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Text von: Lena Schulte

Es war ein ziemlich ernüchternder Tag, als ich feststellte, dass mein Traumjob eine schillernde, aber absolut hohle Blase war. Und noch ernüchternder war die Erkenntnis, dass es nicht der Job war, der mich verarscht hatte, sondern ich diese Glanzleistung auf meinem eigenen Konto verbuchen durfte. Dabei sah alles so gut aus, ich war endlich dort angekommen, wo ich immer hinwollte, hatte Zukunftsperspektiven, Spaß an der Sache und keine Probleme mit Überstunden oder angsteinflößenden Augenringen.

Und trotzdem war es manchmal da…dieses Gefühl. Dass irgendetwas fehlt. Dass es irgendwie nicht ganz rund läuft, dort, wo, wo es schillerte und wo ich immer sein wollte. Es war ein „Irgendwas“, das noch nicht einmal einen Namen hatte und immer nur ganz leise anklopfte, wenn ich Sonntagsnachts nach einem langen Arbeitstag komatös in der Badewanne lag und meine Gedankenpampe im Hirn sowieso nicht mehr ernst nehmen brauchte.

Es dauerte ein Weile, bis ich bemerkte, dass dieses fehlende „Irgendwas“ die Bedeutung war. Nicht die Bedeutung, die von der Gesellschaft beklatscht wird, die mit viel Aufregung, Prestige, Abwechslungsreichtum und fancy After-Show-Partys lockt (auf die echt nicht jeder kommt!). Es fehlte die Bedeutung, die meinem eigenen Wesen entsprach und ein langfristiges Gefühl von Tiefe und Sinn verleiht.

Natürlich ist ein Job in erster Linie erst mal nur ein Job, aber er nimmt in der Regel auch die meiste Zeit des Tages ein – und so war er für mich irgendwann ein großer Teil meiner Identität geworden. Und schneller, als ich es bemerkte, war er der Stellvertreter für mein persönliches Bedeutungsempfinden und musste mehr leisten, als er konnte.

Bedeutung darf mehr sein als nur der Job

Es gibt verschiedene Arten, wie wir dem Gefühl von Bedeutung näher kommen können. Ich glaube inzwischen fest daran, dass Bedeutung daraus entspringt, dass wir bei dem, was wir tun, ein Gefühl der Verbundenheit und des eigenen Wachstums verspüren. Ein Job ist eine von vielen Möglichkeit, diese Bedeutung durch Wachstum zu erfahren.

Dass Wachstum wichtig für Bedeutung ist, legt auch das Ergebnis der Psychologin Carol Ryff nahe, die in einer Studie untersucht hat, womit Wohlbefinden im Zusammenhang steht. In der Untersuchung, bei der mehr als 300 Frauen und Männer teilnahmen und die anschließend in dem „Journal of Personality and Social Psychology“ veröffentlicht wurde, zeigte sich: Die Lebenszufriedenheit und das Selbstwertgefühl ist höher bei Menschen, die sich selbst als ein wachsendes Individuum wahrnehmen und das Gefühl einer kontinuierlichen (Weiter-)Entwicklung verspüren.

Egal, ob Cello oder LKW-Reifen…

Für dieses Gefühl der Weiterentwicklung bieten sich vor allem Tätigkeiten an, die in sich selbst sinnig sind, oder zumindest für uns persönlich sinnig genug, damit wir ihnen um ihrer selbst Willen nachgehen – und eben nicht, weil sie Belohnungen, Likes, Geld oder geile After-Show-Partys versprechen. Eine Tätigkeit, ein Hobby, das nur uns gehört, unser kleines Baby, das primär niemand anderem außer uns etwas angeht und von niemanden beurteilt werden muss.

Dabei ist es egal, ob wir nun Cello spielen, mit Ferngläsern und Aluhüten auf dem Kopf Ufos jagen, kochen oder regelmäßig mit lautem Gebrüll LKW-Reifen von A nach B schleudern. Wenn wir eine Tätigkeit ausüben, die nichts mit einem streichelbedürftigen Ego zutun hat, und die wir so sehr lieben, dass wir mit ihr verschmelzen und jedes Gefühl für die Zeit verlieren, dann betreten wir eine neue Ebene, die über das Selbst hinaus geht. Dieser Raum, der dort zu finden ist, lädt uns zu einem Wachstum ein. Ein Wachstum, das aus uns selbst entspringt und eine vollkommen neue Qualität bietet, die fernab von äußeren Faktoren stattfindet.

Diese Qualität in einer Handlung erfahren, schreibt der durch sein Konzept vom „Flow“ berühmt gewordene Psychologe Csikszentmihalyi, ist der Schlüssel zu einem sinnvollen Leben.

Und das sage ich jetzt nicht nur, weil ich betrunken bin!

Ein weiterer Schlüssel für mehr Sinnhaftigkeit im Leben kann sein, die Zugehörigkeit zu etwas Größerem zu erfahren. Die Glücksforschung hat bereits herausgefunden, dass eine der besten Möglichkeiten Glück und Bedeutungsempfindung zu steigern, darin besteht, bewusst Handlungen der Freundlichkeit durchzuführen. Dafür muss man nicht gleich ein erfolgreicher Motivationstrainer werden, der tausende von Leuten mit seinen Reden zu einem besseren Leben animiert – es reicht auch schon, sein Auge für Dankbarkeit zu schärfen und diese auch anderen aufrichtig mitzuteilen (und auch gerne ohne angetrunkenen Mut und das altbekannte „Und das sage ich jetzt nicht nur, weil ich betrunken bin!“). Wem könntest Du Deine Dankbarkeit mitteilen?

Ebenfalls bestätigen Studien, dass die Menschen, die sich öfter altruistisch engagieren, wie zum Beispiel bei einer ehrenamtlichen Tätigkeit, ihr Leben als bedeutungsvoller einstufen. Natürlich verlangt ein Ehrenamt manchmal Zeit, die wir nicht immer aufbringen können, aber zum Glück bieten sich ja auch im alltäglichen Leben viele Möglichkeiten, Altruismus ganz bewusst zu üben. Das kann bereits mit einem lieben Lächeln beginnen, das wir einer anderen Person auf dem Weg zu Arbeit schenken.

Ich habe manchmal den Eindruck, dass wir sogar das meiste bekommen, wenn unser Geben von Herzen kommt und wir dafür gar nichts haben wollen. Vielleicht verdichtet sich das Gefühl für Bedeutung ja wirklich, wenn wir öfter Dinge tun, die wir ganz bewusst entweder nur für uns selbst, oder eben auch ganz bewusst nur für den anderen tun.

Deine Bedeutung ist so viel mehr, als Du manchmal vielleicht glaubst. Deine Bedeutung ist mehr als eine Karriereleiter, mehr als das Klatschen von Leuten, die Dir im Endeffekt völlig egal sind. Deine Bedeutung ist der Moment, in dem Du ganz bei Dir bist. Es ist Deine Freude in Dir, Dein inneres Licht und das Leuchten in den Augen eines anderen, weil es Dich gibt. Das ist Deine Bedeutung.

Mehr unter Ein bedeutsames Leben braucht keine Karriere und im myMONK-Buch für mehr tiefes, echtes Selbstwertgefühl, ganz unabhängig vom Job und Einkommen – siehe auch Dein Selbstwertgefühl braucht Dich (eine Übung).

Photo: young woman von David MG / Shutterstock