|26. Mai 2013 09:27

Der Zen-Meister und der Philosoph – eine kurze Geschichte

Manche Dinge kann man nicht in Worte fassen und daher auch nicht aus Büchern lernen. Das ist bei der Liebe genauso wie beim Zen.

Ein buddhistischer Philosoph names Tao-kwang fragte einen Zen-Meister: “Wenn man sich im Erkennen der Wahrheit zu bilden trachtet – welche geistige Haltung sollte man einnehmen?”

Der Meister erwiderte: “Das ist kein Geist, der zu halten wäre, keine Wahrheit, in der man sich bilden könnte.”

Darauf der Philosoph: “Wenn das zutrifft, weshalb versammeln sich die Mönche dann um euch und wollen in der Wahrheit unterwiesen werden?”

Der Meister antwortete: “Ich habe keinen Raum – wie könnten sich die Mönche um mich versammeln? Ich habe keine Zunge – wie also sollte ich andere unterweisen?”

Da rief der Philosoph: “Das ist eine dreiste Lüge!” “Ich sagte doch, ich habe keine Zunge!” entgegnete der Meister. “Wie also sollte ich lügen?” Völlig ratlos fragte der Philosoph: “Ich kann Eurer Logik einfach nicht folgen.”

Und der Meister schloss: “Ich verstehe mich selber auch nicht.”

Gefunden auf: zen-matrix.de

Da ist er, der große Drang, alles verstehen zu wollen, alles von der Walze des Verstands überollen lassen und dann, wenn es platt wie Papier ist, in einen Ordner voller Wissen abheften zu wollen.

Weil das nicht geht, und weil wir es trotzdem immer wieder versuchen, in dieser Kultur, sind wir bald frustriert, fühlen uns hilflos.

Vielleicht würde es uns ja besser gehen, wenn wir das Leben häufiger als Poesie ein- und ausatmen, statt es bis in den letzten Winkel zu analysieren versuchen.

Ein bisschen so, wie Dr. Wayne Dyer es schrieb:

Anstrengung ist ein Teil des Ganzen, Nicht-Anstrengung ein anderer Teil. Heben Sie diese Zweiteilung auf, und das Ergebnis ist müheloses Handeln, ohne am Ergebnis zu hängen.

Was meinst Du: wie viel Poesie … und wie viel Mathematik steckt im Leben?

 

Photo: Per Ola Wiberg

4 Kommentare

  • Die Frage ist, WER verstehen will? Es kann nur der Verstand sein und sein Motiv nur die Angst. Auch als Neugier getarnt ist das Motiv der vermeintliche Kontrollverlust – wo es doch gar nichts zu kontrollieren gibt. Im Leben selbst steckt undenklich viel Poesie wie auch Mathematik – je nach Deinem Fokus Deines Bewusstseins. Doch beides ist nur ein Spiel – Ausdruck des einen Seins.

  • Jeder möchte die Kunst verstehen. Warum versucht man nicht, die Lieder des Vogels zu verstehen? Warum liebt man die Nacht, die Blumen, alles um uns her, ohne es durchaus verstehen zu wollen? Aber wenn es um ein Bild geht, denken die Leute, sie müssen es verstehen.

    Pablo Picasso

  • Ich denke, es ist nicht verkehrt, verstehen zu wollen, und das rührt von der Neugierde her (und nicht von Angst!), die in jedem von uns schlummert und/oder schlummerte (vor allem als Kind). Es ist ein natürlicher Prozess, der möglicherweise anerzogen ist. Anspnsten stimme ich bubsl zu. Alles ist und bleibt subjektiv, so auch die individuelle Wahrnehmung eines jeden Einzelnen auf dieser Erde. Und wenn man ein bisschen offen für beide Seiten, das Dazwischen und alles ist, wird man feststellen, dass es nicht nur ein Bereich, sondern eigentlich immer mehrere sind; wie nämlich Poesie, Kunst, Musik und Mathematik. Alles ist miteinander verbunden bzw. verknüpft (worden vom Menschen, besser gesagt von und/oder durch sein Wissen, seine Erfahrungen, seine Beobachtungen, und seine Gefühle).

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