Frank Waltritsch ist indoor- und outdoorbegeisteter Coach und Unternehmensberater. Was man von da Vinci lernen kann, wie kreatives Schreiben uns wachsen lassen kann, was ein Plastikstrohhalm in der Nase zu suchen hat, wie man eine "Work-Life-Balance" hinbekommt und warum dieser Ausdruck allein schon irreführend ist, darüber spricht er im myMONK-Interview.
Hallo Herr Waltritsch, vielen Dank für Ihre Zeit, ich freue mich, Sie auf myMONK begrüßen zu dürfen. Worauf freuen Sie sich heute?
Gleich mehrere Dinge: Zum einen treffen meine Geschäftspartnerinnen, von den Vormittagsaufträgen gleich ein, dann gibt´s den Austausch darüber (und an feinen Kaffee…), zum anderen habe ich ein paar Gespräche vereinbart, mit Kandidatinnen für die nächste Lebens- & Sozialberater Ausbildung, und dann noch auf die Stille – unser Haus bekommt einen Vollwärmeschutz und in den letzten Tagen wurde unentwegt gebohrt….
Was ist Ihr größter Traum? Und was tun Sie, um diesen zu verwirklichen?
Gesund und ausgeglichen durch´s Leben zu gehen, und im Altwerden jung zu bleiben.
Und das gemeinsam in der Geborgenheit der Familie.
Ich checke vor allem meine Überzeugungen und eliminiere die, die mich daran hindern auf allen vier Ebenen (geistige-, soziale-, mentale- und physische Ebene) meine Potenziale aus zu leben bzw. zu entwickeln. Ich sorge beständig für Ausgleich in dem ich mich körperlich aktiv bin und in der Kunst versinke (Bilder und Skulpturen – zu sehen auf waltritsch.at). Ich bin glücklich verheiratet.
Warum halten Sie Vorträge über Leonardo da Vinci? Was kann man von ihm lernen – und wie?
Wir leben in einer Zeit großer Herausforderungen, eine davon ist das Schließen der immer weiter auseinander driftenden Schere, die man beschreiben könnte als: „overnewsed and underinformed“ LdV war max. informed weil er selbst auf die Suche nach der Wahrheit gegangen ist – entsprechend dem ersten Prinzip der Curiositá – Neugierde. Wenn wir diese verlieren, verlieren wir uns selbst – man denke nur mal an Kinder wie neugierig die sind, und wie viel davon bei uns erwachsenen übrig geblieben ist? Die sieben Prinzipien, den Werken und Taten von LdV entnommen, können uns helfen unseren Lebensweg für uns übersichtlicher, einfacher und somit auch lebbarer bzw. erfolgreicher zu gestalten- wie auch immer der individuelle Erfolg aussieht. Wie viele der heutigen Probleme der Menschheit wären bereits gelöst, wenn jeder seine Ideen aus der mentalen Schublade holen, und diese gemeinsam mit anderen umsetzen würde – Prinzip der dimostrazione?! Die Prinzipien sind wenige, aber Effektive und in jedem Kontext umsetzbar.
Über die Betrachtung und Relflexion der Werke die er geschaffen hat, lässt sich sehr gut veranschaulichen wie LdV die Prinzipien gelebt hat, und wo sie ihn letztendlich hingeführt haben. Prinzipien haben die Eigenheit immer und für jeden gültig zu sein, ansonsten sind es keine Prinzipien. Also sind diese nicht nur für Ingenieure und Maler (beides war LdV) sondern für uns alle relevant und geeignet.
Was sind blinde Flecken? Und wie können wir das Nicht-Gesehene sehen und integrieren?
Blinde Flecken sind unbewusste Verhaltensmuster die wir solange für unser Wachstum nutzen, bis wir einen Entwicklungsschritt gemacht haben. Zum Beispiel kann es sein das wir schon den 5 PartnerIn haben mit der(m) es nicht klappen will eine schöne Beziehung zu haben. Wir entdecken vielleicht noch, dass alle etwas gemeinsam haben, aber der Grund warum das so ist, bleibt uns verborgen – der blinde Fleck. Weil dieser eben unbewusst ist, gelingt es uns nicht diesen selbst zu sehen. Dann braucht es die Hilfe von außen. Manchmal gelingt dass unseren FreundInnen oder LehrerInnen. Für die Menschen die uns beim systemischen Coaching ihr Vertrauen geben, schauen wir genau hin, wo die blinden Flecken sich befinden. Der Vorteil den unsere KundInnen haben: wir stellen Fragen die keine beste FreundIn stellen kann – weil wir excellent ausgebildet sind, und weil wir nicht Teil des sozialen Lebens von KlientInnen sind. Wir sind also von emotionalen Bindungen weitest gehend befreit. Für uns sind blinde Flecken helle Signalfahnen, die uns den Weg zeigen wie die KlientInnen ihr Thema lösen, und wie wir sie dabei unterstützen können.
