Neu im Podcast von myMONK: Ich schäme mich so. Und folgst Du myMONK schon bei Instagram?

Ute Felix, studierte Rechtswissenschaften an der Universität zu Köln und absolvierte vielfältige Zusatzausbildungen. Sie bietet in ihrer Praxis in Aachen Coaching, psychologische Beratung und kommunikationsfördernde Mediation an. Im myMONK-Interview berichtet sie von Ihrer Arbeit, den Sehnsüchten ihrer Klienten und davon, was einen guten Coach ausmacht.

Liebe Frau Felix, besten Dank für Ihre Zeit – ich freue mich sehr, Sie für das Interview gewonnen zu haben. Möchten Sie sich den myMONK-Leser zunächst kurz vorstellen? Wie sind Sie auf Coaching und Mediation gekommen, insbesondere das Thema Coaching liegt ja nach einem Jura-Studium nicht unbedingt auf der Hand?

Vielen Dank für die Einladung zu diesem Interview!

Ich bin einen etwas längeren Weg gegangen, um festzustellen, dass mich das Thema Coaching bereits mein Leben lang begleitet hat.

Nach meinem Studium habe ich viele Jahre die Entwicklung auf dem Rechtsgebiet Familienrecht beobachten und erleben können. Alles geht rasend schnell, Trennung, Scheidung, Unterhalt, Vermögensauseinandersetzung, Umgangsrecht, Sorgerecht usw. Die Mandanten suchten Beratung, da der formale Schritt nicht ohne Rechtsanwalt und die Gerichte gegangen werden kann. Bereits damals habe ich mehr emotional beraten als alles andere, der Begriff des Coachings war mir zu dieser Zeit allerdings nicht einmal bekannt.

Ausschlaggebendes Ereignis, eine Mediationsausbildung zu machen, war die Willkür mit der manche Richter/Richterinnen Entscheidungen über andere Menschen getroffen haben. Familiensachen sind stets emotional behaftet und wenn ich über das Schicksal eines Menschen/Kindes entscheide, muss ich dies mit großer Gewichtung mit einbeziehen. Mir fehlte die Eigenverantwortung der Menschen über die entschieden wurde und die Verantwortung derer, die über diese Menschen entschieden haben, also entschloss ich mich dazu, Mediatorin zu werden.

Allerdings wurde mir nach den ersten Mediationen ziemlich schnell klar, dass irgendetwas fehlte. Die Menschen die emotional oftmals instabil zu mir kamen, brauchten mehr Unterstützung;  sie waren noch gar nicht konfliktfähig. Dies ist aber Grundvoraussetzung für eine Mediation. Also entschloss ich mich, das zu tun, was ich Jahre vorher bereits gemacht habe, nämlich zu coachen und die Menschen dabei zu unterstützen, konfliktfähig zu werden.

Selbstverständlich leite ich in solchen Fällen meine Coachingkunden, im Anschluss an das Coaching, an Mediatorenkollegen weiter, um Interessenskonflikte zu vermeiden.

Kommen viele Menschen zu Ihnen, die sich in ihrem Leben überfordert fühlen oder spüren, dass sie sich und „ihren“ Weg zu sehr aus den Augen verloren haben?

Dies ist eine sehr interessante Frage bzw. es sind eigentlich zwei Fragen.

Zunächst einmal die Frage bezüglich der Überforderung. Ja, es kommen sehr viele Menschen zu mir, die sich überfordert fühlen; aber auch wenn Unternehmen auf mich zukommen stelle ich oftmals fest, dass Grundlage des Coachingauftrages die Überforderung des Unternehmens auf bestimmten Gebieten ist. Das schöne ist, dass die Unternehmen kein Problem damit haben, diese Gebiete auszulagern und direkt einem Experten zu übertragen. Diese Hemmschwelle ist bei Privatpersonen wesentlich größer. Bevor jemand zugibt, dass er überfordert ist, laufen viele erst einmal eine ziemlich lange Zeit überfordert durch ihr Leben. Dies ist ein großer Themenkomplex bei Kunden, die sich auf dem Wege ins Burnout befinden.

Die zweite Frage ist die, ob viele Menschen kommen, die spüren, dass sie sich und „ihren“ Weg zu sehr aus den Augen verloren haben? Ihr habt das „ihren“ ja schon in Anführungszeichen gesetzt. Genau hier muss man auch ansetzen. Viele Menschen kennen „ihren“ Weg gar nicht, sie haben ihn noch gar nicht bestimmt. Oftmals ist es so, dass der Weg den jemand geht, fremdgesteuert ist. Das ist den meisten Menschen aber gar nicht bewusst. Wir leben alle mit vielen Glaubenssätzen, Erfahrungsschätzen und Antreiberprogrammen aus der Kindheit und den darauf aufbauenden eigenen Erfahrungen.

Genau hier liegt meine Hauptaufgabe, nämlich bei den Menschen das Bewusstsein für sich selbst zu schaffen.

