Neu im Podcast von myMONK: Ich schäme mich so. Und folgst Du myMONK schon bei Instagram?

Es folgt ein Gastbeitrag von Jessica Böhme.

 

Lass uns ein kleines Gedankenexperiment machen.

Julia: Es ist acht Uhr morgens, Julia bereitet gerade das Frühstück für ihre zwei Kinder vor. Ihr Mann hat Nachtschicht und kommt erst um neun Uhr nach Hause. Während Julia die Brote schmiert, denkt Julia darüber nach, wie sehr sie sich freut ihren Mann noch zehn Minuten zu sehen, bevor sie zur Arbeit fährt.

Julia fährt zur Arbeit. Als sie ankommt sitzt ihr Kollege, wie jeden Morgen, schlürfend mit seinem Kaffee am Rechner. Julia begrüßt ihn herzlich, fragt wie es ihm geht und genießt die ruhigen Minuten am Morgen, um sich mit ihren Kollegen auszutauschen.

Am Abend trifft Julia eine Freundin zum Joggen. Es ist kalt. Sie liebt die kalte Luft in ihrem Gesicht. Sie genießt es sich vor dem Schlafen noch mal auszupowern.

Tina: Es ist acht Uhr morgens, Tina bereitet gerade das Frühstück für ihre zwei Kinder vor. Ihr Mann hat Nachtschicht und kommt erst um neun Uhr nach Hause. Tina ist genervt, dass sie so früh aufstehen muss und die Brote für die Kinder schmiert, während diese noch schlafen. Sie ärgert sich, dass sie ihren Mann nur zehn Minuten zu sehen bekommt, bevor sie zur Arbeit fährt.

Tina fährt zur Arbeit. Als sie ankommt sitzt ihr Kollege, wie jeden Morgen, schlürfend mit seinem Kaffee am Rechner. Tina murmelt ihm ein „Hallo“ entgegen und fragt sich, ob sie ihm fragen soll, ob er seinen Kaffee auch leise trinken kann. Immer die gleichen Gesichter. Tina kann ihre Kollegen nicht mehr sehen.

Am Abend trifft Tina eine Freundin zum Joggen. Es ist kalt. Tina findet es viel zu kalt. Warum tut sie sich das an. Sie hat keine Lust zu laufen, danach ist sie jedes Mal total kaputt.

Es ist nicht schwer zu erkennen, dass Julia diesen Tag anders bewertet als Tina.

Der gleiche Tagesablauf. Die gleichen Umstände.

Der Unterschied zwischen Julia und Tina ist ihre innere Einstellung, ihr Mindset. Wissenschaftler bestätigen: Unser Mindset bestimmt, wie wir denken und handeln. Es ist die Grundlage für ein gutes Leben. Gleicht unser Mindset eher dem von Julia, führen wir, in unserer subjektiven Wahrnehmung, ein gutes Leben. Ähnelt unser Mindset dem von Tina, dann würden wir unser Leben als weniger gut wahrnehmen.

Das gute ist, unser Mindset ist nicht unveränderbar und in Stein gemeißelt. Es lässt sich formen und selbst gestalten.

Im Folgenden möchte ich dir daher drei Einstellungen vorstellen, die dein Leben besser machen und wie du sie trainieren kannst.

1. „Growth Mindset“ vs. „Fixed Mindset“

Carol Dweck, Psychologie Professorin in Stanford, unterscheidet zwischen zwei Mindsets. Menschen mit einem Fixed Mindset sehen ihre Fähigkeiten und Persönlichkeitsmerkmale als unveränderbar an. Wenn sie beispielsweise eine schlechte Präsentation halten, gehen sie davon aus, dass sie für immer schlecht darin sein werden, Präsentationen zu halten. Menschen mit einem Growth Mindset hingehen gehen davon aus, dass sie Fähigkeiten und Persönlichkeitsmerkmale weiterentwickeln können. Wenn Menschen mit einem Growth Mindset eine schlechte Präsentation halten, gehen diese davon aus, dass sie es in der nächsten Präsentation anders machen können. Forschungen bestätigen, dass Menschen mit einem Growth Mindset zufriedener in ihrem Leben sind.

Wie du ein Growth Mindset trainieren kannst:

  1. Beobachte, wann dein Fixed Mindset das Sagen hat, zum Beispiel, wenn dir Gedanken durch den Kopf gehen, wie „du hast kein Talent“ oder „du kannst das sowieso nicht“.
  2. Sei dir klar darüber, dass du eine Wahl hast. Du kannst selbst entscheiden, wie du Herausforderungen, Fehler und Kritik bewertest.
  3. Wenn dein Fixed Mindset zu dir spricht, antworte aus deinem Growth Mindset Wenn du zum Beispiel zu dir sagst „Sicher, dass du das kannst? Vielleicht hast du kein Talent!“ Antworte mit „Vielleicht kann ich es jetzt noch nicht, aber ich kann es lernen.“
  4. Handele auf Grund deines Growth Mindsets: Übe dich darin sowohl dein Fixed Mindset als auch dein Growth Mindset zu erkennen und leite deinen Handlungen davon ab, was dein Growth Mindset dir sagt.

