|10. Januar 2013 12:06

10 Dinge, die ich nicht in der Schule gelernt habe (leider)

In den letzten Wochen erreichten mich ein paar Mails von Eltern, die darum besorgt waren, wie sich ihre Kinder in dieser Welt aus Cash, Koks, Casting-Shows und Kabelloser Datenübertragung entwickeln. Meine Antwort war immer dieselbe: ich habe keine Kinder und keine Ahnung von

Kindern und jeder Rat von mir in diese Richtung wäre an den Haaren herbeigezogen.

Dann ist es mir wieder eingefallen: ich muss ja selbst mal Kind gewesen sein. Die meiste Zeit davon habe ich in der Schule verbracht. Wenn ich jetzt zurückdenke an diese ewigen Stunden bis zur Pause und zur Freizeit und diese ewigen Wochen und Monate bis zu den nächsten Ferien … dann fällt mir ein, wie wenig ich doch gelernt habe. Ja, ich kann (oder konnte) Kurven diskutieren, wusste aber als Herangewachsener nicht mit den Kurven einer Frau umzugehen. Ich kann (oder konnte) Gedichte interpretieren, aber nicht meine eigenen Gedanken und Gefühle. Ich hatte gelernt, wie man ein gutes Schaf ist, aber nicht wie man jenseits der stumm und auf abgegrenzten Flächen Gras fressenden Herde sein Glück sucht.

Hier sind 10 Dinge, die ich leider nicht in der Schule gelernt habe. Es sind Dinge, die ich meinen Kindern beibringen möchte, wenn es sie denn mal gibt.

#1 Im Leben gibt’s keine Spickzettel

Letztlich finde ich es vollkommen in Ordnung, im Unterricht zu spicken, wenn es einem das tagelanges Indenschädelklopfen sinnloser Fakten erspart. Das Problem ist nicht, dass es unfair ist oder man erwischt werden könnte. Das Problem ist auch nicht, dass man weniger lernt, man vergisst das meiste ja ohnehin nach der Klausur wieder. Das Problem ist: im Leben gibt’s keine Spickzettel. Im Leben geht’s um smarten Fleiß, um harte Arbeit. Die meisten Abkürzungen führen in den Abgrund.

Schreib Dir permanent Spickzettel als Erwachsener, und Du unterschreibst Deinen Todesschein, mein Kind.

#2 Fehler sind gut

Das, was rot und fies aus den Stiften der Lehrer auf Dein Blatt spritzt, diese Fehlerkorrekturen … sie geben Dir nicht unrecht, sondern eine Richtung vor. Der Lehrer mag Dich damit bestrafen wollen (wenn es ein Wichser ist), aber das Leben hilft Dir mit und nach jedem Fehler.

Fehler bedeuten, dass Du einen Schritt nach vorn gemacht hast, Dich getraut hast, auch wenn Du Dir vielleicht nicht ganz sicher warst. Behalte Dir die Fehler bei, mein Kind, und Du wirst reichlich belohnt werden.

#3 Der Output zählt, nicht der Input

In der Schule muss man X Stunden am Tisch verbringen nach den Vorgaben des Stundenplans. Wer da nicht mitspielt, bekommt Probleme. Dabei spielt es im Leben keine Rolle mehr, wie viel man irgendwo anwesend ist, solange die Ergebnisse stimmen.

Meine Eltern haben mir glücklicherweise das eine oder andere Mal den Rücken gestärkt, als ich meine Abwesenheitstage nach einer Krankheit künstlich verlängerte oder nicht am Sportunterricht teilnehmen wollte. Irgendwann begann ich zu merken, dass ich allein vieles besser lerne als in einer Gruppe von Leuten. Ich war kein permanenter Schulschwänzer, gar nicht, aber hin und wieder tat es mir sehr gut, dieses Stück Freiheit. Persönlich und manchmal auch bei den Schulleistungen.

„Ja, aber was ist im Job … da muss ich doch auch immer zu festgelegten Zeiten da sein!“

In einem Job schon. Woanders nicht.

Siehe 13 Gründe, warum man niemals einen Job annehmen sollte.

#4 Aufstehen, wenn andere sitzen bleiben

Doppeldeutig.

Erstens: wenn die Schafherde vorm Hirten (kennst Du „Bauer Heinrich?“) hockt und alles über sich ergehen lässt, jede Ungerechtigkeit, jede Sinnlosigkeit, dann stehe auf mein Kind, und sage freundlich, aber bestimmt Deine Meinung. Jeder von uns kennt Lehrer, die einzelne Schüler auf dem Kicker hatten und sie vor der ganzen Klasse blamiert haben. Ich erinnere mich da an eine Schülerin, die die Hand hob und gen Schuljahresende fragte: „Frau Lehrerin, sind die Zeugnisnoten für Französisch schon fertig?“ und sie entgegnete: „Nein. Nur die von Tim und Alexander. Die haben eine 5.“ Bitch. Oder an die Lehrerin, die den Schüler fragte: „Das ist wohl Dein Lieblingspullover, den hast Du doch jeden Tag an!“ oder an den Sportlehrer, der mir in den Hintern trat. Ich wünschte, ich wäre damals häufiger aufgestanden, für andere und für mich selbst.

Zweitens: wenn Dein Umfeld Dich runterzieht, musst Du nicht bis zum Ende auf dem sinkenden Schiff bleiben und mit ihnen ertrinken. Manche Deiner Leute werden vielleicht sitzen, aber das heißt nicht, dass Du nicht voranschreiten kannst auf Deinem Weg und in Richtung Deiner Träume. Manchmal müssen wir Menschen hinter uns lassen, die uns nicht gut tun. Privat und geschäftlich. 

