Neu im Podcast von myMONK: Ich schäme mich so. Und folgst Du myMONK schon bei Instagram?

Es folgt ein Gastbeitrag von Dominik Kesenheimer.

Wer bin ich? Wer bist Du?

Sicher kennst du diese Frage, hast sie dir schon öfters gestellt oder bereits einiges über dich herausgefunden. Vielleicht hilft dir dieser Text, um ein weiteres Puzzleteil deiner Persönlichkeit zu entdecken oder deine Beobachtungen zu bestätigen.

Das Leben ist so Vielfältig in seiner Form und wir Menschen versuchen darin Strukturen zu finden. So teilen Biologen die Tierwelt beispielsweise in die Wirbeltierklassen und wirbellose Tiere ein. Durch diese Einteilung verstehen wir besser die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Tiere. So erkennt der Laie nicht genau ob das Schnabeltier zu den Vögeln oder Säugetieren zählt. Doch sobald der Laie die Merkmale eines Säugetiers und eines Vogels weiß, kann er im Schnabeltier ein eierlegendes Säugetier sehen.

Ähnlich ist es bei uns Menschen und den verschiedenen Persönlichkeiten. Sobald wir bestimmte Merkmale wissen und sie bei anderen erkennen, können wir den grundlegenden Persönlichkeitstyp bestimmen. Wir Menschen haben uns in frühen Jahren auf einen Lebensbereich spezialisiert: Auf die Welt der Gefühle, der Gedanken oder der Taten. Und so beschreiben wir die drei Grundtypen als den Beziehungs-, den Sach- oder dem Handlungstypen. Jeder dieser Typen erlebt die Welt anders.

Der Beziehungstyp – emotional und lebendig

Ein Beziehungstyp kommt auf eine Party mit einem Lächeln im Gesicht. Er hat sich schick gemacht und knüpft schnell auf der Party neue Kontakte. Seine Lebendigkeit äußert sich in der gesamten Körperbewegung sowie in verschiedenen Gesichtsausdrücken und einladende Gesten. Durch seine kommunikative Art kommt der Beziehungstyp gut an. Wenn er mit jemanden einen Konflikt hat, ist er erstmal emotional gefangen und neigt dazu die Situation dramatisch zu erleben. Braucht jemand Unterstützung, so ist der Beziehungstyp sehr hilfsbereit. Er kann sich sehr gut in andere Menschen hineinfühlen und spürt empathisch wie er bei den anderen ankommt. Es ist ihm wichtig, dass die anderen in mögen. Der Beziehungstyp ist ein Gefühlsmensch und erlebt die Welt erstmal mit seinen Gefühlen. So leben Beziehungstypen oft in ihrer eigenen Welt wie beispielsweise spirituelle, politische, künstlerische oder philosophische Welten. Wir finden ihn in helfenden Berufen wie dem Coach, Lehrer, Sozialpädagogen oder in Berufen mit großer Außenwirkung und Aufmerksamkeit wie dem Schauspieler oder Model. Ein bekannter Beziehungstyp ist Elizabeth Taylor.

Der Sachtyp – gelassen und nachdenklich

Ein Sachtyp kommt auf eine Party und den anderen fällt dies erstmal nicht auf. Dies mag an seiner unauffälligen Kleidung, seinem neutralen Gesichtsausdruck oder seiner leisen Stimme liegen. Er beobachtet die Situation und als er ins Gespräch mit einer Person kommt, bemerkt der andere sein breites oder tiefes Wissen. Ein Sachtyp ist oft still und nachdenklich. Zusammenhänge erkennt er sehr schnell. Seine Kräfte setzt er ökonomisch ein, da er lieber denkt und Pläne schmiedet als zu handeln. Konflikten geht ein Sachtyp eher aus dem Weg und wenn er in einen Streit gerät möchte er sich zurückziehen und erst einmal in Ruhe darüber nachdenken. Wahrscheinlich lässt er sich dann auf einen Kompromiss ein. Der Sachtyp ist ein Kopfmensch, der Dingen auf den Grund geht, sich nicht durch Gefühle oder gesellschaftliche Konventionen beirren lässt und seine Umwelt sachlich wahrnimmt.

Sachtypen sind oft Tüftler, Ingenieure, Erfinder, Schriftsteller, Filmemacher, Architekten, Ärzte oder Wissenschaftler wie beispielsweise Albert Einstein.

