Es ist ein paar Jahre her, vielleicht sechs oder sieben, da pendelte ich permanent zwischen Größenwahnsinn und Hoffnungslosigkeit, zwischen Traum und Realität. Unsicher fühlte ich mich an beiden Enden. Entweder, weil ich gerade unkontrolliert und ohne Flügel oder Flugzeug durch Luftschlösser zu fliegen versuchte, oder weil ich gerade wieder mal in ein tiefes Loch fiel. Immer fehlte mir der Boden unter den Füßen. Je größer die Träume, umso größer die Fallhöhe.

Luftschlösser bauen … und dann?

Ich war Anfang 20 und meine Luftschlösser waren 20.000 Meilen über dem Meer. Das Studium hatte begonnen und ich wollte – ha! – ein Überflieger sein, Top-Noten an einer Top-Uni schreiben, in der Schulzeit und im zuvor abgebrochenen Studium war ich jedoch nur mittelmäßig. Ich wollte die Welt bereisen, traute mich aber kaum allein in den Supermarkt. Ich wollte ein Unternehmen aufbauen, brauch aber selbst häufig zusammen. Ich wollte die Welt retten, war aber selbst ganz verloren.

Meine Lage war in den Jahren zuvor oft ähnlich: meine Ziele waren hoch, doch ich war vor Unsicherheit gelähmt. Und so fiel ich immer wieder auf die Nase – noch bevor ich den ersten richtigen Schritt in Richtung Ziel gemacht hatte. Ich wusste nicht, was die Zukunft bringen würde, fühlte mich ihr ausgeliefert, glaubte zwar manchmal daran, die Träume durch günstige Zufälle erreichen zu können, meistens starb dieser Glaube allerdings schneller als eine Eintagsfliege mit Krebs im Endstadium.

Meine Lage war nicht nur meine Lage, sondern etwas, das ich bei allen Freunden und Nichtfreunden immer wieder sah und auch heute noch sehe (auch bei mir selbst hin und wieder): was fehlt, sind nicht die Träume. Die meisten Menschen träumen von einem höheren Einkommen, einem passenderen Job, der Selbstständigkeit, einem anderen Gewicht, von Kraft und Sexy-ness und Abenteuern und mehr Zeit für sich und ihre Lieben und von einem größeren Freundeskreis und einem eigenen Buch, Film  oder wenigstens Daumenkino, einer Bilderausstellung, einem Konzert.

Stummelarme und Leitern

Was fehlt, sind nicht die Träume. Die Träume gibt es, doch sie schweben in unerreichbarer Höhe über uns. Manchmal mögen sie von den Wolken des Alltags und der Niederlagen verdeckt zu sein, doch sie scheinen immer wieder durch wie die Sonne an einem wechselhaften Herbsttag. In jedem Fall aber ist es wie in einem Albtraum: wir wollen nach ihnen greifen, strecken uns, doch kommen mit unseren Stummelarmen einfach nicht heran. Nicht mal annähernd, und nicht mal dann, wenn wir alle Kraft sammeln und einmal so hoch springen, wie wir nur können. Nach einer Sekunde hat uns die Erdanziehungskraft wieder in die Knie gezwungen, die Naturgesetze lassen sich nun mal nicht so leicht außer Kraft setzen.

Wenn die Stummelarme und die Sprünge nicht erreichen, um an die Träume zu gelangen, was dann?

Wir brauchen eine Leiter. Eine Leiter mit Stufen, die wir Stück für Stück erklimmen können. Eine Leiter, die Boden (aktuelle Realität) und Luftschloss (angestrebte Realität) verbindet.

Diese Leiter war es, die mir fehlte, als ich mit Anfang 20 so viele Träume hatte und mit jedem neuen Traum nur noch unsicherer und passiver wurde.

Deine Leiter entsteht, wenn Du Dich nicht nur fragst:

„Was will ich?“

sondern auch:
„Wie gelange ich dahin? Welche einzelnen Schritte sind nötig?“

Du willst ein Hollywood-Filmstar oder vielleicht ein Pornostar werden (in jedem Fall liegt die Latte hoch), ein Berufsmusiker, erfolgreicher Heilpraktiker, Forscher, Globetrotter … oder eine harmonische Familie haben, mit der Du auf einem kleinen Bauernhof lebst und Dein Leben in Ruhe genießen kannst?

Dann stehen Dir zwei Möglichkeiten offen: mit den Stummelarmen hochhüpfen und Deinen Traum niemals erreichen können und mit jedem Mal, wo Du an Deinen Traum denkst, unsicherer werden. Oder eine Leiter errichten und sie Stufe für Stufe für Stufe erklimmen.

Aus welchen Stufen setzt sich Deine Leiter zusammen?

Angenommen, Du willst Heilpraktiker oder Yogalehrer werden und Dein Leben um diese Leidenschaft herum aufbauen: musst Du auf der ersten Stufe ein wenig Geld aufbringen (mehr Geld verdienen – wie? // weniger Geld ausgeben – wie?), auf der zweiten Stufe mit diesem Geld eine Weiterbildung zahlen und sie zu Ende führen, auf der dritten Stufe Erfahrungen sammeln und erste potenzielle zukünftige Kunden kennen lernen, indem Du zunächst unentgeltlich neben Deinem Hauptberuf für etablierte Heilpraktiker oder Yogalehrer arbeitest? Und dann auf der vierten Stufe Deine eigene Praxis eröffnen?

Ohne diese Leiter steht man da und sieht den Traum hoch oben in scheinbar unerreichbarer Ferne und fühlt sich sofort so, als wäre jede Mühe ohnehin vergeben. Mit dieser Leiter weißt Du, was zu tun ist. Dein Weg wird klar, Dein Traum wird greifbar. Du gewinnst an Sicherheit, Deine Füße treten bei jedem Schritt auf den festen Boden der Leiterstufe, und selbst wenn Du mal daneben trittst (was passieren wird), kannst Du Dich festhalten und musst nicht wieder von ganz unten beginnen.

Du kannst Deine Leiter so bauen, wie es für Dich passt. Sind die Stufen gut für Dich, zu groß oder zu klein, oder fühlen sie sich einfach nicht richtig an für Dich? Dann ist es Zeit, die Leiter umzubauen – bis sie so ist, dass Du Dich voller Freude und Abenteuerlust herausgefordert fühlst.

Dies lässt sich auf alles anwenden. Auf alle finanziellen, sozialen, spirituellen Träume.

Welche Leiter brauchst Du, um Deinen größten Traum zu erreichen?
Photo: chema.foces