Wenn ein Fleck dann nicht mehr Blind ist, mutiert er sofort und mit voller Kraft in neues Potenzial das geweckt wurde – ein (der) Wachstumsschritt.
Kann kreatives Schreiben helfen, den eigenen Weg zu finden? Wenn ja, können Sie da zwei Übungen empfehlen?
Schreiben ist eine spannende Spurensuche: Spielen wir mit den richtigen Worten, können wir unser Selbstbewusstsein steigern. Wir folgen unseren Gedanken, lassen sie ohne Zensur auftauchen und erforschen Wünsche und Ziele. Die passenden Übungen führen uns zu Werten und Motiven, die unser Leben bereichern und uns glücklich machen können. Kreatives Schreiben unterstützt uns auf kreative und lustvolle Weise, das eigenen Ich zu entdecken.
Zwei einfache und sehr wirkungsvolle Übungen sind das „free writing“ (1) und die „statt-dessen-Übung“ (2).
Beim „free writing“ (1) gönnen Sie sich – möglichst täglich – 3 Seiten Zeit: Sie machen es sich gemütlich, setzen einen Stift links oben auf einem leeren Blatt an und lassen all Ihre auftauchenden Gedanken aufs Papier fließen. 3 Seiten lang. Dabei gibt es kein „richtig“ oder „falsch“ – nur das Hängenbleiben in den eigenen Gedanken oder Überlegungen, möglichst „gute“ und „intelligente“ Sätze zu formulieren, können sich als Stolperstein zeigen. Dann heißt es einfach: wieder Stift aufs Papier und Wörter weiterfließen lassen. Ziel ist es, sich die „inneren Dialoge“ mit allen Gedankensprünge, Wort-Kreisläufen, Wiederholungen und Ideen zwischendurch bewusst zu machen. Manche schreiben „Morgenseiten“ gleich nach dem Aufstehen, andere „Abendseiten“, um den Tag abzuschließen. Jede Zeit hat dabei ihre eigene Qualität. Je regelmäßiger diese Übung durchgeführt wird, desto besser entwickelt sich unser „Wahrnehmungs-Muskel“ – er lässt uns Schritt für Schritt die Weisheit unserer inneren Stimme erkennen.
Neue Perspektiven eröffnet uns auch die „statt-dessen-Übung“ (2): In einem ersten Schritt formulieren wir Sätze, die beschreiben, was wir nicht mehr in unserem Leben haben wollen. In einem zweiten Schritt ändern wir für jeden aufgeschriebenen Änderungswunsch die Perspektive mit den Worten „…, stattdessen möchte ich …“. Lassen Sie sich überraschen, welche Wünsche oder Ziele dabei auftauchen.
Welche Atem- und Körperübungen helfen akut, wenn wir gestresst, unruhig oder aufgebracht sind – zum Beispiel vor einem Vortrag oder in einem Meeting?
Ein einfaches und geniales Instrument ist der von uns so genannte „9er Entspanner“.
Ein 9 cm langer Plastiktrinkhalm, durch den man in der Ausatemphase hindurch atmet.
Bereits nach wenigen Ausatmungen stellt sich eine deutlich merkbare Entspannung ein.
Für Manager die oft in Sitzungen sein müssen, ist die 5cm Version hilfreich – der „5er Entspanner“. Dieser lässt sich bequem und ungesehen in der hohlen Hand verstecken – funktioniert ausgezeichnet wie viele Rückmeldungen beweisen. Aufpassen und Taschentuch bereit halten, es geht meist etwas Speichel mit durch das Rohr – kann peinlich werden…
Was sind die größten Geheimnisse einer funktionierenden „Work-Life-Balance“? Oder ist der Begriff selbst schon völlig irreführend?
