Wer in einer Produktionshalle den ganzen Tag mit Schweiß auf der Stirn am Fließband steht und genau ausgerechnete 1,2 Sekunden pro Handgriff Zeit hat, ist vermutlich immerhin irgendwie „produktiv“ (aus Sicht der Chefs). Er wird während seiner Arbeit beschäftigt von Leuten über ihm. Er tut, was man ihm sagt, und die, die es sagen, wissen hoffentlich, was sie tun.

Alle anderen, die „sooo beschäftigt!“ sind; sich selbst beschäftigen … die sind wahrscheinlich unproduktiv.

Mehr noch:

Beschäftigt zu sein ist meistens das Gegenteil von gut genutzter Lebenszeit.

Denn womit bringen wir Selbstständigen, wir Blogger und Unternehmer und Coaches und Kreativen und Büroarbeiter einen großen Teil der Zeit um? Mit sinnlosen Emails, noch sinnloserem Internetsurfen, mit tausend verstümmelten Projekten, die wir nie zu Ende führen, und natürlich mit Pornos und Multitasking (beides kann in die Hose gehen).

Zumindest erlebe ich das so, wenn inzwischen auch seltener.

Beschäftigung ist Betäubung, viel zu oft.

Wir betäuben uns. Und je mehr wir uns beschäftigen, desto betäubter sind wir und desto weniger tatsächlich Wichtiges bekommen wir auf die Reihe.

Schritt 1: Uns beim Betäuben erwischen. Tief einatmen, tief ausatmen.

Schritt 2: Uns fragen, warum wir uns betäuben … wovon wollen wir uns ablenken? Ist es Unsischerheit, wenn ja: warum? Ist ist Angst, wenn ja: wovor?

Die Tibeter sagen:

„Das Wichtigste ist, dass wir immer wieder zu uns selbst zurückkehren.“

Dazu müssen wir die permanente Beschäftigung stoppen. Ruhiger werden. In der Stille hören, was uns gerade antreibt, was uns wegtreibt von dem, was eigentlich zählt.

Und uns dann entscheiden: Wie wollen wir den Tag und unser Leben wirklich verbringen?

Mehr dazu unter Ein bedeutsames Leben braucht keine Karriere und unter Warum Du so erschöpft bist (der schmerzhafte wahre Grund).

[Anmerkung: Überschrift geändert von „Schwer beschäftigt ..“ auf „Andauernd …“ sowie einen Einschub ergänzt: „Zumindest erlebe ich das so…“]

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