Text von: Lena Schulte

„Drei Dinge helfen, um die Mühseligkeiten des Lebens zu tragen: Die Hoffnung, der Schlaf und das Lachen.“

Sagt Kant. Ein kluger Mann. Aber lach mal in wirklich schweren Zeiten, grummelt dann mein innerer Pessimist. Denn es gibt sie viel zu oft, diese Zeiten, in denen weder Hoffnung noch Schlaf funktionieren – und an Lachen sowieso nicht zu denken ist. Zeiten, in denen die Gesundheit plötzlich Vergangenheit ist. In denen der Mensch, der sonst für die schönsten Erinnerungen verantwortlich war plötzlich selbst nur noch eine Erinnerung ist. Zeiten, in denen man Niederlagen erlebt, die die Dimension einer prototypischen Niederlage neu definieren. Manchmal auch gerne alles auf einmal. Das Schicksal lässt sich schließlich nicht lumpen, wenn es erst einmal dabei ist, mit Mist um sich zu werfen.

Sich in solchen Momenten zu einem „Lach doch mal“ zu motivieren, ist dann fast unmöglich. Für mich fühlt sich das schnell falsch an. Als würde ich auf einem sinkenden Schiff stehen und mich daran erfreuen, dass es aufwärts geht.

Deswegen kommt jetzt keine Schritt-für-Schritt-Anleitung wie sich Probleme mit genügend Humor in Luft auflösen – sondern eine Erinnerungshilfe, was Du Gutes tust, wenn Du es ab und zu schaffst trotzdem zu lachen.

1. Du hilfst anderen (mehr, als du denkst)

Partner weg, Krankheitsdiagnose da. Innerhalb von 24 Stunden kann viel passieren.

Zu allem Überfluss hatte ich gerade Besuch von jemanden, dem es selbst schlecht ging. In seiner Verfassung hätte er sich eigentlich zu mir auf die Couch legen müssen, mitten hinein in meine Wut, Angst und schäumenden Schicksalsekel. Stattdessen fing er an zu lachen und machte Witze. Wahrscheinlich, weil wir den Zenit des Grotesken schon längst hinter uns gelassen hatten.

Irgendwann fing ich auch an zu lachen. Genauer gesagt wechselten sich Tränen und Gelächter ab. Trotzdem half es mir ungemein, dass er mich Häufchen Elend zum Lachen brachte, obwohl es ihm auch schlecht ging. Was wir tun, überträgt sich eben auf andere. Manchmal auch auf diejenigen, die ein Lachen sogar noch dringender brauchen als wir selbst.

2. Du wirst unangreifbarer

Die schlagfertigsten Menschen haben oft eine Gemeinsamkeit: Sie können über sich selbst lachen, bevor es andere tun. Auf blöde Sprüche reagieren sie in Windeseile, meist, ohne dass ihr Selbstwertgefühl ernsthaften Schaden daran nimmt.

Ein Paradebeispiel dafür ist meine Freundin: Wir sitzen in einer Gruppe am Strand, unterhalten uns, ein streitlustiger Nebencharakter tritt auf. Ihm gefällt einer ihrer Äußerung nicht, beleidigt sie vor allen Leuten als „dumme Schlampe“. Zugegeben, ziemlich daneben, ich schaffe es vor lauter Empörung bloß eine unerotische Gesichtsentgleisung zu Stande zu bringen. Und sie? Grinst in die Runde und sagt mit vollstem Vergnügen: „Hast du mich gerade etwa dumm genannt?“

3. Du bekommst Abstand

Die Zeit ist nicht nur ein guter Freund der Anti-Aging Industrie, sondern auch auf unserer Seite, wenn es darum geht, Dinge mit Abstand neu zu bewerten. Was früher noch ein halber Weltuntergang, die größte Peinlichkeit oder das schlimmste Ende war, wird nicht selten in der Rückschau als ein „Inzwischen kann ich drüber lachen“ umformuliert.