Persönlich tu ich mir mit dem Begriff sehr schwer, weil er suggeriert das Leben lediglich außerhalb der Arbeit stattfindet. Medien nutzen diesen Unsinn geschickt aus, indem sie Montag morgen schon meinen, dass es noch sehr weit ist bis zum Freitag – bis zum Leben also…
Wenn es Geheimnisse gibt, dann ist es wohl das der eigenen Potenziale und Talente. Die Mehrheit der Menschen weiß auf die Frage: „Was sind deine Talente bzw. worin stecken deine größten Potenziale?“ keine oder sehr allgemeine, für jeden anderen Menschen auch gültige, Antworten. Sehr viele unserer KundInnen haben nur vage Vorstellungen was sie alles machen könnten. „Wenn ich nur die Gelegenheit dazu hätte …“
Aus meiner Sicht, trägt die Fähigkeit Verantwortung zu übernehmen, und die innere Haltung in jeder sich bietenden Gelegenheit dies auch zu tun, das größte Potenzial für eine gesunde Balance der Lebensenergien. Das beinhaltet jede der vier Ebenen (aus dem systemischen Menschenbild: geistige-, soziale-, mental/emotionale-, und physische Ebene). Alle vier Ebenen verantwortungsvoll im Alltag beachtet und gelebt, garantiert ein hohes individuelles Potenzial, und die Fähigkeit diese in Balance zu leben. Jede Ebene in gleichem Maße, eine Ebene kann Versäumnisse auf den anderen nicht kompensieren – das wird in unserer Zeit aber rigoros versucht, und deswegen gibt´s diese Schwierigkeiten, die richtige Balance zu finden. Ein Abend-, und Lehrgang füllendes Thema ☺
Ein Foto auf Ihrer Website zeigt Sie in Nadelstreifen-Hose und Turnschuhen. Was bedeutet das?
Von Mai bis Oktober sind wir sehr viel mit Einzelpersonen, Teams und Firmen draußen unterwegs. Meine langjährige Erfahrung Menschen durch teils extreme Wetterbedingungen am Meer und am Berg sicher zu führen, haben uns bei CoachingPartner dazu veranlasst, einige Inhalte auch outdoor an zu bieten. Eines der Highlights ist z.B.: das „Erlebbarmachen“ eines Firmenleitbildes. Wir haben bemerkt das es oft wunderbare Leitbilder in Firmen gibt, die kunstvoll auf der website erscheinen, aber sonst ein tristes Leben in irgendeiner Schublade fristen, und von niemanden umgesetzt werden, bzw. viele Mitarbeiter nicht mal die Kenntnis von den Inhalten haben. Die Natur wirkt auf uns Menschen sehr verstärkend, und so kann man mit vergleichbar geringem Aufwand Gegenüber indoor Aktivitäten, den Begriff einer Vision, Mission oder Corporate Social Responsobility – CSR (übrigens einer der „Meistmissverstandenen“ Ausdrücke unserer Zeit) für alle erlebbar, greifbar und schlussendlich umsetzbar machen. Als Lehrgangsleiter, Trainer und Coach bin ich also mit meinen KollegInnen drinnen und draußen mit gleicher Begeisterung unterwegs.
Was hat es mit „LakeHopping“ auf sich?
LakeHopping ist ein äußerst interessantes und ereignisreiches outdoor Erlebnis.
Es findet in der Kärntner Seenlandschaft statt, in der wir in vier Tagen bei 8! Seen vorbei kommen (Teiche für Schneeanlagen nicht mit gerechnet). Es geht hier um Selbst-, und Naturerfahrung und den Transfer von erlebten Stärken in den Alltag. Das besondere sind hierbei die „gehirngerechten“ Erfahrungen. Das bedeutet das Gehirn kann die gemachten Erfahrungen im Alltag der TeilenehmerInnen wiederholbar umsetzten und dadurch Gelerntes etablieren. Die unterschiedlichen Bewegungsarten ermöglichen unterschiedlich Erfahrungen zum ein und demselben Thema – eine weitere Garantie für die nachhaltige Wirkung.
Wir haben hier mit unseren Partnern ein Produkt geschaffen, das sich neben Humor und Tiefgang vor allem auch dadurch auszeichnet, dass richtige Maß an „Arbeit und Entspannung“ an die Gruppe und den Einzelnen angepasst, zu bieten. So wird ein Maximum an Erfolg sicher gestellt. Erfolg heißt in diesem Fall, Umsetzung des Gehörten, Erlebten und Reflektierten im Alltag, mit der Möglichkeit auf dauerhafte Umsetzung.
LakeHopping ist also Ideal dazu geeignet, sich das eine oder andere Thema, das die TeilnehmerInnen beschäftigt, an zusehen und eine Veränderung zu beginnen bzw. weiter zu treiben. Und außerdem genießen wir Essen direkt vom Bauernhof – so ein Brot mit so einer Butter bekommt man selten irgendwo – schon gar nicht in mitteleuropäischen Städten…
Wo können die Leser mehr über Sie und Ihr Team erfahren?
Herzlichen Dank!
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