#5 Erst geben, dann zurückbekommen

Wichtig wichtig wichtig. Grundprinzip jedes langfristig erfolgreichen Business. Im Wirtschaftsunterricht malten wir Kreisläufe von Volkswirtschaften auf, der Kreislauf des Erfolgs blieb uns verborgen.

Bitte versprich mir, dass Du zuerst Wert schaffst, mein Kind, und dann die Früchte erntest.

Die Alternative ist das, was die meisten Menschen tun: nach tief hängenden Früchten des Nachbarn suchen. So wird das nichts. Zumindest nicht auf Dauer.

#6 Die Coolsten werden die Uncoolsten sein

Hand hoch, wenn Du solche Beispiele kennst, lieber Leser. Die coolsten Typen und Mädels, auf die alle aufgeschaut haben und die oft auf alle heruntergeschaut haben, sitzen viele Jahre nach der Schule noch immer in den alten Straßen der Kindheit fest, haben Scheißjobs oder gar keinen und denken wehmütig zurück an die Zeit, in der sie mit ihren Lederjacken und Baggypants und Punkklamotten und Zigaretten und Zahnstochern im Mund, die nicesten Frauen oder Kerle am Start hatten und ihr kleines Reich harsch regierten.

Die Uncoolen hingegen, die damals irgendwie eigen schienen und nicht so recht reingepasst haben, die, die Außenseiter waren und ausgelacht wurden … denen liegen das Leben und die Menschen später oft zu Füßen. Die machen ihr eigenes Ding und suchen sich den Platz im Leben, an dem sie verdammt gut aufgehoben sind.

#7 Die wichtigsten Noten gibt man sich selbst (man muss sich nicht mit anderen vergleichen)

Ob der Lehrer oder Deine Eltern mit uns zufrieden sind, ist in der Schulzeit wichtig, danach kaum noch.

Bist Du mit Dir selbst zufrieden?

Magst Du, wer Du bist, mit all Deinen Stärken und Schwächen?

Und magst Du, was Du mit Deinem Leben anfängst?

Das ist es, was zählt.

#8 Die wichtigsten Lehrer im Leben sucht man sich selbst aus

Als Kinder bekommen wir den Vorgesetzten vorgesetzt. Sind wir erwachsen, suchen wir uns unsere eigenen Lehrer, ob bewusst oder unbewusst.

Es sind diese Lehrer in Form von Partnern, Freunden, Mentoren, die uns wirklich weiterbringen – oder feststecken lassen.

#9 Das Leben ist frei und schön und riesig

All die Zwänge, an die uns das Schulsystem glauben lässt, bestehen nach der Schulzeit höchstens in unseren Köpfen weiter. Sie sind nicht real. Du musst nicht nach dem Abi 15 weitere Jahre in der Uni hocken und Dich mit Fakten volllabern lassen, wenn das nicht Dein Ding ist, mein Kind.

Und Du brauchst auch keinen Job annehmen, wo Du nur weitere Lehrer vor Dir hast.

Nach der Schule steht Dir die Welt offen. Du kannst gehen, wohin Du willst, tun, wonach Dir ist und so viel Schönheit aufsaugen, wie Du magst. Schon in der Schulzeit kannst Du üben, Dich an den kleinen Schönheiten und Freiheiten zu erfreuen. An der frischen Luft in der Pause, an Deiner Lieblingsmusik auf dem Weg nachhause, den Möglichkeiten, den Deine Freizeit Dir bietet.

#10 Tue, was Du liebst

Mach‘ Dir #9 zunutze, mein Kind. Wenn Du es hasst, Fußball zu spielen, lass es, auch wenn alle Mitschüler im Verein sind. Wenn Deine Eltern (oh, das bin ja dann auch ich, wenn Du diesen Brief irgendwann liest) sagen, Du sollst Klavierspielen lernen, und es ist nicht Dein Ding, dann leiste Widerstand. Wenn Deine Eltern Dich gern als Schönheitschirurg oder Anwalt sehen würden und Du Dich nicht, dann pfeif‘ drauf und versichere Dir selbst, dass Du das nie sein wirst.

Tue, was Du liebst. Je mehr Du es tust, umso besser wirst Du darin, und umso mehr kannst Du die Grundlage dafür schaffen, Dein Ding nach der Schulzeit ganz zu Deinem Leben zu machen.
 

 

 

Photo: Leland Francisco

31 Kommentare

  • Lieber Tom! du hast wieder einmal einen ganz tollen Beitrag geschrieben,obwohl du keine Ahnung hast von Kindern weil du ja auch noch keine hast,ist dir der beitrag sehr gut gelungen und warum weil du dich an deine eigene Kindheit zurück erinnert
    hast.Da ist dir sehr viel aufgefallen das Theorie und Praxis sehr weit auseinander liegen und Eltern den gewaltigen Druck auf ihre Kinder ausüben sollten den dadurch wird es nur noch schlechter (Erfahrung mit meiner Tochter)Druck ist Gift .Ich sehe es heute auch anders aber was geschehen ist kann man nicht rückgängig machen.Aber meine Tochter hat auch ihren Weg gemacht.3 Abschlüsse von div. Berufen also es geht auch so Kopf hoch an alle Kinder und Jugendliche und deren Eltern.

