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Text von: Lena Schulte

Ich fand es mal ziemlich witzig, als ich auf einer Hochzeit war und der Priester zu dem Brautpaar sagte, es würde der Tag kommen, an dem sie einer völlig anderen Person in die Augen sehen würden. Als vorpubertärer Teenager dachte ich, er redet von Scheidung oder einer schlechten Faltencreme und kicherte vor mich hin. Aber natürlich meinte er etwas völlig anderes. Er meinte die Zukunft und Veränderung und dass wir gar nicht genau wissen können, wie wir uns selbst entwickeln werden und wie sich unsere Partnerschaft entwickeln wird. Und dass das Reagieren auf diese Veränderungen der Kern einer langen gemeinsamen Reise ist.

Ich persönlich finde das Thema Partnerschaft unfassbar spannend – vor allem, welche Tipps und Ansichten Menschen dazu auf Lager haben, die das schon echt lange hinbekommen. Dem Blogger Mark Manson scheint es da ähnlich zu gehen – und hat das Ganze vor seiner eignen Hochzeit auf die Spitze getrieben: Er bat seine riesige Leserschaft (vor allem die Langzeiteheleute), ihm Ratschläge für eine funktionierende Ehe zu geben. Nach knapp 1500 Zuschriften und zwei Wochen Arbeit, kristallisierte sich schnell heraus: Weder Kompromisse finden noch Liebe wurden als das ultimative Erfolgsrezept für eine nachhaltige und glückliche Ehe angepriesen.

Liebe zieht sich auch mal zusammen und tarnt sich

Am Anfang war es ein ewiger Christopher Street Day, der beim bloßen Anblick auf das Objekt der Begierde durch die Blutbahnen rauschte. Klar, irgendwie weiß man: Diese Hochglanzgefühle könnten verblassen. Aber nach ein paar Jahren wach zu werden und sich zu denken „Und schon wieder liegst nur Du neben mir…“, kann die Partnerwahl schon einmal massiv in Frage stellen und dem windigen Scheidungsanwalt ein Grinsen auf das Gesicht zaubern.

Es ist nicht immer leicht, dass es einen anstrengenden Alltag gibt und wir in erster Linie nur mit einem menschlichen Wesen zusammen sind – anstatt mit dem High aus der Anfangszeit, das allen Widrigkeiten locker die Stirn bot. In unserer Optimierungsgesellschaft wird genau dieses High jedoch schnell als Referenzpunkt missverstanden, um den Status Quo der Liebe zu bestimmen. Mit dieser Referenz wird das natürliche Abebben dieser stürmischen Gefühle schnell zur ernsthaften Bedrohung. Denn dieses High kommt in der Regel nicht mehr zurück – und der Tindergarten ist nur einen Installationsbutton weit entfernt…

Viele Langzeiteheleute erzählen, dass es (auch mal längere) Phasen gibt, in denen fast gar keine Liebe für den anderen zu spüren ist. Und dass das sogar normal ist. Denn Liebe ist weder statisch, noch fühlt sie sich immer intensiv an. Sie dehnt sich aus und zieht sich auch wieder zusammen. Ein bisschen so wie unser Herz. So ist auch das Nicht-Spüren der Liebe ein normaler Prozess und geht, wie alles, was in Bewegung ist, vorbei.

Weise wählen wir den richtigen Streit aus

Kompromisse finden, heißt es oft, ist das A und O einer jeden Beziehung. Allerdings kommt es auf die Art des Kompromisses an – und aus welcher Beziehungsdynamik er entspringt. Besonders abhängige Beziehungen stabilisieren sich dadurch, dass das schlechte Verhalten des anderen toleriert wird, weil das eigene schlechte Verhalten ebenfalls toleriert wird. Auf der Oberfläche mag das nach einer guten Kompromissbereitschaft ausschauen. Aber auch nur dort. Die Forschung zeigt interessanterweise, dass viele glückliche Langzeitpaare ein paar Dauerbrenner in Sachen Probleme haben, die sich nicht vollständig lösen lassen – und trotzdem schneiden sie im Glücksempfinden besser ab, als die Paare, die auf Biegen und Brechen versuchen, jedes Problem des Kompromisses wegen zu lösen.

