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„Ich hatte nur Sex mit ihr, weil ich Dich liebe!“

Aus Bret Easton Ellis‘ Roman: Einfach unwiderstehlich

Du lügst und ich lüge und Dein Partner lügt und Deine Kinder und Freunde und Kollegen lügen auch.

(Lügen heißt: etwas anderes sagen, als das, was man im Moment für wahr hält – bewusst und mit der Absicht, das Gegenüber zu manipulieren und / oder sich selbst zu schützen.)

Man würde verrückt werden, würde man alle kleinen Lügen entlarven wollen, die einem im Alltag umschwirren. Sehr oft ist es auch okay oder einfach egal, dass das soziale Schmiermittel der Lüge eingesetzt wird.

Es gibt jedoch auch Situationen, in denen die Wahrheit wirklich und unbedingt zählt. Situationen, in denen man sich ein Bein und einen Arm dafür herausreißen würde, die Wahrheit zu erfahren:

  • Liebt mein Partner mich? Geht er fremd, oder riecht er wirklich nur nach einem fremden Parfum, weil er in der Drogerie war, um mir einen neuen Duft zum Geburtstag zu schenken?
  • Spielen meine „Freunde“ ein falsches Spiel mit mir?
  • Stimmt es, wenn mein Kind sagt, in der Schule liefe es gut, die blauen Flecken kämen vom Fußballspielen und Drogen hätte es auch noch nie genommen?
  • Und hält der Chef wirklich zu mir, oder bin ich längst gekündigt und nur der Letzte, der es noch nicht weiß?

Es gibt eine Reihe von Anzeichen dafür, ob jemand die Wahrheit sagt oder lügt. Es sind alles nur Anzeichen, eine Garantie hat man nicht. Doch wenn sie sich häufen, sollte man achtsam werden. Jemand könnte einem bald ein Messer in den Rücken rammen.

Den folgenden Anzeichen liegt zugrunde, dass ein Mensch in den meisten Fällen davon gestresst ist, zu lügen – er wird in sich selbst einen Konflikt verspüren und außerdem fürchten, bei seiner Lüge ertappt zu werden. Die unbewusst ausgesendeten Signale sind daher zum größten Teil durch den Stress bedingt. Sie zeigen sich in den Augen, an Körperbewegungen und in dem, was wie gesagt wird.

Lügende Augen

  • 1. Verringerter Blickkontakt: wenig oder gar kein direkter Blickkontakt. Der Lügende hat Angst, sich mit seinem Blick zu verraten.
  • 2. Zuviel Blickkontakt: wenn Menschen bewusst ist, dass sie bei einer Lüge weniger Blickkontakt halten, steuern sie manchmal dagegen. Das Ergebnis: übertrieben viel Blickkontakt, eventuell zwinkern sie dabei auch unnormal selten.
  • 3. Blick nach rechts oben oder rechts zur Seite (von ihm aus gesehen), wenn er sich an etwas erinnern soll: diese Beobachtung stammt aus der Toolsammlung des NLP (Neurolinguistisches Programmieren). Menschen, die sich an etwas erinnern, das tatsächlich stattgefunden hat, bewegen ihre Augen dabei eher nach links. Menschen, die etwas konstruieren, etwas erfinden, das so nicht stattgefunden hat, tendieren dazu, nach rechts zu schauen. Wissenschaftliche, endgültige Nachweise für die Richtigkeit dieser Theorie gibt’s nicht, aber – schau – einfach selbst.
  • 4. Geweitete Pupillen: Anzeichen für Stress. Könnte aber auch heißen, dass Dich Dein Gegenüber attraktiv findet, dann weiten sich die Pupillen nämlich ebenfalls.