  • Ich finde es gerade gut, dass du “scheinbar keine Ahnung von Kindern hast”, denn dadurch fällt dieser typisch belehrende Ton weg.
    Du sprichst nicht zu einem Kind, sondern zu einem Menschen, der sehr wohl in der Lage ist, die Dinge, die du beschreibst, zu verstehen. Und ich glaube, manche Eltern haben dann zwar Ahnung davon, was in Erziehungsratgebern steht und setzen das um, anstatt mit gesundem Menschenverstand ranzugehen. Schließlich sind Kinder ganz normal unnormale Menschen, wie du und ich und keine besondere Spezies, die man komplett anders behandeln muss als sich selbst.

    Ich finde deine Idee sehr schön, mit deinem Text ein Bild von zB Vater und Sohn zu schaffen, die vielleicht gerade abends vor dem Zubettgehen noch die wichtigsten Fragen klären.
    Sehr gelungen!

    • Hi Juli,

      dankeschön für Deinen netten Kommentar und Dein Kompliment. Vielleicht hast Du ja Recht und die Nichtelternperspektive auf Kinder ist manchmal sogar die bessere.

      Liebe Grüße

      Tim

  • “#1 Im Leben gibt’s keine Spickzettel”

    Oh doch, der nennt sich Google, ist auf jedem Handy, Tablet oder PC und damit immer verfügbar. Und die heutigen Schulkinder wissen, dass sie nicht alles wissen müssen, sondern einfach googeln können (natürlich nicht in der Prüfung). Wie man das Wissen anwendet, das zeigt einem Google freilich nicht. Das sollten die Schulen lernen…

  • Hy Tim!
    Habe diesen Artikel mit großer Aufmerksamkeit & Interesse gelesen. Da ich selber 2 Kinder habe – beschäftige ich mich tag-täglich damit, wie ich ihnen den Umgang mit dem Leben & der Welt am besten beibringe.
    Meine erste Lektion hierfür: Schritt für Schritt!
    Sie verstehen es nicht wenn man ihnen alles auf einmal erklären und verständlich machen will! :-)
    Daher mache ich kleine Schritte mit ihnen.
    Der erste & wichtigste Schritt bei uns ist: Die guten Dinge im Leben sehen!
    Jeden Abend vor dem Schlafen-gehen erzählen mir die Kinder die 3 tollsten Dinge vom Tag. Das zeigt ihnen, dass der Tag gar nicht so schlecht war – auch wenn sich negative Dinge am Tag ereignet haben. Und sie schlafen mit einem guten Gefühl ein (da man ja die guten Dinge nochmal erwähnt hat).
    Die weiteren Schritte muss ich langsam weitermachen. Wann? Nun das weiß ich dann wenn es soweit ist und es die Situation erfordert!
    In diesem Sinne – liebe Grüße aus deiner Nachbarschaft Tirol
    Mine

    • Hey Mine, ja, das Konzentrieren auf das Positive finde ich auch so ziemlich das Wichtigste. Habe gestern den selbsternannten “halben Mann” Florian Sitzmann (http://www.dersitzmann.de/) gesehen im Fernsehen, als er 15 war, wurden ihm bei einem Motorrad-Unfall beide Beine von einem LKW abgefahren. Heute ist er Autor und unheimlich positiv und inspirierend. Von ihm können so viele Gesunde und weniger Gesunde lernen. Die Übung mit den 3 tollen Dingen des Tages finde ich hervorragend, die mache ich selbst auch oft. Liebe Grüße nach Tirol, Tim

    • “Jeden Abend vor dem Schlafen-gehen erzählen mir die Kinder die 3 tollsten Dinge vom Tag”

      Das ist eine super-Sache!!! (Beinahe hätte ich das Gruselwort “Übung” benutzt)
      Die negativen Dinge dringen ja eh viel stärker in unser Bewußtsein und die positiven gehen da oft unter. So hat man ein kleines “Gegengewicht”.

  • Ja, Tim … wir waren alle einmal Kinder, waren in der Schule. Und wir haben in der Schule unheimlich viel gelernt. Was war es denn noch gleich ? Äh … ja genau, wir haben für die nächste Arbeit gelernt und danach schnell wieder alles vergessen. Haben wir in der Schule gelernt zu lernen ? Wenn ich lernen kann, steht mir die Welt offen. Ich brauche keine Angst vor dem Unbekannten zu haben, weil ich es lernen kann, wenn ich denn will. Genau das, wird uns in der Schule aber nicht beigebracht. Deshalb wissen wir heute nur noch Bruchstücke von dem, was wir damals gelernt haben. DIe Bruchstücke die uns damals wirklich interessierten. Mir wurde immer gesagt in der Schule lernt man für das Leben. Nur dummerweise fehlt das Leben im Lehrplan.

    Gruß Thorsten

    • Hallo Thorsten,

      ich finde mich in Deinen Worten absolut wieder. Bei uns in der Schule war es sogar gewissermaßen uncool, zu lernen und gute Noten zu schreiben (und das, obwohl’s ein Gymnasium war). Reste von dieser Einstellung haben sich noch immer in mir verbissen.

      Was fändest Du denn Lehrplan-würdig?

      Aus meiner Sicht wären es zum Beispiel: Umgang mit Geld, Umgang mit den eigenen Gefühlen, Umgang mit anderen Menschen, Meditation.

      Liebe Grüße

      Tim

      • Das halte ich für KEINE Gute Idee, Dinge wie “Umgang mit Geld, Umgang mit den eigenen Gefühlen, Umgang mit anderen Menschen, Meditation” in den LEHRPLAN aufzunehmen.
        Denn: So wie Schule heute dasteht, mit ihrem neurotischen Drang nach Leistung, Anpassung, Bewertung und den albernen 45-Minuten-Taktungen KANN ja nur Murx rauskommen.
        Die Kinder entwickeln dann eher eine Aversion gegen diese Themen, was schade wäre.

