Etwas zu schaffen, das bleibt,
bedeutet nicht, dass man sich
einen runterwichst wie ein voll-
gefressener Bandwurm, es recht-
fertigt weder großes Getue
noch Geldgier, nicht einmal
Ernst; jedenfalls nicht immer,
aber ich würde sagen, es verlangt
die besten Männer in ihren besten
Augenblicken, und wenn sie sterben
und etwas anderes überlebt
dann haben wir das Wunder:
etwas Unsterbliches

– Charles Bukowski

Vor mir auf dem Tisch im Café stehen ein Teller mit einem ausgerupften Croissant und eine fast leere Tasse Kaffee, die bald hier verschwinden wird und vom Kellner wohin auch immer gebracht wird und durch eine neue ersetzt. Daneben das Buch, in dem ich gerade dieses Gedicht von Bukowski las.

Ich weiß nicht, ob ich unsterblich werden will. Eher nicht. Aber wenn, dann sehe ich nur zwei Möglichkeiten: Kinder kriegen oder etwas aufbauen, das die Menschen noch in ihrem Leben haben, wenn ich mein Leben nicht mehr habe. Die Möglichkeiten schließen sich nicht aus, sie katalysieren sich vielleicht sogar: wer Kinder hat, muss Vorbild sein, sie nicht nur ernähren, sondern sie nicht nur in die Breite und die Höhe wachsen zu lassen, hat eine Verantwortung, die darüber hinausgeht, morgens im Café zu sitzen und Croissants zu essen und Kaffee zu trinken und Gedichte von tragischen Männern zu lesen.

„Geschäftsidee“ = Zeitverschwendung?

Da ich mich mit Kindern nicht auskenne, möchte ich ein paar Dinge loswerden zur zweiten Möglichkeit: dem Aufbau von etwas, das den Aufbauenden überdauert.

In den Medien kursiert gerade die Story eines Typen, der das Wort „Weltuntergang“ in Zusammenhang mit Partys hat schützen lassen, und der jetzt sämtliche Veranstalter abmahnt, die seinen geschützten Begriff für ihre Feiern nutzen. Er wird, genau wie sein Anwalt, vermutlich einiges an Geld damit verdienen können.

Vor einigen Jahren hat ein Mensch eine Website gebaut, die „1 Million Pixel“ oder so hieß. Er verkaufte dabei einzelne Pixel an Werbekunden. Die Werbekunden konnten auch mehrere Pixel kaufen, um zum Beispiel ihr Logo darstellen zu können auf dieser Seite. Die Gesamtmenge zu verkaufender Pixel stand von vornherein fest: 1 Million. Die Website wurde berühmt, alle Pixel wurden verkauft, jeder davon brachte dem Betreiber 1$, insgesamt verdiente er also 1.000.000$.

Beide Beispiele zeigen: man braucht nur eine Geschäftsidee – und schon kann man damit ordentlich Geld verdienen, ohne viel Arbeit hineinstecken zu müssen.

Ich halte das Prinzip „Geschäftsidee“ jedoch für überbewertet. Für eine Zeitverschwendung.

Warum?

  1. Mit Geschäftsideen ist es wie mit einem Lottogewinn: die allerallerwenigsten gewinnen das Spiel. Da können Jahre draufgehen, in denen „man nur noch auf eine Idee wartet“, bevor man seinen Traum erfüllt und sich selbstständig macht. In dieser Zeit hätte man längst etwas mit Substanz erschaffen können, das auf den eigenen Stärken und Leidenschaften beruht.
  2. Diese Ideen sind, wie in den beiden Beispiel, sehr oft mit dem Geldverdienen verknüpft statt mit dem Schaffen dauerhaften Wertes. Daher fehlt es ihnen sehr oft Liebe und Leidenschaft. Anders, als würde man sich fragen: „Worauf habe ich ganzen Herzens Lust?“.
  3. Daraus folgt: Geschäftsideen machen nur in sehr seltenen Fällen unsterblich.

Heißt nicht, dass ich nicht froh bin über die Erfindung des Rades und die Nutzung der Elektrizität.

Aber ich habe einfach schon 192371923,431 Mal gehört (und ja auch an mir selbst zum Teil erlebt), wie jemand von einer Idee spricht, und dann nichts unternimmt, oder auf die Idee wartet und sie als Ausrede vor sich herschiebt, bis er mit seinen Träumen ins Grab geht. Seit das Internet genauso in den Haushalt gehört wie das Klo, hat sich der Glaube stark verbreitet, man sei nur eine Idee entfernt von der eigenen Villa am Starnberger See oder am Wannsee.

Der beste Business-Plan ist der, den man wirklich umsetzt

Der beste, der erfolgreichste Business-Plan ist für mich der, den man beharrlich umsetzen kann. Die „cleveren Geschäftsideen“ jedoch werden entweder nie umgesetzt oder nach den ersten Rückschlägen aufgegeben.

Liebe und das Durchhaltevermögen, das sich aus ihr nährt, sind an dieser Stelle viel wichtiger als Cleverness.

Daran glaube ich fest. Es ist damit eine der wenigen Sachen, an die ich fest glaube.

Wenn Du Dich also häufiger dabei erwischst, wie Du von der großen Idee träumst, bist Du – aus meiner Sicht – auf einem Holzweg statt auf Deinem Herzensweg. In diesem Fall stehen die Chancen schlecht für Dich, vor allem, wenn Du mit Deinem Leben gern etwas hinterlassen würdest.

Eine Frage, die mir Klarheit verschafft hat

myMONK mag für die meisten vielleicht aussehen wie eine weitere Website über Entspannung und Persönlichkeitsentwicklung, davon gibt es allein im deutschsprachigen Raum tausende, etliche davon geboren aus dem Wunsch, schnell und lieblos Kohle damit zu machen, etliche davon liegen schon im Sterben oder tot auf Servern, nur dass Bits nicht von Würmern zerfressen werden.

myMONK ist aus der Frage entstanden:

Was würde ich lieber tun als alles andere auf der Welt?

So tritt das Beste hervor, was wir tun können.

Eine Menge Liebe in Form von mit dem Herzen verbundener Arbeit steckt in der Seite und ich kann mir gut vorstellen, dass mit der Seite über die Jahre und womöglich Jahrzehnte etwas entsteht, das mich überdauert.

Etwas Unsterbliches.

Und wenn nicht, dann hatte ich mit meinem Mönch immerhin eine richtig gute Zeit (die mir aus lieblosen Motiven gegründete Dinge nie verschafft hätten).

Siehe auch Wie man Wert schaffen und von seiner Leidenschaft leben kann.
Photo: Jose Luis Cernadas Iglesias