|14. Februar 2013 12:20

Vergeudete Zeit – eine kurze Geschichte

Ein Vater, ein Sohn, Jugend und Alter, und alles in einem Regentropfen:

Ein Vater machte sich Sorgen darüber, dass sein Sohn seine Jugend vergeudete. Eines Tages nahm er ihn mit auf einen Spaziergang. Es war ein heller Tag, und sie gingen zu einem See. “Siehst du, wie die ganze Landschaft — der Himmel, die Sonne und die Berge — sich im Wasser spiegelt?” fragte er.

Dann tauchte er die Hand in den See und spritzte Wasser auf das Ufer. Er forderte seinen Sohn auf, einen Wassertropfen genau anzusehen. Auch in diesem kleinen Tropfen spiegelte die ganze Landschaft sich wider!

“Das gleiche gilt für vergeudete Zeit”, sagte der Vater. “Eine Minute enthält dein ganzes Leben. Sie ist ein Mikrokosmos deines Lebens. Darum musst du jede Minute gut nutzen.”

Gefunden bei: chabad.org

Was "vergeudete Zeit" bedeutet, muss jeder für sich selbst definieren.

Ich denke, es hängt davon ab, wie bewusst wir uns der Zeit sind, die wir ver(sch)wenden – und wie sehr wir in dieser Zeit leben – also nicht im Zukunfts- oder Vergangenheits-Kopfkino verschwinden, ohne es zu bemerken.

Oder jemand anderes sein wollen als der, der man ist, oder etwas anderes fühlen zu wollen, als das, was man gerade fühlt.

Vergeudete Zeit kann aber auch heißen, nicht zu handeln oder sich nicht zu entscheiden, wenn es besser wäre, zu handeln oder sich zu entscheiden.

Oder darüber nachzudenken, ob und wie viel Zeit man vergeudet hat.

Was bedeutet vergeudete Zeit für Dich?

 

Photo: Yogendra Joshi

7 Kommentare

  • Vergeudete Zeit. Darüber denke ich nie nach. Wenn ich über vergeudete Momente nachdenken würde, könnte ich mich lebendig begraben jetzt. Vielleicht gibt es viele “vergeudete” Momente in denen ich viel gelernt hatte?

    kann man nie so recht sagen, finde ich.

  • Der letzte Satz ist genau der Richtige: über vergeudete Zeit nachzudenken ist bereits vergeudete Zeit.

    Die Aussage, dass man jede Sekunde nutzen MUSS, ist wenig hilfreich.

    Am besten ist es, wenn der Vater seinem Sohn vorlebt, im Hier und Jetzt zu leben.

  • Ich bin jetzt 60 Jahre alt. Gefühlt habe ich mein ganzes Leben woanders gelebt: in Gedanken in der Vergangenheit bei vielen Dingen, die sowieso nicht mehr zu ändern sind; in der Zukunft, die sich dann meistens doch ziemlich anders entwickelt hat als ich dachte; oder bei der Betrachtung irgendwelcher religiös-philosophischer Probleme, die mich aber irgendwie weder weiter gebracht noch glücklicher gemacht haben.

    Nun beginne ich zu lernen, dass das Leben immer nur hier und jetzt stattfindet, nur in diesem einen Moment, und welche Bedeutung es hat, in diesem Moment achtsam zugegen zu sein, egal womit man gerade beschäftigt ist. Jeder so gelebte Augenblick ist der wertvollste des Lebens.

    Die Zeit, die ich in der Vergangenheit vergeudet habe, hat keine Bedeutung mehr. Sie ist sowieso unwiderruflich vorbei. :-)

  • Ich denke gerade viel darüber nach, dass ich meine Zeit vergeude.
    Ich vergeude sie damit, keine Ziele zu erreichen, meine Zeit unproduktiv zu nutzen: Zeit nutzen um sie Tod zu schlagen mit Pc-zocken und Fernsehen.
    Das erfordert keine Disziplin. Alles Nützliche, was getan werden MUSS, auch längerfristige persönliche Ziele und die Schritte dahin, schon.

    Ich habe das Gefühl, dadurch unnatürliche Pläne zu schmieden, unnatürlich zu leben und mich selbst ein Stück verloren zu haben.
    Beispielsweise habe ich mögliche nützliche Tätigkeiten aufgeschrieben und Träume und Wünsche formuliert.
    Ich habe Tagespläne konstruiert.
    Trotzdem habe ich das Gefühl, damit nicht allein zum Ziel zu kommen.

    Ich unternehme morgen wieder einen Versuch, von der unnatürlichen Technik etwas weiter weg zu bleiben. Ich lasse den Pc einfach mal aus…
    Mal schauen, was passiert.

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