Heißt übersetzt nichts weiter als: Ich habe das Kapitel abgeschlossen – jetzt stehe ich darüber und es ist in Ordnung. Damit treten wir einen Schritt neben uns und das, was passiert ist. Indem wir drüber lachen können, nehmen wir eine neutralere Rolle ein, legen unserem alten Ich aufmunternd die Hand auf die Schultern, und können es beruhigen. Warum also nicht schon jetzt (oder zumindest demnächst) drüber lachen?

4. Du löst Probleme kreativer

Gelotologen, sogenannte Lachforscher, bestätigen in ihren Studien immer mehr, was der Volksmund schon lange wusste: Lachen ist gesund. Und trotzdem hat eine weltweite Studie herausgefunden, dass 12 Prozent der Deutschen „gelotophobisch“ sind, also an einer Lach-Angst leiden (ein nicht unerheblicher Teil davon scheint ausgerechnet an meinem Finanzamt zu arbeiten).

Dabei ist Lachen nicht nur gesund, sondern steigert auch die Kreativität. Damit wir uns über unsere Missgeschicke amüsieren können, benötigen wir nämlich Denkschmalz, der unsere Probleme in eine neue Form gießt, über die wir dann lachen können. So üben wir uns darin, Probleme aus einer anderen Perspektive zu sehen und neue Lösungsmöglichkeiten zu finden.

5. Du schulst Deine Menschenkenntnis

Anhand der Dinge, über die wir so lachen können, lernen wir einiges über den, der lacht (auch über uns selbst). Schließlich können wir nur das witzig finden, was uns betrifft, zu dem wir einen Bezug haben und das wir nachvollziehen können.

Für unser persönliches guter-Humor-Siegel darf der Spaß außerdem unsere Werte nicht allzu sehr angreifen. Darüber hinaus und bei Themen, die uns sehr wichtig sind, finden wir etwas „so gar nicht mehr witzig!“ Vor allem zeigt es uns auch, inwieweit wir oder unser Gegenüber die Meinung eines anderen zuzulassen können, ohne uns von ihr bedroht zu fühlen.

6. Neue Türen öffnen sich leichter

Es gibt Leute, die anscheinend vom Glück geküsst sind. So jemanden erlebe ich ab und zu in Aktion. Und es ist fast gruselig, was für tolle Gelegenheiten ihm immer wieder einfach so in den Schoß fallen. Er ist auf einem fremden Kontinent, pleite, verirrt. Kein Problem, reiche Geschäftsleute kreuzen seinen Weg, bieten ihm Obhut in ihrer Villa. Er beschließt, dass er wieder eine Freundin haben will – zwei Tage später verliebt sich ein absolut hübsches Model in ihn. So läuft es erstaunlich oft bei ihm. Und wenn nicht: auch kein Drama. Man könnte fast meinen, das Schicksal liebt ihn. Was ist sein Geheimnis? „Ich mag es einfach, anderen mit meiner guten Laune eine Freude zu machen.“

Wie gesagt, wir müssen keine gute Laune aus unser herauspressen, wenn da gerade keine ist. Aber wer weiß, was alles passiert, sobald wir uns entschließen, das Beste draus zu machen?

7. Es hebt Deine allgemeine Stimmung

Der vielleicht wichtigste Punkt. Du wirkst mit einer guten Portion Humor nicht nur stärker und unangreifbarer, Du bist es auch. Es hebt Deine Laune und gibt Dir Gelassenheit und Wohlbefinden zurück, Stück für Stück. Ich glaube, Humor ist wie ein Muskel. Trainieren wir ihn regelmäßig, kann er unliebsamen Gefühlsschwankungen etwas entgegensetzen und unsere Stimmung stabilisieren. Ein bisschen Ruhe, ein bisschen mehr Leichtigkeit, nur für uns selbst – unabhängig davon, ob es im Außen drunter und drüber geht.

Auch wenn das Leben nicht immer lustig ist, werde ich in Zukunft doch versuchen, in den schweren Zeiten etwas öfter aus dem dunklen Kellerloch meiner Gedanken zu entfleuchen. Und wer weiß … vielleicht lande ich damit ja auch in einer Villa?

Photo: Woman in the rain / Shutterstock