        Ein Fachmann hat in einem TV-Interview gesagt, daß eien vernünftige. Hirn- und Kindgerechte Schule zu 95% anders aussähe als das, was wir heute als Schule kennen.

        Solange sich Schule nicht grundlegend ändert, solange sollte man solche Themen draußen halten!

      • Hallo Tim ,

        wie wäre es mit Gewaltlosigkeit,Ethik und Mitgefühl als neue Fächer innerhalb der Schulen und vielleicht als Übung für unsere Gesellschaft ?

        Lg D

      • Lieber Thorsten, lieber Tim,

        ich kann vieles von dem, was ihr schreibt, gut verstehen. Ziel von Schule IST es jedoch tatsächlich, das Lernen zu lernen (auch wenn das viele vielleicht nicht erkennen). Problem daran: Lernen lernen bedeutet AUCH, sich mit Dingen auseinander zu setzen, die man vielleicht auf den ersten Blick unsinnig oder uninteressant findet, da sich oft erst danach eine Tür öffnet, die die größeren, interessanteren, sinnvolleren Ebenenen offenbart. Klar, ich kann auch keine Kurvendiskussion mehr, usw. Aber darum geht es auch gar nicht. Lernen lernen bedeutet AUCH, Durststrecken zu überwinden und am Ende die Entscheidungsfreiheit zu haben, was man denn nun mit dem Schulabschluss anfangen möchte. Leider ist es aber so, dass genau dieses Durchhaltevermögen bei vielen eher verpönt ist. Du ahnst nicht, wie oft Eltern sagen “wenn man Kind das nicht möchte, dann zwinge ich es nicht”. Das ist aber pseudo-Freiheit. Wirkliche Freiheit kann ich erst dann erreichen, wenn ich gelernt habe, mit Zwängen und Unnannehmlichkeiten umzugehen und mich auch mal durchzubeißen, um Ende Erfolgreich sein zu können.

        Die Dinge, die du, Tim, als sinnvolle Bildungsinhalte nennst, kann ich voll und ganz unterstützen. Leider bietet das aktuelle Bildungssystem wenig Chancen dazu, was vor allem daran liegt, das viel zu viele Kinder in eine Klasse gepfercht werden und Lehrkräfte viel zu wenig Zeit ihres Berufs mit Inhalten außerhalb des Fachwissens verbringen können. Zusätzlich sprengt das leider den Rahmen jeder Arbeitskraft.

        Viele Grüße, Ulrike

  • Lieber Tim,
    es ist wohl Schicksal, dass ich gerade jetzt auf diesen Beitrag stoße, der mir voll und ganz aus der Seele spricht.

    Mein Sohn (jetzt 15 1/2 Jahre alt, überdurchschnittlich intelligent, schulisch aber kein Überflieger) geht seit über 2 Jahren nicht mehr zur Schule.
    Irgendetwas/irgendwer in diesem System hat ihm am Anfang der 8. Klasse die Lust hinzugehen ausgetrieben (mobbende Mitschüler, ätzende Lehrerin, schlechtes Schulklima, was auch immer).
    Die “Flucht” wurde begleitet von massiven Ängsten und Depressionen und hat eine “Schulphobie” hinterlassen. Alle Versuche, ihn wieder in die Regelschule zu bugsieren scheiterten.

    Nach 2 Jahren Abwesenheit schlug unser Schulgesetz zu: Abschulung in die Berufsschule (ins Berufsvorbereitungsjahr zum Ableisten der Schulbesuchspflicht – will heißen: “lerne erst einmal wieder, regelmäßig aufzustehen und im Unterricht zu erscheinen ” – egal, ob das jetzt interessant ist oder nicht, denn so läuft das Leben … Und wenn du gezeigt hast, dass du brav bist, nimmt dich vielleicht auch ein Lehrherr…
    Nach einem Jahr “Wohlverhalten und Mitmachen dann vielleicht noch ein Jahr später ein Hauptschulabschluss…

    Das Schulschwänzen wurde mit Bußgeldern belegt (die ich irgendwann nicht mehr bezahlt habe), denn Schulabwesenheit stört die öffentliche Sicherheit und Ordnung. Also, Sozialstunden ableisten (hat mein Sohn einmal gemacht, im Tierheim freiwillig tagelang Katzenklos sauber gemacht, bis er angeschrien wurde, weil ich mit ihm zum vermeintlichen Arbeitsende 2 Minuten telefonierte, um etwas zu klären, er aber bei Bruthitze just an diesem Tag noch eine Stunde länger machen sollte – und das ohne Pause. Danach wollte er nicht mehr, die letzten Stunden hat er dann Disteln aus öffentlichen Parkanlagen gerupft. In die Schule hat ihn das nicht gebracht.