Lügender Körper

  • 5. Keine oder steife, roboterhafte Bewegungen: die meisten Menschen sind „angespannt“, wenn sie lügen, das heißt: sie spannen unbewusst ihre Muskeln an. Das äußert sich dann in roboterhaften statt in fließenden Körperbewegungen. Die Anspannung kann auch dazu führen, dass sich der Lügende gar nicht mehr bewegt und damit versteinert wirkt.
  • 6. Verschränkte Arme und / oder Beine: eine Schutzreaktion. Aber vor was will er oder sie sich schützen – vielleicht ja vor einer Lüge? Sind wir entspannt, zu neigen wir tendenziell dazu, unsere Gliedmaßen nicht in eine solche Abwehrhaltung zu führen.
  • 7. Eine Schulter angehoben: zieht das Gegenüber eine Schulter leicht nach oben, kann dies ebenfalls ein Hinweis darauf sein, dass er oder sie Dich täuschen will.
  • 8. Kopf und / oder Körper wegdrehen: die Situation ist dem Gefragten unangenehm. Aber warum nur?
  • 9. Eingefallene Körperhaltung: Anzeichen für geringes Selbstvertrauen, für Unsicherheit. Mit einer solchen Körperhaltung nimmt derjenige weniger Raum ein, weil er weniger sichtbar sein will. Könnte ebenfalls mit der unangenehmen Situation zu tun haben.
  • 10. Auffällige Handbewegungen: an den Ohren zu kratzen, die Hand beim Sprechen an den Mund zu legen, andere Gesichtspartien oder den Hals zu verstecken, die Augen immer wieder zu reiben, an den Fingernägeln zu kauen … all das sind weitere unbewusst ausgesendete Signale, dass sich der Gesprächspartner unwohl fühlt und möglicherweise nicht die Wahrheit sagt.
  • 11. Zappeln: die Person wippt unbewusst mit den Füßen oder trommelt mit den Fingern, um den Stresspegel durch Bewegung zu reduzieren.
  • 12. Schwitzen: greife der Person in die Achseln. Ähh, nein. Vielleicht ist es besser, doch nur hinzuschauen, ob er oder sie schwitzt. Ein weiterer Hinweis auf Stress.
  • 13. Widerspruch zwischen Worten und Körpersprache: Dir sagt jemand, er liebt Dich, und sein Körper wird dabei zu einem Stein oder runzelt die Stirn? Hmm.
  • 14. Pause zwischen Worten und Körpersprache: „Ist das aber schön, Dich zu sehen“ … Pause … verzögertes Lächeln. Oft bleibt die verzögerte Bewegung dann länger als normal bestehen, bevor sie abrupt beendet wird.
  • 15. Falsches Lächeln: Lächeln kann man nicht faken. Wer ehrlich lacht, kräuselt dabei unbewusst die Muskeln neben den Augen. Bewegt sich nur der Mund beim Lachen, dann ist es aufgesetzt (oder der Gesprächspartner ist ein zugebotoxter Hollywood-Star). Wenn er schon falsch lächelt, hat er vielleicht auch noch was anderes zu verbergen.
  • 16. Mauern oder Wegschieben: der Befragte schiebt einen Gegenstand zwischen sich und Dich, um seine Angst zu verringern, aufzufliegen. Oder er schiebt einen Gegenstand weg von sich, etwa eine Kerze oder Zigarettenschachtel oder Kaffeetasse oder ein Feuerzeug oder sein Handy auf dem Tisch.