Dies sollte jedoch nicht zum Vorwand werden, um unbequemen Konfrontationen aus dem Weg zu gehen. Viele Ehepaare raten dennoch, die Kosten eines Streits gut mit seinem langfristigen Nutzen abzuwägen. Besonders die Streitereien über die kleinen Dinge verführen zu unendlichen Wiederholungen, die zu rein gar nichts führen. Wenn es dann doch nicht anders geht, sind folgende Dinge tabu, wenn die Partnerschaft nicht daran scheitern soll:

  • Den Charakter anstatt die Verhaltensweisen des Partners kritisieren („Du bist dumm!“ anstatt „Das, was Du getan hast, war dumm.“)
  • Den Partner/seine Argumente niedermachen/ignorieren und ihm das Gefühl der Minderwertigkeit vermitteln (einer der Hauptgründe für Scheidungen)
  • Schuldzuweisungen und Verantwortung abgeben („Ich hätte das nicht getan, wenn Du nicht zu spät gekommen wärst!“)
  • Alte Streitthemen wieder aufwärmen

Stattdessen:

  • Den Zeitpunkt abpassen, bevor die Emotionen überkochen, sich aus der Situation entfernen und später mit klarem Kopf fortfahren
  • Rechthaberei einen geringeren Stellenwert einräumen als der Tatsache, dass sich jeder gehört und respektiert fühlen möchte – in einer Partnerschaft geht es nicht ums Gewinnen
  • Es gut sein lassen, sobald der Partner einlenkt. Abhaken und weitermachen

Streiten ist nicht nur wichtig, sondern auch normal, wenn zwei gleichberechtigte Individuen mit ihren eigenen Werten aufeinandertreffen. Die Lösung ist nicht, den anderen verändern zu wollen. Was das Wichtigste einer gelingenden Ehe ist, da sind sich alle Paare mit mindestens dreißig Jahren Eheerfahrung uneingeschränkt einig, ist Respekt.

Respekt, der aus einer echten und tiefen Bewunderung für das Wesen des anderen entspringt.

Was bedeutet Respekt?

Respekt kann viel bedeuten und noch vielseitiger ausgelebt werden. Respekt kann bedeuten, dass wir loslassen. Von unseren Ego-Vorstellungen, wie unser Partner zu sein hat, damit wir glücklich sind. Und von der Ansicht, ihn dementsprechend ändern zu müssen. Dass wir stattdessen selbst die Art von Person werden, die unser Partner für uns sein soll.

Am Anfang einer Partnerschaft kann Respekt bedeuten, dass wir die Beziehung nicht nur eingehen, weil uns gerade langweilig ist (oder wir nicht gerne Single sind). Oder weil es halt erwartet wird, wir denken, dass Liebe schon alles schafft, oder wir hoffen, endlich jemanden zu haben, der uns glücklich macht. Am Ende einer Partnerschaft kann Respekt bedeuten, diesen Menschen im Guten gehen zu lassen, anstatt die Rosenkanonen zum Abschuss freizugeben. Du hast Dich aus freien Stücken entschieden, Deinen Weg mit diesem Menschen (ein Stück weit) gemeinsam zu gehen. Wenn Du über diesen Weg herziehst, ziehst Du über Dich selbst her. Respekt vor dem Partner ist immer auch Respekt vor Dir selbst.

Laut den Lesern Mark Mansons kann man Respekt in einer Beziehung auch noch so ausleben:

  • Jeder ist ein eigenständiges Individuum, das ein Recht auf seinen Freiraum, seine eigenen Freunde, eigenen Hobbys und eigenen Ansichten hat
  • Eigene, praktische Beziehungsregeln
  • Es ist nicht „Du“, „Ich“ und „Das Problem“, sondern „Wir“ und „Das Problem“
  • Rede mit Deinem Partner über das, was Dich stört – aber rede niemals schlecht über ihn, ganz besonders nicht vor Deinen Freunden oder Verwandten. Auch wenn gerade Dampf auf dem Kessel ist, ist das der sicherste Weg zum Respektverlust
  • Keine Geheimnisse vor dem Partner. Respekt und Vertrauen funktionieren immer nur zusammen. Vertrau Deinem Partner Dinge an, die Du sonst niemandem anvertrauen würdest
  • Halte Dein Wort
  • Werde gut im Verzeihen und hinter Dir lassen
  • Respektiere Dich selbst
  • Sei bereit, eines Tages vielleicht wirklich einer anderen Person als jetzt in die Augen zu sehen. Menschen und Lebensphasen verändern sich

Respekt ist immer eine Entscheidung, die wir selbst treffen können. Respekt kann zu einer großen inneren Stabilität führen, mit der wir den Widrigkeiten des Lebens gegenübertreten können. Mit Respekt können wir auf den hohen und tiefen Wellen surfen, die über unsere Beziehung rauschen. Unabhängig davon, wo sie uns hinführen werden. Liebe löst vielleicht nicht immer alles. Und auch Reden und Kompromisse haben ihre Grenzen. Respekt hingegen nie.

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Photo (oben): Wyatt Fisher, Lizenz: CC BY 2.0