Muskeln trainieren. Pumpen. 10 rohe Eier in den Shaker. Runter damit. Für noch dickere Arme und dünnere Bäuche. Fürs Schwimmbad und fürs Bett. Ja, wir können unseren Körper verändern: Bodybuilding.

Dasselbe gilt aber auch für unser Gehirn: Brainbuilding. Denn ein Leben lang wandeln sich die Windungen. „Neuroplastizität“ nennt der Forscher das andauernde Neuverknüpfen der Nervenzellen.

Die Frage ist nur: In welche Richtung? Werden wir intelligenter oder blöder, flexibler im Geist oder engstirniger, widerstandsfähiger oder wackeliger, liebevoller oder hasserfüllter?

Ein Weg, unseren Geist zu stärken, und vielleicht auch der beste: die einfache Achtsamkeit-Meditation.

Die Übung

Nimm Dir eine Minute Zeit für Dich, oder zwei, oder drei. Setz Dich bequem hin.

Die Übung hat nur zwei Schritte:

  1. Richte Deine Aufmerksamkeit auf einen Anker. Das kann Dein Atem sein. Oder die Vase mit dem wunderschönen Entlein-Muster. Oder entspannende Musik. (Pornofilme sind weniger gut geeignet, es sei denn, das Bild steht.)
  2. Wenn Deine Gedanken abwandern, nimm es wahr und konzentriere Dich wieder auf den Anker. Und sie werden abwandern. Immer wieder. Das ist ganz normal. Lenke Deine Aufmerksamkeit einfach wieder sanft zurück.

Das klingt nach einer Kleinigkeit. Nach Nichtstun. Aber das täuscht. Die Wirkungen sind erstaunlich.

(Mehr Übungen und einen 6-Wochen-Plan für mehr Achtsamkeit und Gelassenheit findest Du im myMONK-Buch Wie man Sorgen, Stress und Selbstzweifel loslässt.)

Wie die Übung Deinen Geist stärkt

Dr. Christopher Willard schreibt in seinem Buch Growing Up Mindful, wie diese Übung unser Gehirn trainiert:

  1. Jedes Mal, wenn Du Deinen Fokus zurück zum Anker bringen, stärkst Du Deine Konzentrationsfähigkeit.
  2. Jedes Mal, wenn Du beim Anker verweilst, löst Du Dich von den üblichen Gedankenströmen, Deinen gewohnten Sorgen und Grübeleien. Das baut die neuronalen Autobahnen dieser Gedanken etwas ab, Du lernst loszulassen.
  3. Jedes Mal, wenn Du bemerkst, dass Deine Gedanken abwandern, ist das ein Erfolgserlebnis. Du bist achtsam, gewahr, dem Strudel nicht mehr ausgeliefert.
  4. Jedes Mal, wenn Du bemerkst, wohin Deine Gedanken abwandern, vertieft sich Deine Einsicht in Deinen Geist, Du lernst Dich selbst immer besser kennen, gewinnst an Weisheit.
  5. Jedes Mal, wenn Du Deine Gedanken sanft auf den Anker zurücklenkst, praktizierst Du Selbstmitgefühl. Du kritisierst Dich nicht für ein angebliches „Scheitern“. Das überträgt sich auch auf andere Situationen in Deinem Leben.

Nach und nach wird so unser Gehirn umgepolt. Bereiche, die für Mitgefühl, Konzentration und Gelassenheit zuständig sind, werden stärker, schädliche neuronale Verknüpfungen schwächer.

Ein Fitnessstudio für den Geist. Nur ohne schwitzende Menschenmassen und unfreundliche Massemenschen.

Mehr dazu unter Stille ist viel wichtiger für Dein Gehirn, als Du denkst und unter Sprich achtsam: Wie Deine Worte nachhaltig Dein Gehirn verändern.

 

Photo: Rafael Antonio