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„Das intuitive Gehirn ist ein heiliges Geschenk und der rationale Verstand ist ein treuer Diener. Das Problem ist nur: Wir haben eine Gesellschaft erschaffen, die den Diener verehrt und das Geschenk vergessen hat.“ – Albert Einstein

Wenn ich diesen Satz vor vielen Jahren gehört hätte, ich hätte gesagt: Ach komm, lass mich in Ruhe. Intuition, habe ich gedacht, ist doch nur was für superesoterische Frauen, die an Räucherstäbchen schnüffeln … auf jeden Fall etwas sehr Weibliches und wenn ich anfange „auf meine Intuition höre“, wachsen mir vielleicht noch Brüste.

So habe ich gedacht … bis mich die Intuition gerettet hat. Zum Beispiel, indem sie mich dazu brachte, mit dem Schreiben anzufangen. Damals noch als Weg, um besser mit Depressionen umzugehen, später als Weg, für mich sehr wichtige Menschen kennenzulernen, seit vielen Jahren als Beruf und Basis von myMONK.

Nachdem sie so eine große Rolle in meinem Leben gespielt hat, wollte ich mehr wissen. Was steht dahinter? Was ist sie, die Intuition, was ist es, das Bauchgefühl?

Ich möchte Intuition für mich nicht komplett entzaubern und wieder mit dem Verstand kaputt analysieren. Gleichzeitig freut sich auch mein Verstand darüber, dass Intuition zwar großartig und faszinierend ist, aber auf keinen Fall was Übernatürliches, Magisches sein muss.

Immer mehr Wissenschaftler befassen sich damit und versuchen, diesem Phänomen auf den Grund zu gehen. Heute definieren Psychologen und Neurologen „Intuition“ meistens so:

„Intuition ist das unbewusste Wahrnehmen von Mustern.“

Das ist ganz grundsätzlich eine der wichtigsten Aufgaben unseres Gehirns: Muster wahrnehmen, das heißt bestimmte Hinweise darauf, was etwas bedeutet und was als Nächstes passiert. Ist eine Situation gefährlich? Kann ich diesem Menschen trauen? Was wird voraussichtlich gleich geschehen, wenn die schöne Diskobekanntschaft (scheiße, man sagt heute echt nicht mehr Disko, oder?) die Augen schließt, den Mund spitzt und ihr Gesicht in meine Nähe bewegt? Beißt sie gleich zu oder erwartet mich da eher was anderes?

Ich finde, das klingt jetzt erstmal unspektakulär … Muster erkennen … so als würden wir in einer abgeranzten Jogginghose auf der Couch rumhängen und Wimmelbilder machen.

Aber es ist schon eine sehr coole Sache, und eben wirklich etwas Erwiesenes, wie wir gleich noch sehen werden … und es gibt gute Gründe, auf Deine Intuition zu hören – weil das häufig die deutlich besseren Entscheidungen sind.

Card Experiment

Ein Experiment, auf das man immer wieder stößt, wenn man sich mit Intuition beschäftigt, ist das Kartenspiel-Experiment.  Es hat mich nachhaltig beeindruckt.

In einer Studie von 1997 sollten die Teilnehmer ein Kartenspiel spielen mit dem Ziel, möglichst viel Geld zu gewinnen. Was den Teilnehmern nicht klar war: Das Spiel war von Anfang an getürkt. Es gab zwei Kartenstapel. Einer war so gestaltet, dass einem großen Gewinn immer ein großer Verlust folgte. Der andere Stapel war so aufgesetzt, dass es immer nur kleine Gewinne gab, dafür aber fast nie Verluste.

Die Teilnehmer brauchten 50 gezogene Karten, bis sie sagen konnten, dass sie eine Ahnung haben, welcher Stapel sicherer ist. Und sie brauchten 80 Karten, bevor sie den Unterschied zwischen den beiden Stapeln erklären konnten.

Aber jetzt kommt’s: Es brauchte nur 10 gezogene Karten, bis die Wissenschaftler vermehrte Schweißbildung an den Händen messen konnten, wann immer die Testperson kurz davor war, von dem Risikostapel eine Karte zu ziehen.

Und diese ersten 10 Ziehungen brauchte es auch, dass die Personen den sichereren Stapel bevorzugt haben … das heißt, lange bevor ihr analytisches Gehirn gecheckt hat, was abgeht, war ihre Intuition schon aktiv, was sich auch am Körper gezeigt hat.

In ähnlichen Studien zeigte sich immer wieder dasselbe Ergebnis: Intuitiv erkennen wir Muster lange, lange bevor wir es bewusst verstehen.

Andere Beispiele

Patrick Schwerdtfeger spricht in einem TED-Talk darüber, dass Soldaten in eine Straße schauen und extrem genau vorhersagen können, ob dort versteckte Bomben sind. Wenn man sie dann fragt, woher sie das wissen, können sie es nicht beantworten.

Und in Malcom Gladwells Buch „Blink“ wird berichtet von einem bekannten Tennis-Trainer, der ein Tennis-Spiel anschauen und mit fast 100% Sicherheit vorhersagen kann, ob der Spieler gleich einen Doppelfehler macht (also zweimal hintereinander den Aufschlag vergeigt) oder nicht – und zwar lange bevor er den Ball berührt. Er hat sich das Spiel dann hinterher noch mal angeschaut und überlegt, ob er die Muster erkennt, an denen er seine Vorhersage festgemacht hat … und kam nicht drauf.

Intuition ist für uns alle hilfreich

Auch zu größeren Entscheidungen als der, welche Karte wir ziehen, gibt’s spannende Studienergebnisse.

Zum Beispiel hat man in einer Studie aus 2006 Menschen untersuche, die ein Auto kaufen wollten.Die eine Gruppe hatte alle Zeit der Welt, sämtliche Informationen über ihre verschiedenen Optionen zu studieren. Von dieser Gruppe waren am Ende 25% mit ihrer Kaufentscheidung zufrieden.  Die andere Gruppe, die eine schnelle, intuitive Entscheidung getroffen hatte, war zu 60% zufrieden mit ihrem Auto.

In einer anderen Studie fand man heraus, dass Profis bei Pferdewettern umso häufiger aufs richtige Pferd setzten, je weniger Hintergrundwissen sie hatten … die am besten abgeschnitten haben, hatten das Pferd einfach nur kurz selbst betrachtet.

Auch erfahrene Feuerwehrmänner und Frauen tun oft ganz intuitiv das richtige, und wenn man sie hinterher fragt, warum sie sich für einen bestimmten Weg entschieden haben, gegen einen Brand vorzugehen, können sie das nicht in Worte fassen.

Und Radiologen treffen immer schlechtere Entscheidungen, sobald sie länger als 30 Sekunden auf ein Röntgenbild schauen.

Die Intuition hilft sie uns bei Entscheidungen so viel mehr als noch mehr Informationen zu sammeln und ewig lange Pro- und Contra-Listen anfertigen, so lang, dass sie kaum auf eine ganze Rolle Klopapier passen würden … wo sie in der Regel auch hingehören.

Beim Rapper Curse heißt’s in einem seiner Tracks:

Ich weiß nicht, wo ich beginnen soll mich zu finden im Dunkeln // im Dschungel von meinem eigenen Geiste, wo Stimmen munkeln. // Speicher Infos in Akten, sortierte Daten und Fakten, die Wissen entfachen, doch irgendwie trotzdem nicht glücklich machen.“

Mehr zum Thema findest Du auch im myMONK Podcast:

Photo (oben): sicknotepix, Lizenz: CC BY 2.0