausforderungen wird von mir als lohnenswert, bedeutsam und sinnvoll erlebt. Ich erkenne hierin für mein Leben tragfähige und sinnstiftende Zusammenhänge.

Welche Vorteile hat es mit Unterstützung des ZRM in einem Seminar seine Themen zu erarbeiten und sich dabei mit anderen Teilnehmern austauschen zu können?

Zunächst einmal macht es Spaß mit anderen auf seine Ressourcen zu schauen. Das Drumherum gestalten wir entsprechend. Spaß macht es auch, Projekte und Ziele in ihrer Entstehung zu erleben. Du sprichst vom Austausch mit anderen Teilnehmern. Das ist tatsächlich besonders wichtig. Es sind nicht nur die eigenen Gedanken und Assoziationen, sondern wir schöpfen aus einem Pool, gespeist von „Fremdgehirnen“, wie Maja Storch es bezeichnet.

Wann findet Euer Seminar statt und wo kann man mehr darüber erfahren?

In 2014 finden unsere Veranstaltungen zur „Selbstwirksamkeit für mehr Lebenskraft“

vom 25.-26. Januar in München,
vom 10.-11. Mai in Berlin und
vom 27.-28. September in Hamburg statt.

Nähere Infos zum Seminar und zur Anmeldung gibt es auf mtt.de, genauer: hier.

Herzlichen Dank!

 

Photo (oben): Courtney Carmody