Der Handlungstyp – kraftvoll und energiegeladen

Ein Handlungstyp kommt mit kräftigen und schnellen Schritten auf die Party. Im Raum geht er zielstrebig auf einen freien Stuhl zu und setzt sich. Er hat sich dem Anlass entsprechend konventionell gekleidet. Als ihn ein Bekannter anspricht schaut er ihm mit festen Blick in die Augen und begrüßt ihn mit einem kräftigen Händedruck. Während der Unterhaltung spricht der Handlungstyp deutlich und laut. In Konflikten stellt sich der Handlungstyp voll und ganz dem Streit, er neigt dazu den anderen abzuwerten bzw. argumentiert moralisierend. In Beziehungen ist er kameradschaftlich, fürsorglich und pflichtbewusst. Seine Zuneigung drückt er eher durch Taten aus. Handlungstypen lösen ihre Probleme, indem sie schnell Entscheidungen treffen und etwas tun. Sie üben gerne Berufe aus, die mit Handwerk, Natur, Tieren oder Kindern zu tun haben. Oscar Lafontaine und Helmut Schmidt gelten als typische Handlungstypen.

Überblick

Beziehungstyp
(Fühlen)
Sachtyp
(Denken)
Handlungstyp
(Handeln)
Verhalten in Konflikten konfliktbereit, eher dramatisierend konfliktscheu, eher verharmlosend, vernünftig konfliktfähig, eher moralisierend
Verhalten in Beziehungen emotional, verführerisch, kommunikativ, Wechsel zwischen Nähe und Distanz ausgleichend, anhänglich, eher sachlich und handelnd als gefühlsvoll kameradschaftlich, fürsorglich, einschränkend
Gesamteindruck liebenswürdig, lebendig, mitfühlend, hilfsbereit, dominierend ruhig, nachdenklich, verständnisvoll, rasche Auffassungsgabe, distanziert, nüchtern Geradlinig, förmlich, verlässlich, pflichtbewusst, ehrlich
Bevorzugte Zeit Gegenwart Vergangenheit Zukunft

 

Natürlich fühlt, denkt und handelt jeder dieser Grundtypen doch ist beispielsweise die Gefühlswelt des  Sachtyps anders als die des Handlungstyps oder des Beziehungstyps. Im weiten Sinne sind wir alle Mischtypen, doch hat jeder von uns eine grundsätzliche und eindeutige Prägung.

Wie erkenne ich mich?

Vielleicht findest du dich in den Beschreibungen gleich wieder. Wenn es nicht so ist, dann beobachte dich doch die nächste Zeit wie du auf verschiedene Situationen reagierst. Auch kann es hilfreich sein, wenn du einen guten Freund oder ein Familienmitglied fragst, was er denkt, welcher Grundtyp zu dir passt. Es gibt noch Untertypen, welche die Persönlichkeit genauer beschreiben, doch gibt der Grundtyp die grobe Richtung an.

Ich selbst kann sagen, dass ich durch dieses Persönlichkeitsmodell der Psychographie mich und andere Menschen besser verstehe und sich mein Umgang mit anderen Persönlichkeitstypen geändert hat. Was für mich als Beziehungstyp gilt, was mir gut tut und hilf, wird einem Handlungs- oder Sachtyp nicht unbedingt helfen. Von sich auf andere zu schließen und anderen gute Ratschläge zu geben ist nur sinnvoll, wenn man der gleiche Grundtyp ist ☺.

Woher kommt die Psychographie?

Dr. Dietmar Friedmann gilt als Begründer der „Integrierten Lösungsorientierten Psychologie“ (kurz ILP®) und der Psychographie. Das Wort setzte er aus „Psychologie“ und „Geographie“ zusammen, um deutlich zu machen, dass es um die Erforschung und Kartographie der Persönlichkeit geht. Diese „Landkarte der Persönlichkeit“ wurde seit 1990 stets verfeinert und teils von anderen Autoren abgewandelt. Die Typunterschiede in der Psychographie haben nichts mit dem Geschlecht, den biologisch unveränderlichen Merkmalen noch mit dem Alter zu tun. Das Modell geht von der Beobachtung aus, dass sich jeder Mensch in seiner frühen Kindheit auf einen der Bereiche des Fühlens, Denkens oder Handelns spezialisiert hat.

Dr. Friedmann beschreibt sein Modell als prozessorientierte Persönlichkeitstypologie, da sie den natürlichen Weg jedes Typs bei seinem Persönlichkeitswachstum aufzeigt.

Buchtipp

Friedmann, Dietmar; Fritz, Klaus. Denken Fühlen Handeln. Mit psychographischer Menschenkenntnis besser arbeiten und leben. Rosenberger Fachverlag. Leonberg 2012.

 

dominik kesenheimerText von und herzlichen Dank an:

Dominik Kesenheimer
Email: coaching@kesenheimer-net.de
Profil: www.ilpv.org/…/kesenheimer-dominik.html

Photo (oben): Peter McConnochie