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Es folgt ein Gastbeitrag von Thomas Pfitzer.

Ursachenfindung ist der erste und meines Erachtens beste Schritt zur Problemlösung. Leider meist auch der schwierigste, da unser Unterbewusstsein uns oft einen Streich spielt und wir andere Themen vorschieben, um vom wahren Problem abzulenken. Es scheint als wollten wir manchmal die Wahrheit verschleiern. Eine weitere Schwierigkeit ist, dass wir so auf das Problem fixiert sind, dass uns eine Lösung schier unmöglich erscheint.

Die nachfolgende Technik kann man allein machen, aber es ist vielleicht hilfreich, sich durch einen Freund oder Coach führen zu lassen.

Touch glasses heißt soviel wie „anstoßen“. Die Fragen sollen das Nachdenken und Reflektieren anregen. Wenn sich unser Unterbewusstsein sträubt die wahre Ursache des Konflikts zu erkennen, hilft die folgende Fragetechnik, dem Kern ein wenig näher zu kommen und ein Ziel zu kreieren, das uns vom Negativdenken wegführt. Ich empfehle, die Antworten unbedingt schriftlich zu beantworten.

Jedes Coaching sollte mit diesen Fragen beginnen, da sie in die Tiefe gehen und den Ursprung des Problems zu Tage führen. Daher nenne ich die Technik „touch glasses“. Sie ist eine Erweiterung des NLP Modells „S.C.O.R.E.“

Wir ermitteln den IST-Zustand und führen auf die emotionale Ebene, da Probleme emotional entstehen und auch so behoben werden müssen – und nicht rational. Wir erhalten als Antwort das Symptom:

  • 1. Was ist das Thema, der problematische IST-Zustand?
  • 2. Wie fühlst Du Dich dabei? (seelisch und körperlich)

Die Antwort auf die folgende Frage führt uns meist zu einem Glaubenssatz, den wir später mit der Glaubenssatzbearbeitung auflösen können. Oft kommt es auch zu Schuldzuweisungen. Dann können wir zu einem späteren Zeitpunkt die Techniken aus dem „Gesetz der Anziehung“ für die Lösung nutzen.

  • 3. Was ist der Grund für Deine jetzige Situation/Emotion?

Schnell verlassen wir jetzt den Problemraum und suchen den Lösungsraum – das Ziel. Was ist die angepeilte Zukunft, die vermisste Emotion, die Sehnsucht, der Wunsch – der SOLL-Zustand. Die direkte Frage nach dem Ziel können viele Menschen meist nicht beantworten, weshalb man sie „verpacken“ muss:

  • 4. Was soll anders werden? Was möchtest Du statt dessen? Wie möchtest Du statt dessen handeln? – (oder direkt: Was ist das Ziel?)

Gehen wir noch einmal kurz in die Ebene der Vision, um POSITIVE Akzente für die Zukunft zu setzen. Die Frage suggeriert, dass eine Lösung möglich ist, was der Mensch, der ein Problem hat, oft gar nicht sehen kann. Des weiteren definiert die Antwort auf diese Frage bereits den gewünschten EMOTIONALEN Ziel-Zustand, was für die Arbeit mit dem Ziel sehr wichtig ist:

  • 5. Woran wirst Du merken, dass Dein Problem gelöst ist?

Danach eine Frage, die in die Vergangenheit führt, aber ohne die sonst übliche negative Sicht. Diese Frage bietet bereits den ersten Lösungsansatz, da erkannt wird, dass es auch anders geht und es bereits früher schon einmal anders war.

  • 6. Wann war es schon einmal anders?
  • 7. Was sind die Ausnahmen zur Problem-Regel?

Um zu verhindern, dass frühere Entscheidungen bereut werden, muss die Vergangenheit mit einer gewissen Wertschätzung betrachtet werden. Alte Entscheidungen wurden aus dem damaligen Wissensstand heraus gefällt und waren für die damalige Situation richtig. Diese Entscheidungen mögen nach heutigem Stand des Wissens falsch sein, dürfen aber nicht dazu genutzt werden uns selbst oder anderen die Schuld zu geben. Schuldzuweisungen führen nie zu einer Lösung, sondern verstärken den Konflikt. Jede Entscheidung hatte einen Sinn, einen Grund bzw. einen positiven Nutzen, der erkannt und gewürdigt werden muss.

Ist der Nutzen heute nicht mehr von Belang, heißt das lediglich, dass wir uns weiterentwickelt und dazugelernt haben, was grundsätzlich zu begrüßen ist.

  • 8. Was war der Nutzen, den Du damals aus dieser Entscheidung gezogen hast?
  • 9. Was hast Du aus der Krise gelernt?

Manchmal erkennt man besonders an den letzten beiden Fragen, dass es doch nicht IMMER so schlecht ist und man es eigentlich nur in manchen Situationen ändern will. Bei Verhaltensänderungen stellen wir uns zu Beginn der verändernden Übungen ganz ähnliche Fragen, um zu verhindern, dass wir positive Aspekte eines Verhaltens löschen und überschreiben, die wir eigentlich hin und wieder noch gebrauchen könnten. Deshalb prüfen wir es hier zu Beginn des (Selbst-)Coachings:

  • 10. Was soll so bleiben wie es ist?
  • 11. In welchen Situationen könnte es sinnvoll sein?

Jetzt werfen wir noch einmal einen Blick auf die Gegenwart und prüfen ob sich nicht bereits durch diese Fragen das Problem etwas relativiert, verändert oder an Stärke verloren hat:

  • 12. Wie siehst Du Dein Problem jetzt?
  • 13. Wie fühlst Du Dich jetzt damit?
  • 14. Was hat sich geändert?

Zurück zur Zieldefinition:

  • 15. Wie lautet Dein Ziel jetzt?

Wir ermitteln fehlende Ressourcen:

  • 16. Was brauchst Du um Dein Problem zu lösen? Welche Fähigkeiten?

Der positive Blick in die Zukunft beendet diese Technik. Hier wird die nötige Motivation geschaffen um weiter an sich zu arbeiten.

  • 17. Wie wirst Du Dich fühlen – wie wird es sich anfühlen – wenn Dein Ziel erreicht ist?

Eine Visualisierungsübung hilft an dieser Stelle, das Ziel und die damit verbundenen positiven Emotionen zu verinnerlichen.

Es ist immer ein Ziel, das vom Problem wegführt und uns Energie für die Veränderung gibt. Ein realistisches und erreichbares Ziel, das man sich gut vorstellen kann und positive Emotionen weckt, löst jedes Problem.

Text von und herzlichen Dank an:

Thomas Pfitzer
Praxis für Leistungscoaching und Mentaltraining
Uhlandstr. 8
67069 Ludwigshafen
www.gapra.de

 Photo (oben): Daniel Zedda