    Die nächste Serie Sozialstunden sollte in einer Jugendwerkstatt abgeleistet werden, in der wirkliche “Sozialfälle landen, vor denen mein Sohn, der deutlich jünger war als die anderen, Angst hatte. Bis heute hat er sich geweigert, dorthin zu gehen. Er war zwischenzeitlich wieder in der Schule (Berufsschule) und sah nicht ein, warum er für eine lange zurückliegende Schulabwesenheit noch eine Strafe ableisten sollte, obwohl er zu diesem Zeitpunkt wieder ein Schulhaus besuchte.
    Nun ja, seit dem Herbst geht er doch nicht mehr hin (zu langweilig, Chaoten als Mitschüler etc.). Der Versuch, ihn damit zu ködern, dass das nächste Bußgeld bezahlt wird, wenn er die Schule wieder besucht, ist fehlgeschlagen. Er will einfach nicht. Das Jugendamt glaubt, es seien Erziehungsfehler und man müsse nur genug Druck machen, dann wird das schon. Und wenn nicht, dann muss das Kind wohl ‘nen psychischen Schaden haben, denn nur so lässt sich erklären, dass man nicht in die Schule will (unangemessene Ängste).

    Mein Sohn bildet sich derweil online (natürlich nicht mit dem Schulstoff, aber mit vielerlei anderen für das Leben viel wichtigeren Informationen; da gebe ich den Neurobiologen recht, die sagen, das Gehirn lerne genau dann gut, wenn es die Überzeugung gewonnen hat, etwas dringend zu benötigen). Seine Schwierigkeiten mit der Rechtschreibung haben sich mittlerweile auch ohne Schule gegeben.

    Die Phase, die mein Sohn da gerade durchläuft, hatte auch ich, jedoch erst während meiner damals sehr freien Studentenzeit – in der Schulzeit war Nachdenken kaum möglich, man war ja in der Tretmühle des Schullebens gefangen (auch wenn es mir damals Spaß gemacht hat). Die Persönlichkeitsbildung kam erst nach der Schule. Doch damals schon hatte ich nur einen Gedanken im Kopf: “Und wenn ich die Schule hinter mir habe, mache ich eine Ausbildung und dann mache ich mich selbständig” – hab ich später nach mehreren super bezahlten Angestelltenjobs auch getan, doch aus verschiedenen Gründen vor ein paar Jahren wieder aufgegeben und gegen ein “sicheres” Lehrerdasein eingetauscht (hört, hört!).

    Nun, morgen hat mein Sohn eine Anhörung beim Jugendrichter – Bußgeld nicht bezahlt, angeordnete Sozialstunden nicht abgeleistet –> ggf. Verhängung von Beugearrest… Mein Sohn findet das asozial (kann ich nachvollziehen).

    Die letzten 2 Jahre haben mich viel nachdenken lassen über unseren freiheitlich-demokratischen Staat und natürlich über die Beweggründe meines Sohnes, über seine Ängste und Bedenken. Und über die Reaktion all derer, die in Helferberufen tätig sind und daran arbeiten, verloren gegangene Schäfchen wieder auf den richtigen Weg zu bringen. Was ist eigentlich der richtige Weg?

    Ich habe meinen Sohn zu einem demokratischen, sozial aufmerksamen und politisch wachen Menschen mit guten Umgangsformen erzogen. Eigentlich wäre er ein wunderbares Mitglied unserer Gesellschaft – wenn er nur endlich in die Schule gehen würde (das war jetzt ironisch gemeint). Tut er aber nicht. Von Schule hat er die Nase voll. Und das, wo seine Mutter selbst als Lehrerin arbeitet, an Schule überwiegend Spaß hatte und Schule auch nicht grundsätzlich verteufeln möchte.

    Oft habe ich in der letzten Zeit darüber nachgedacht, ob unsere Vorstellung, dass unter 18jährige Menschen noch nicht erwachsen sind, vielleicht eine Fehlvorstellung ist. Vielleicht weiß mein Sohn mit seinen knapp 16 Jahren bereits, was für ihn nicht gut ist, und das meidet er. Er sucht nach sich und seinem Weg (das geht in der Schule nicht wirklich).

    Dein Artikel trifft für mich wie die Faust auf’ s Auge. Vieles, was ich dort lese, ist mir schon lange durch den Kopf gegangen und ich kann es bestätigen.
    Auch, wenn du keine Kinder hast, das was in deinem Artikel steht, ist es wert, an Kinder weiter gegeben zu werden.

    Ich finde auch, dass das Leben frei, schön und riesig ist. Mein Sohn sieht das zur Zeit leider anders. Für ihn ist es nur noch ätzend, und momentan kann ich ihn nicht vom Gegenteil überzeugen.

    Ja, vielleicht poste ich den Link auf deinen Artikel auf seinem Facebook-Account (in der Hoffnung, dass er endlich mal wieder was liest, was seine Mutter ihm für’ s Leben mitgeben möchte).

    Alles im Leben hat einen Sinn, auch dieser Stress, den wir zur Zeit haben.
    Und du hast es erkannt: “… diese Fehlerkorrekturen … sie geben Dir nicht unrecht, sondern eine Richtung vor”.

    Stimmt genau! Schule gibt eine Richtung vor. Es geht nicht um Bildung, sondern um Ausbildung – für das, was unsere Betriebe wünschen. Und da aufgrund unserer Demografie immer weniger Jugendliche auf den Markt strömen, muss jeder, der abweicht, irgendwie wieder auf den “richtigen” Weg gebracht werden und davon überzeugt werden, dass diese Richtung auch die seine ist.

    Das ist eigentlich vergeudetes Potential…

    In diesem Sinne eine gute Nacht …

    • Liebe Elusine,

      danke für Deinen wunderbaren Kommentar, den ich gerade sehr interessiert gelesen hab’.