2. Intrinsisch orientiertes Mindset

Studien der amerikanischen Psychologen Tim Kasser und Richard M. Ryan zufolge sind Menschen mit sehr materialistischen Werten weniger zufrieden, als Menschen denen materialistische Werte weniger wichtig sind. Sie stellen also extrinsische, statt intrinsische Werte in den Vordergrund. Extrinsisch motivierte Werte werden von außen angeregt zum Beispiel Entlohnung, Beförderung oder Anerkennung. Sie verfolgen in der Regel ein bestimmtes Ziel. Intrinsisch motivierte Werte hingegen entstehen durch innere Überzeugung und ein Interesse an Dingen ihrer selbst willen und nicht, um damit ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Unsere Gesellschaft wird allerdings dazu trainiert extrinsische Werte in den Vordergrund zu stellen. Geld, Besitz, Anerkennung sollen uns glücklich machen.

Wenn du für dich feststellst, dass du von materiellen Werten wie Ruhm, Reichtum und Erfolg geleitet wirst, stell dir die folgenden Fragen:

  • Was hat es dir bisher gebracht deine extrinsischen Wünsche zu erfüllen?
  • Warum sind dir deine extrinsischen Werte so wichtig?
  • Was steckt für dich hinter deinen extrinsischen Werten? Vielleicht ist es die Zuneigung Anderer statt Erfolg, vielleicht ist es die Sicherheit statt Reichtum.

Wie du ein intrinsisch orientiertes Mindset trainieren kannst

Die Neurowissenschaftlerin Tania Singer hat in einer Studie herausgefunden, dass Meditation Altruismus, pro-soziales Verhalten und Mitgefühl fördert. Regelmäßige Meditation lässt uns erkennen, was uns im Leben wichtig ist und lenkt den Fokus auf unsere intrinsischen Werte. Eine einfache Anleitung zur Meditation findest du hier.

Neben Meditation ist das Hinterfragen deiner Wünsche und Träume eine wirksame Methode zum Perspektivwechsel. Schreib dir einmal auf, welche Ziele du verfolgst, was dir wichtig ist, warum du jeden Morgen aufstehst. Prüfe anschließend, ob die Punkte aus intrinsisch motivierten Werten gewachsen sind, oder aus Extrinsischen. Das lässt sich leicht überprüfen indem du dich folgendes fragst:

Frage dich so oft „warum?“ bis du das Gefühl hast die Antwort wiederholt sich. Hier ein Beispiel für intrinsische Motivation: Du möchtest gerne singen. Warum? Weil du gerne singst. Warum? Weil es dir Spaß macht. Die Kette ist kurz. Der Grund warum du singst ist, dass du gerne singst. Du tust es um des singens Willen.

Hier ein Beispiel für extrinische Motivation: Du möchtest gerne Chef werden. Warum? Weil du gerne über andere mitbestimmen würdest. Warum? Weil sie dir dann zuhören müssten. Warum ist dir das wichtig? Weil sie dich dann anerkennen würden? Warum ist dir das wichtig? Weil dir Anerkennung das Gefühl von Verbundenheit gibt. Die Kette ist lang. Der Grund warum du Chef werden möchtest ist die Anerkennung, die du dir davon erhoffst.

Schon alleine die kritische Auseinandersetzung damit, ob deine Wünsche und Ziele intrinsisch oder extrinsisch motiviert sind führt zu einer Veränderung deines Mindsets hin zu einem intrinsisch motivierten Mindset.

3. Offenes, resonanzorientiertes Mindset

Der Philosoph Hartmut Rosa hat herausgefunden, dass wir dann ein gutes Leben führen, wenn wir in Resonanz gehen. In Resonanz zu gehen heißt, auf das zu reagieren, was uns in der Welt begegnet. Menschen, Aufgaben, Dinge. Dafür benötigen wir ein Mindset, das Raum und Offenheit für Resonanz zulässt. Zum Beispiel benötigen wir Zeit, um auf andere zu reagieren und müssen anderen Raum und Zeit geben, um auf uns zu reagieren. Lassen wir uns darauf ein in Resonanz zu gehen, so Hartmut Rosa, leben wir das gute Leben.

Wie du ein offenes Mindset trainieren kannst

Um offen zu sein für Resonanz in deinem Leben, halte häufiger inne und nimm dir Zeit. Statt von Termin zu Termin, von Verabredung zu Verabredung zu hetzen, fokussier dich auf den Moment und nimm an, was kommt. Menschen, Aufgaben, Dinge. Eine sehr effektive Methode, um zu erlernen inne zu halten ist es in deiner Wohnung Notizzettel zu verteilen mit dem Wort „STOPP!“ Wann immer du einen Zettel siehst, fokussier dich genau auf das, was du in dem Moment tust und tu es bewusst langsam. Wenn du dir Beispielsweise die Zähne putzt, putz sie für einen Moment in Zeitlupe und konzentrier dich auf das Gefühl.

Es gibt unendlich viele Faktoren die unser Leben beeinflussen. Die meisten können wir nicht beeinflussen. Was wir beeinflussen können ist unser Mindset, unsere Einstellung gegenüber dem Leben, um auch in unbequemen Situationen sagen zu können „Ich lebe ein gutes Leben“.

 


jessicaboehmeAls Coach und Trainerin unterstützt Jessica Böhme Menschen auf dem Weg zu ihrem guten Leben.

Sie forscht zum Thema Mindset, dem guten Leben und Nachhaltigkeit. Weitere Infos findest du auf ihrer Website.


Photo (oben): Vic //  Quellen: Dweck, C.: Mindset – How you can fulfil your potential / Kasser, T.: The High Price of Materialism / Singer, T.: Caring Economics: Conversations on Altruism and Compassion, Between Scientists, Economists, and the Dalai Lama / Rosa, H.: Resonanz