„Setz dich an das Ufer des Wadi, und Du wirst die Leiche deines Feindes vorüberschwimmen sehen.“

– Arabisches Sprichwort

Natalie Soondrum schreibt auf fr-online.de von ihrer Begegnung mit diesem Ausspruch, den sie lange nicht verstand, von ihren ersten Erfahrungen mit Meditation und Yoga, ihrem späteren Aufenthalt in einem Zen-Kloster westlich von Kyoto und ihrer Auseinandersetzung mit Yoga.

Jahre später wurde ihr klar, was das Sprichwort mit der Leiche des Feindes bedeutet:

Ich übte. Ich hörte die Worte des indischen Meisters, der sagte, es komme nicht auf die Biegungen des Körpers an, sondern auf die innere Ausrichtung, die Konzentration dabei. Ich übte weiter. Da bemerkte ich, dass die Wahrnehmung meiner Umgebung während des Yoga die gleiche ist, wie in Zazen oder Kinhin. Der gütig lächelnde Roshi erschien wieder vor meinem inneren Auge, die Erinnerung an Dimitri-san, der so streng, aber auch so gerecht gewesen war.

Aus einem Winkel meines Bewusstseins tauchte auch das arabische Sprichwort wieder auf und plötzlich machte es Sinn: Der Wadi, das ist das steinige Flussbett unseres verdorrten Alltagsbewusstseins. Das Sitzen am Ufer ist die Mühsal der Meditations-Disziplin, und der Feind ist der Widerstand, der uns davon abhält, das Leben als das zu erkennen, was es ist. Er wird davongetragen durch eine Art reinigende Kraft, die durch unsere Wahrnehmung fegt, wenn wir ihn endlich anzuzapfen vermögen – den Strom des Lebens selbst, der durch alles Lebendige fließt und den Tod mit einschließt.

Meditation hat mich nicht klug, nicht heilig, nicht besser gemacht, aber auf eine erfüllende Weise gesund. Ich habe nach vielen Jahren gelernt, mich selbst anzunehmen. Darauf möchte ich nicht verzichtet haben.

Ist das nicht schön?
 

 

Photo: Steve Dunleavy