Lügende Stimme und Gesprochenes

  • 17. Wechselnde Tonlage: wechselt ein Mensch während eines Gesprächs in eine deutlich höhere oder tiefere Tonlage, so weist dies darauf hin, dass er sich sehr unwohl fühlt.
  • 18. Wechselnde Sprechgeschwindigkeit: spricht er oder sie langsamer? Das schnellere Sprechen resultiert womöglich aus der stressigen Situation für den Lügenden, das langsamere Sprechen kann daher kommen, dass der Lügende bewusst dagegen anwirken will – oder mehr Zeit braucht, um sich eine plausibel klingende Antwort zu überlegen.
  • 19. „Peinliche Stille“ und die Reaktion darauf: so wie beim ersten Date, an dem man sich so unwohl fühlt, wenn plötzlich eine peinliche Gesprächspause auftritt, die es schleunigst zu stopfen gilt. So können auch unnötiges Geplapper und überbordend detaillierte Schilderungen darauf hinweisen, dass das Gegenüber die Pause unbedingt überspielen will.
  • 20. Mehr negative Äußerungen: in einer Stresssituation wie dem Lügen neigen Menschen dazu, negativer zu denken und zu sprechen, sich mehr zu beschweren, wie Wissenschaftler nachgewiesen haben. Außerdem zeigen sie sich weniger freundlich und kooperativ.
  • 21. Betonte Ehrlichkeit: wenn jemand auf seine Ehrlichkeit pocht, ohne dass Du ihm etwas anderes unterstellt hast, kann auch dies ein Zeichen für eine Lüge sein. Die meisten Menschen, die die Wahrheit sagen, gehen auch davon aus, dass sie als ehrlich wahrgenommen werden. Geht jemand in die Defensive, fühlt er sich vermutlich danach, angreifbar zu sein.
  • 22. Worte genau aufgreifen: der Lügende tendiert dazu, die Worte des Fragestellers exakt aufzugreifen. Im Falle einer Lüge wird er auf die Frage „Hattest Du etwa ein Techtelmechtel mit dieser Schlampe?“ eher antworten: „Nein, ich hatte kein Techtelmechtel“. Jemand, der die Wahrheit spricht, reagiert wahrscheinlicher mit einer eigenen Wortwahl a la „Nein, ich hab mit meinen Kollegen an der Bar gesessen?“.
  • 23. Fehlerhafter Satzbau: plötzliche Unsicherheiten in der Grammatik / Gestammel.
  • 24. Die Worte nach einer längeren Pause: hier ist Vorsicht geboten. Hat der Gesprächspartner vielleicht soeben eine Ausrede zusammenschustern müssen (oder erneut durchgehen) – und dafür die Pause gebraucht?
  • 25. Der Frage ausweichen: siehe Politiker. Die Person antwortet nicht direkt auf Deine Frage? Ein bisschen seltsam, oder? Das Ausweichmanöver kann sich als Themenwechsel, ungenaue Antwort oder Witzeleien zeigen.
  • 26. Wechsel von „Ich“ auf „Wir“: spricht Dein Gegenüber die ganze Zeit von „ich“ … und wechselt dann plötzlich auf „wir“ oder „man“? Möglicherweise will er damit die Verantwortung von sich schieben.
  • 27. Widersprüche: „Sagtest Du nicht eben, Du wärst wegen des Klimakongresses im Hotel gewesen?“ … verräterische Widersprüche kann man provozieren, indem man nach immer mehr Details fragt und die Fragen leicht verändert wiederholt stellt.

Bereit für die Wahrheit?

  • 28. Auf „Nummer sicherer“ gehen: Bist Du Dir nicht sicher, ob der Andere lügt? Dann kannst Du schnell das Thema wechseln. Entspannt er sich kurz darauf sichtlich, war ihm das vorherige Thema wohl sehr unangenehm. Ein unschuldiger Mensch ist über den raschen Themenwechsel eher überrascht und will von sich aus nochmal darauf zurückkommen.
  • 29. Selbsttäuschung: Am leichtesten zu täuschen ist der, der getäuscht werden will. Wenn Du spürst, dass Du ein Gespräch lieber doch nicht weiterführen möchtest, heißt das womöglich, dass Du das Gefühl hast, kurz vorm Zusammenbruch eines angenehmen Kartenhauses zu stehen.
  • 30. Es sind doch nur 29 Anzeichen in diesem Artikel. Sorry.

Je mehr Du übst, diese Anzeichen für Lügen zu erkennen, umso feiner und zuverlässiger wird Dein Gespür. Wichtig ist dabei auch immer, den Kontext im Auge zu behalten: eventuell bewegt sich das Gegenüber ja auch nur steif und hat die Arme verschränkt, weil es kalt ist und er oder sie friert.

Aber: wichtig, und wie bereits geschrieben: die kleinen alltäglichen Lügen sind uns allen vertraut, wir wenden sie schließlich selbst an. „Ach, ist euer Kind süß“ oder „ja, Dein Geschenk ist das tollste“ oder „mir geht’s blendend“ sagt man auch schon mal, wenn man es nicht so meint – auch, um den Gesprächspartner nicht unnötig zu verletzen oder um sich selbst vor Nachfragen zu schützen, zu deren Beantwortung einem gerade Zeit oder Lust oder Kraft fehlen. Gibt also keinen Grund, paranoid zu werden und in private und globale Verschwörungstheorien zu verfallen.

 

Photo: Katie Tegtmeyer