Ich begleite meine Kunden bis zu ihrem ganz individuellen Weg. Dieses Bewusstsein und diese Einblicke reichen bei vielen Menschen schon aus, von nun an ihren tatsächlich eigenen Weg zu bestimmen.

Aber um die Frage zu beantworten, ja es kommen sehr viele Menschen mit dieser Problematik zu mir. Diese Arbeit erfordert sehr viel Fingerspitzengefühl, da reicht Coaching nicht aus, da muss man zunächst einmal über das psychologische Wissen herangehen um dann übergangslos mit der sich daraus als optimal ergebenden Coachingmethode arbeiten zu können.

Aus welchen Gründen begeben sich Menschen auf Lebenswege jenseits von dem, was sie sich wirklich wünschen?

Da gibt es eine Vielzahl von Gründen. Ich habe ja gerade schon beschrieben, dass wir oftmals fremdgesteuert leben, agieren und reagieren. Aus diesem Grund können wir oftmals gar nicht unterscheiden ob es sich tatsächlich um unsere Wünsche handelt oder um die Wünsche und Erwartungen von anderen an uns.

Hier arbeite ich sehr gerne mit Methoden aus der Transaktionsanalyse. Es wird dann recht schnell deutlich, wieso es manchen Menschen nicht gelingt, dass was sie sich wirklich wünschen auch zu erreichen.

Ein kurzes Beispiel:
Ein kleines Mädchen bekommt in der Kindheit immer wieder gesagt, das schaffst Du sowieso nicht, da bist Du zu dumm für, wenn Erwachsene reden, dann hast Du still zu sein usw.. Dieses Mädchen hat später im Erwachsenenleben immer Schwierigkeiten sich durchzusetzen und an sich selbst zu glauben. Jahrelang hat das Gehirn des Kindes aufgenommen: Du bist dumm, das schaffst Du nicht, sei still! Vielleicht wünscht sie sich einmal Führungskraft zu sein, sitzt aber „nur“ im Empfang eines Büros. Die aus der Kindheit herrührende Blockade muss aufgelöst werden, hier gibt es unterschiedliche Interventionstechniken mit denen man arbeiten kann, aber es ist ein harter Weg.

Es kann aber auch sein, dass extern Dinge auf uns zukommen, mit denen wir nicht gerechnet haben. Da gehören u.a. auch Schicksalsschläge in der Familie oder aber auch in unserem Umfeld dazu.

Die Frage ist aber dann, ob sich die Menschen wirklich auf einem Lebensweg jenseits von dem begeben, was sie sich wünschen oder ob dieses Schicksal vielleicht doch zu ihrem Lebensweg gehört. Vielleicht ist der Weg, seine Wünsche auch zu erreichen dann einfach etwas länger und man benötigt mehr Ausdauer.

Wissen diese Klienten oft schon, was sie eigentlich lieber tun würden, als das, was sie bisher getan haben?

Auf jeden Fall. Die Liste: „Was ich eigentlich immer schon tun wollte“ ist bei den meisten Menschen extrem lang, wenn man sie danach fragt. Die Liste verkürzt sich allerdings enorm, wenn sie sich mit ihrer Liste genauer auseinandersetzen.

Es handelt sich meistens um unreflektierte Wunschlisten. Oft wird vergessen, dass man für das Erreichen seiner Wünsche/Ziele einen Preis bezahlen muss und nicht nur Gewinne verbuchen wird. Setzt man sich damit einmal ganz konkret auseinander, so stellen viele Menschen fest, wie unrealistisch eine Vielzahl ihrer Wünsche sind oder aber auch, dass der Preis zu hoch wäre und streichen sie von der Liste.

Wie helfen Sie jenen, die gar nicht so recht wissen, was sie erfüllen würde?

Mit diesen Menschen gehe ich gemeinsam auf die Suche, wir machen sehr viel Phantasiereisen oder auch schon mal eine Psychohygiene. Auf diesen Reisen ergeben sich die tollsten und interessantesten Dinge für die Menschen. Noch vor kurzem hatte ich eine Kundin (43 Jahre), die zu mir kam und meinte, nichts im Leben würde sie so richtig interessieren, nicht einmal ihre Kinder. Mit dieser Kundin habe ich eine Phantasiereise gemacht. Ganz schnell wurde aus der Phantasiereise eine Psychohygiene, wobei wir eine schmerzende Stelle am unteren Rücken festgestellt haben. Mit verschiedenen Techniken haben wir diese dann so gut es eben ging aufgelöst.

Diese Stelle hatte natürlich eine psychische Komponente, was der Kundin vorher nicht bewusst war. So erzählte Sie von Ihrem Problem, was Sie vorher als solches noch gar nicht wahrgenommen hatte.  Schon das reden darüber löste bei ihr ganz viel auf, es kam viel aus der Vergangenheit, aus ihrer Kindheit zu Tage. Sie hat für sich selbst beschlossen, dass sie das nicht mehr mit sich rumschleppen möchte und hat ihren „Rucksack“ abgelegt, in einer symbolischen Geste.