      So viel ich an meiner Schulzeit herumkritisiere, so wertvoll fand ich sie dennoch, mit allem, was fehlte, aber eben auch allem, was da war. Die Schule an sich und auch die Schulpflicht würde ich daher auf keinen Fall abschaffen wollen. Davon abgesehen haben mir der Schulabschluss und das Studium schon viele Türen geöffnet, auch wenn sie inhaltlich zum großen Teil für’n Eimer waren. Mit fünfzehn wollte ich die Schule auch abbrechen, hab dann vom Gymnasium aus einen Realschulabschluss gemacht und bin aber auf dem Gymnasium geblieben und hab’s durchgezogen. Irgendwie ging die Phase der absoluten Unlust mit 17 oder so wieder vorbei. Um drei Jahre später im Studium zurückzukommen – doch auch dort war sie nach 2 Jahren wieder passé.

      Bei Deinem Sohn ist es sicherlich etwas anderes: wenn er so unter den dortigen Umständen gelitten hat, dass er psychisch krank wurde, geht’ halt einfach nicht mehr so weiter. Warst Du mal mit ihm bei einem Psychotherapeuten? Nicht, damit er wieder “gerade gerückt” und “normalisiert” wird, sondern weil die Ängste und Depressionen therapiebedürftig sein könnten.

      Ich wünsche ihm und Dir in jedem Fall alles alles Gute und hoffe, dass sehr, dass er ein Lebensmodell für sich findet, mit dem er tief glücklich ist.

      Liebe Grüße,

      Tim

    • Hallo Elusine,
      Du sprichst mir aus tiefster Seele. Auch ich habe eine sehr intelligenten Sohn, dessen Schulkarriere sehr ähnlich verlaufen ist. Das einzige was ich gemacht habe – ich wollte das er wenigstens einen Schulabschluss hat- ich hab ihm dann die “Pistole” auf die Brust gesetzt und er hat nach 3 Monaten intensivem Lernen zu hause seine Mittlere Reife als Externer Schüler gemacht – und bestanden – daran hab ich auch nie gezweifelt. Trotzdem braucht er wohl noch sehr lange um seinen Weg zu finden.
      Dieses System ist sooo krank und es macht krank. Macht Kinder, Eltern und Lehrer krank und kaputt. Ich habe meinen Beruf wirklich geliebt und mit viel Hingabe und Engagement für meine Schüler ausgeübt, aber am System bin ich kaputt gegangen.
      Dieses System ist nicht darauf aus Menschen in Ihren Begabungen zu fördern und zu fordern – dieses System zieht nur Futter für die Wirtschaftsmaschinerie hoch.
      Mittlerweile gibt es aber auch Unternehmen die beginnen umzudenken, weil sie merken, dass diese “Schafe” ihnen nicht weiterhelfen ihr Kapital zu vermehren.
      Ich bin mittlerweile der Meinung das unser System, nicht die Gesellschaft, denn dort tut sich einiges, zum “spätrömischen Reich” verkommt “Brot und Spiele” – ersetzt in einem großen Teil Europas was in anderen Ländern die Religion ist.
      JA! Es geht unbeschreiblich viel Potenzial verloren, Potenzial und Visionen, Visionäre alles, was gebraucht wird um Zukunft positiv zu gestalten und zwar nicht für ein kleines “Clübchen” sondern für alle. Sorry es macht mich immer wieder wütend.

      • Liebe Elke, lieber Tim,

        manchmal braucht es nur ein bisschen Zeit, damit Dinge wieder zum Laufen kommen.

        Wir haben die Anhörung beim Jugendrichter hinter uns. Ich saß dort und musste mich zwingen, kein Wort zu sagen. Die betreuende Sozialpädagogin sagte ebenfalls nichts.

        Es war wie erwartet: mein Sohn erklärte sich nicht. Er faselte nur etwas von “wieder zur Schule gehen” usw.

        Das Endergebnis der Anhörung: Mein Sohn beginnt sofort mit dem Ableisten der Sozialstunden und geht ab sofort wieder zur Schule, sonst wird sofort Jugendarrest verhängt.

        Als ich draußen war, standen mir vor Stress die Tränen in den Augen, aber mein Sohn meinte, ich würde mir da Sorgen um Dinge machen, die nicht meine Probleme seien, sondern seine. Ich habe dazu nur gesagt: “Na, dann ist es ja gut.” Es war schließlich seine Entscheidung, nicht über seine wahren Gründe zu sprechen.

        Am nächsten Tag ist mein Sohn wieder zur Schule gegangen und hat tatsächlich mit den Sozialstunden begonnen (auch wenn er nicht wirklich einsieht, wozu das gut sein soll). Die Angst vor dem Arrest und der Wille, cool zu sein, waren wohl groß genug, um sich zu überwinden. Andererseits lernt er da auch was Praktisches (es wird getischlert).

        Es gab noch einen Flashback. Einmal konnte er nicht an der Schule aussteigen, da er anspannungsbedingt einen Krampf im Nacken mit extremen einschießenden Kopfschmerzen bekam. Aber er hat es geschafft, doch den Gegenbus zurück zur Schule zu besteigen und noch dort anzukommen.

        Jetzt hat er schon mehr als eine Woche hinter sich gebracht und seine Stimmung steigt. Es ist ihm lieber, sich selbst zu überwinden, als zum Therapeuten zu marschieren. Und von den Lehrern kommen positive Rückmeldungen, was ja auch motiviert, weiter zu machen.

        Die Tage werden mittlerweile auch länger, das hebt die Stimmung zusätzlich.

        Mein Sohn ist auf dem Weg, die Verantwortung für sich zu übernehmen, ein großes Stück voran gekommen. Über den Sinn und Unsinn des Systems sprechen wir zur Zeit nicht (das würde auch nichts bringen). Vielleicht sitzen wir ja in einigen Jahren am Tisch und fragen uns, was eigentlich los war.