Geführte Phantasiereisen führen oft an Orte, an denen man vorher noch nie war, man vielleicht gar nicht wusste, dass es sie überhaupt gibt. Viele Menschen erkennen dort, was sie im Leben erfüllen würde.

Woher kann man den Mut nehmen, den eigenen Weg zu gehen?

Mut erfordert immer wieder die Überwindung von Ängsten. Das kann man sich so vorstellen: Auf der einen Seite der Mauer steht der Mensch und auf der anderen Seite die Angst. Was passiert, wenn man als Mensch die Angst einfach gewähren lässt? Sie wächst und irgendwann bewegt sie sich über die Mauer hinweg und verkleinert den Lebensraum des Menschen und nimmt immer mehr Raum ein. Man muss sich der Angst stellen, über die Mauer schauen um festzustellen, dass auch ich als Mensch über die Mauer klettern kann und den Lebensraum der Angst verkleinern kann.

Eine Vielzahl von Menschen überwinden Ihre Ängste erst dann, wenn der Leidensdruck den sie jahrelang verspürt haben, sehr hoch geworden ist. Dann bäumen sie sich auf und fassen den Entschluss etwas zu ändern. Wobei hier der Weg erst beginnt. Alles, was man im Coaching lernt, muss auch umgesetzt werden, erst mit der Umsetzung kann die Veränderung beginnen.

Das Ziel, den eigenen Weg zu gehen sollte man komplett verinnerlichen. Man sollte dieses Ziel leben, sich immer wieder bewusst machen, was das für das eigene Leben bedeutet. Es hilft auch schon, wenn man seine Ziele gedanklich visualisiert und in den schönsten Farben, Formen und Konturen ausmalt.  Das Gehirn nimmt diese Prozesse positiv wahr.

Was können psychologische Beratung und Coaching leisten – und wann ist ein Psychotherapeut die richtige Adresse?

Für die Arbeit mit meinen Kunden halte ich die Kombination von psychologischer Beratung und Coaching als zwingend notwendig.

Ich benötige psychologisches Wissen, damit ich im Coachingbereich überhaupt etwas bewirken kann, was auch in die Nachhaltigkeit geht.

Coaching und psychologische Beratung können befreiende Klarheit über die eigene Richtung und die eigenen Ziele geben. Die Menschen lernen ihre eigenen Lebensmotive, ihre persönlichen Werte, Bedürfnisse, Wünsche und Visionen kennen.
Stärken, Fähigkeiten und die eigenen Ressourcen werden offengelegt und gefördert.

Sie lernen aber auch, hinderliche innere und äußere Blockaden zu entdecken und diese zu lösen.

Der Fokus liegt auf der Förderung der Selbstreflexion, Selbstwahrnehmung, Bewusstsein und Selbstverantwortung.

Ziel ist es, innere Stabilität und Entschlossenheit zu schaffen und den Kunden erweiterte Handlungsmöglichkeiten und Verhaltensmuster mit auf den Weg zu geben. All dies führt zu mehr Motivation und Lebensfreude.

Entscheidender Unterschied zwischen Coaching und Psychotherapie ist, dass Coaching sich prinzipiell an „Gesunde“ richtet, die ihre Probleme durchaus noch alleine lösen könnten, dies aber mit Hilfe der Beratung/des Coachings effektiver angehen wollen.
Psychische Erkrankungen und Abhängigkeitsprobleme gehören nicht in das Tätigkeitsfeld eines Coaches.

Ein guter Coach sollte erkennen, wann eine Psychotherapie angebracht ist. Auch hier ist es von Vorteil, wenn man als Coach auch eine gewisse psychologische Grundausbildung hat, um dies schnell erkennen zu können.

Woran erkennt man einen guten Coach?

Für mich gibt es hier vier entscheidende Kriterien:

  1. Das eigene Denken, Fühlen und Verhalten des Coachs sollte geprägt sein von hoher sozialer Kompetenz.
  2. Der Coach muss gut und genau zuhören können und mit den Coachees wertschätzend und authentisch umgehen.
  3. Ein guter Coach muss praxis– und lösungsorientiert arbeiten.
  4. Ein guter Coach sollte eine fundierte Ausbildung haben, die dazu dient, menschliches Handeln zu verstehen und zu erklären.

Wie können die Leser Sie am besten kontaktieren?

Ich freue mich sehr über persönliche Kontaktaufnahmen per Telefon. Da kann sich der Kunde schon einmal einen ersten Eindruck machen, außerdem lässt sich Vieles bereits am Telefon abklären.

Das ist besonders schön, wenn man sich für das Telefoncoaching entscheidet, da es der einfachste und schnellste Weg ist: 0241 – 400 16 8 17.

Ansonsten kann man mich ebenfalls schnell und einfach über meine Homepage: www.coachingundmediation.de bzw. www.coamed.de. kontaktieren. Dies ist auch der erste Weg, sollte man sich für ein E-Mail Coaching entscheiden.

Die dazu passenden Mail-Anschriften lauten: felix@coachingundmediation.de oder info@coamed.de.

Herzlichen Dank für das Interview!

 

Photo: Leland Francisco