        Ich selbst kann meinen Sohn nur darin unterstützen, seinen eigenen Weg zu finden (innerhalb des Systems) und vielleicht daran zu arbeiten, Dinge zukünftig zu verbessern. Den Kopf dazu hat er ja.

        Ich wünsche Euch ein schönes Wochenende

        • Hi Elusine,

          vielen Dank für Dein Update, ich musste seit Deinem letzten Kommentar noch einige Mal an Dich und vor allem Deinen Sohn denken, als ich zum Beispiel mit einem Freund über seinen schulisch sehr demotivierten Sohn sprach.

          Es freut mich natürlich sehr, zu lesen, dass Dein Sohn wieder “on track” ist und sich durchkämpft. Das Ende dieser Zwänge ist doch absehbar (für ihn vielleicht nicht, als Schüler fühlt sich ein Schuljahr wie ein Jahrhundert an, wenn es einen ankotzt).

          Liebe Grüße

          Tim

    • Hallo Elusine, ihr macht alles richtig – ich empfehle das Buch von Andre Stern: … und ich war nie in der Schule – im Zusammenhang damit das Buch oder den Kinofilm “alphabet” eine Coproduktion von Erwin Eagenhofer, Sabine Kriechbaum und Andre Stern. Unser Schulsystem ist eine einzige Katastrophe. Ich frage mich, wann die Politik hier endlich mal etwas sinnvolles in die Wege leitet. Schule ist grundsätzlich in Ordnung – ich gehöre auch nicht zur Fakultät: schafft die Schule ab – um Himmelswillen – nein. Aber rd gibt inzwischen unzähige Beispiele, wo Kinder dort abgeholt werden, wo sie sind. Jedes Jahr bekommen irgendwelche Schulen Preise für tolle Arbeit – wird nur nicht allgemein umgesetzt. Ich habe selbst einen Sohn. Bin allein erziehend. Mein Sohn ist jetzt 22 und hat einen Bereich gefunden den er lebt. Er macht eine Ausbildung im Moment als Bachlor Gesundheit und Prävention als duales Studium und will auch den Master dranhängen. Er war auch nicht der Überflieger. Ging nach der 10. Klasse auf das Wortschaftsgymnasium und macht ein Abitur mit 3,2 – das ist nicht phänomänal – aber es hat gelangt. 1 ganzes jahr machte er dann nicht außer Pizza-Fahrdienst und seinen Sport, den er schon immer liebte. ich habe ihm immer gesagt, mache das, was Du liebst und das mache mit Hingabe. Wenn Du gerne Straße fegst – dann werde Straßenfeger – aber bitte nmit Hingabe und du wirst der Beste Straßenfeger der Welt. Schaue nicht nach dem Verdienst und der Sicherheit, schaue nach dem Spaß den Du dabei hast – dann hast Du Deine Aufgabe gefunden. Denke daran: es gibt keinen richtigen oder falschen Weg – es gibt nur einen Weg. Dein Sohn wird ihn finden – vertraue ihm einfach. Ganz liebe Grüße

    • Liebe Elusine,

      nun ist Dein Kommentar schon über ein Jahr alt, leider entdecke ich ihn erst heute. Ich habe mich (bin allerdings keine Lehrerin ;-) ) und Deinen Sohn in unserer Familie sehr gut wiedergefunden – mein Sohn war letztes Jahr 5 Monate “unfreiwilliger Schulverweigerer”, da man ihn nicht auf ein anderes Gymnasium wechseln ließ. Was ich in der Zeit alles über das Thema Schulverweigerung, Freilernen und Co. gelernt habe … und über unseren Verwaltungsapparat (wir sind aus NRW, es gab Besuch vom Ordnungsamt, Bußgeldbescheide und einen Schriftverkehr mit der Bezirksregierung, der mich fassungslos gemacht hat). Worum geht’s eigentlich??? Auf keinen Fall um die Bedürfnisse der Kinder :-(

      Seit letztem Sommer sind wir am Nachbargymnasium “zugewiesen” (es war aber auch eine Wunschschule), mein Sohn geht wieder, aber nicht wirklich mit Begeisterung. Ich beschäftige mich intensiv mit dem Thema “Grundlagen fürs Lernen”, schon seit Jahren bin ich da “private Forscherin” :-) … und ich bin jetzt dabei, meinen Traum vom “place2grow” in die Realität umzusetzen. Den Schalter von “ich kann nicht” umzulegen zu “ich kann” … die Erfahrung zu machen, dass man in Gemeinschaft, mit gegenseitiger Unterstützung und Ergänzung, alles lernen kann was man möchte …dass es gehirngerechte Lernmethoden gibt, mit denen man spielerisch (also so, wie es doch sein sollte) lernen kann … all das möchte ich ermöglichen, dafür brenne ich.

      Und gerade Kinder wie Dein Sohn liegen mir dabei sehr am Herzen … das sind für mich die Perlen :-) Sie gehen einen so enorm harten Weg aus meiner Sicht … ich wunder mich, wie sie das aushalten …

      Liebe Grüße aus Düsseldorf,
      Ulrike

  • Aber natürlich gibts im Leben Spickzettel…
    Wo sollte man denn auch sonst kopieren und dabei lernen….

  • .. Du bist ja auch so eine Art “Spickzettel”

    • Ich weiß nicht, mit Spickzetteln besteht man vielleicht die eine oder andere Prüfung, aber so wirklich weiter kommt man damit nicht, man lernt einfach weniger, als wenn man “im Unterricht” gut aufpasst und mitdenkt und so.

  • Ich freute mich kürzlich zu hören, dass es in Bayern einen Pilot-Versuch mit dem Schulfach “Glück” gibt. Mit sehr gutem Erfolg. Die teilnehmenden Kinder sind nicht unbedingt glücklicher, aber deutlich selbstbewusster und sie wissen besser, was sie wollen.

    LG Richard

    • Echt? Das ist ja cool.

      Nicht dass ich Glücksgefühle für das Allererstrebenswerteste im Leben halte, aber diese Auswirkungen sind natürlich toll.

      Vielleicht kommt das Bildungssystem ja doch noch mal n bisschen vom Fleck, irgendwann.

  • Ich musste vor allem über die “Schulballkönig& Königin lachen.
    Denn das selbe Thema hatte ich erst vor kurzen mit meiner besten Freundin, (seit 30 Jahren).
    Wir hätten Sie natürlich auch, die heißen Rebellen, die wir vergötterten und nicht daran zu denken war, dass sich auch nur einer dieser Traumtypen jemals für uns interessierten…. Heute sind einige bereits Tod, andere sitzen im Knast und der Rest…. Ist schweigen. Die coolen Mädels, die jeder Junge vergötterte, sind heute verlebt und keiner wollte Mut ihnen eine ernsthafte Beziehung. Rückblickend bin ich gern der NERD gewesen

  • Hallo.
    Mich freuen all die Debatten an so vielen Stellen über das Leben hier in dieser Zeit.
    Ich bemerke, dass es so wichtig ist, zu mir selbst zu kommen und die Verantwortung für all meine Erfahrungen zu erkennen. Ich mache mich auf den Weg zu meinem Glück. Vor allem da ich Mutter von zwei Kindern bin.
    Nach meinen Schulerfahrungen will ich mein Kind nicht in eine solche Einrichtung geben. Warum aber tue ich es trotzdem? Ich rede, mit meinem Kind, mit Lehrern, mit Eltern, ich hospitiere, ich unterstütze im Unterricht. Ich sehe, wie die Schulsituation unverändert ist.
    Ich frage: braucht es diese Erfahrung?
    Ich arbeite mit Kindern. Und ich sehe ihre Offenheit, ihr Einfühlungsvermögen, ihren Willen zum Miteinander. Ich sehe, dass diese Qualitäten spätestens in der Schule zertrampelt werden.
    Ich sehe die Motivation der Kinder zu lernen, die in der Schule keinesfalls gefragt ist.
    Ich frage: warum diese Erfahrung?
    Ich will Alternativen. Ich will kein Kind in ein Gefängnis geben und ihm über 13 Jahre Geschichten von Freiheit und einer schönen Zukunft erzählen. Wie absurd.
    Und wie unfrei für mich.
    Lieber Tim. Ich danke Dir für Deine Arbeit für uns alle hier im Netz. vielen Dank und liebe Grüße. Juliane.

    • Herzlichen Dank, liebe Juliane – wenn er leider auch erst sehr spät kommt von mir. Aber vielleicht liest Du’s ja trotzdem. :)

      Vielleicht hast Du in der Zwischenzeit ja neue Gedanken zu dem, was Du suchst?

      LG

      Tim

  • Bist du oarg is das gut.
    ich – 40 jahre – weiblich – kinderlos – bekomm gerne mal gesagt, hay, was willst du mir sagen, du hast ja garkeine kinder.
    stimmt, zum einen.
    zum anderen aber hab ich einen freien fokus und kann aus dem vollen schöpfen. immerhin hatte ich 40 jahre zeit, mich mit mir und der welt, mit meinen themen und begegnungen auseinanderzusetzen.
    Du hast grandios zusammengefasst, worums geht!

    danke, du bist wirklich DIE bereicherung für meine gedankenwelt, mit deinen gehaltvollen Zeilen!
    Alles alles liebe!!!

    • Danke liebe Michi! :)

      Darf ich fragen, ob eigene Kinder für Dich nie infrage kamen? Und wenn ja, warum?

      Ich finde, das ist durchaus eine Option, auch wenn ich vermutlich schon irgendwann gern welche hätte.

      LG

      Tim

      • Hay!
        Ich versuchs mal zusammenzufassen :-)
        es war schon immer wieder Thema, aber wie oft im Leben “passte irgendwas nicht”. Meist war die Beziehung zum Partner alles andere als stabil und wir waren uns der Tatsache bewusst, dass ein Kind niemals Beziehungskitter sein kann.
        Irgendwann in den letzten 3 Jahren wusste ich dann plötzlich, Nee, ich nicht. Mir fehlte NIE was, ich hatte nie die große Sehnsucht nach einem Kind, ich hab halt einfach andere Prioritäten im Leben. Der Gedanke, vielleicht mein Leben lang “allein” zu sein (was meiner Meinung nach ja ein Irrglaube ist, dass man nicht allein ist, bloß weil man Kinder hat), erfüllt mich nicht mit Sorge oder Angst, sondern einer tiefen Ruhe und dem Wissen, dass ich immer alles selber steuern kann und die Freiheit habe, frei über mein Leben und meine Prioritäten zu verfügen.
        Sicher ein bisserl mehr wie mit Anhang.
        :-)))))
        (und um das so richtig zu genießen und nicht den Rollenbildern unserer Gesellschaft zu verfallen, lese ich sehr sehr gern deinen blog ;-) )

  • wie immer, wunderbar!

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