Manchmal schaue ich zurück auf den abgelaufenen Tag oder zurück auf die abgelaufenen Lebensjahre (abgerannt wohl eher, in Eile), und sehe vor allem eins: Die Dinge, die mir nicht gelungen sind. Hätte ich nicht mehr schaffen sollen, bekommen andere das alles nicht besser hin?

Dabei gibt es auch viel Gutes, Fortschritte, und Rücktritte von Sachen, die uns nicht gut tun. Doch übersehen wir sie so oft oder reden sie klein. Es ist, als wäre unser Gehirn dafür gemacht, uns zu deprimieren.

Ich hab schon häufiger gelesen, man solle seine Erfolge täglich aufschreiben, dann würde es besser werden. Dann denke ich, tja, das mag ja für den funktionieren, der Erfolge hat … aber für mich?

Schließlich bin ich heute schon wieder keinen Marathon gelaufen, hab keine Firma an die Börse gebracht und keinen putzigen Delfin gerettet (hier in München stranden einfach zu wenige).

Jetzt gibt’s gute Nachrichten für alle, denen es ähnlich geht.

Was wirklich zählt, sind die kleinen Erfolge

Wissenschaftler um Prof. Teresa Amabile von der Harvard Business School haben dieses Thema unter die Lupe genommen. Dazu untersuchten sie 12.000 Tagebucheinträge von 238 Mitarbeiten in sieben Unternehmen und fanden etwas, das sie das „Fortschritts-Prinzip“ nennen.

Die Teilnehmer sollten vier Monate lang jeden Abend eine kleine Fragebogen-Mail beantworten über ihre Emotionen und Stimmungen, ihre Motivation, darüber wie sie ihre Arbeit wahrnehmen, woran sie gearbeitet hatten und was für sie an diesem Tag besonders war. Die Forscher werteten die Einträge hinterher aus.

Sie stellten dabei fest:

„Den größten Unterschied darin, wie sich jemand fühlte, wie motiviert er war und wie positiv sein Blick auf die Situation war, machten Fortschritte bei einer bedeutungsvollen Arbeit aus.

Wichtig war dabei weniger, wie groß ein Fortschritt war. Was viel mehr zählte: Je häufiger der Teilnehmer einen Fortschritt aufschrieb und damit bewusst erlebte – und sei er noch so klein gewesen – desto besser ging es ihm, desto mehr Freude erlebte er und desto mehr schaffte er.

Die kleinen täglichen Erfolge aufzuschreiben lässt uns kontinuierlich Fortschritte erleben und stärkt uns. Das Gehirn erlebt dabei Belohnungen, der Neurotransmitter Dopamin wird ausgeschüttet. Es verändert sich. Mit der Zeit nimmt es Fortschritte immer besser wahr, schätzt sie mehr und ist motivierter, dran zu bleiben und langfristig auch sehr große Ziele zu erreichen.“

Wir brauchen also nicht auf den „Durchbruch“ warten, auf den „Meilenstein“, das große erreichte Ziel, bis wir feiern und zufrieden sein dürfen.

Es geht um die kleinen Schritte. Vor allem aber darum, dass wir sie aufschreiben, sie uns dadurch bewusst machen. So gewinnen sie an Kraft, geben uns Kraft, lassen uns den Weg genießen.

Das bringt natürlich nur etwas, wenn wir es regelmäßig tun. Wenn wir eine Gewohnheit draus machen. Und das geht meiner Erfahrung am besten so:

  1. Überlege Dir, warum die Erfolge täglich aufzuschreiben wichtig für Dich und Dein Leben ist. Dieses Warum ist Dein Treibstoff. Je klarer Dir Deine Gründe sind, umso weiter kommst Du.
  2. Nimm Dir nur 30 Tage vor, nicht eine ganze Ewigkeit. Es ist ein Experiment, keine Lebensentscheidung. Und nimm Dir jeweils nur zwei Minuten täglich vor, keinen Riesenbericht, der Dich überfordert.
  3. Wähle einen festen Punkt am Tag für diese zwei Minuten, zum Beispiel: immer vorm Abendessen oder nach dem Zähneputzen, egal wann. Hauptsache, die neue Handlung bekommt einen bestimmten, festen Platz an Deinem Tag. Dann wird sie deutlich leichter zu einem Automatismus, Du vergisst sie nicht.
  4. Entscheide nach 30 Tagen, ob Du das Verhalten beibehalten willst, das bis dahin ein gutes Stück Gewohnheit geworden ist und Dir leicht von der Hand geht.

(Mehr dazu im myMONK-Buch „12 Gewohnheiten, die Dein Leben verändern“)

Wir müssen nicht mehr leisten, wir sollten unsere Leistungen nur mehr würdigen. Das hilft uns mehr, als uns immer weiter zu überfordern und doch nie glücklich zu sein.

Heute hab ich übrigens eine Spinne gerettet. Immerhin!

Mehr über unser wandelbares Gehirn unter Sprich achtsam: Wie Deine Worte nachhaltig Dein Gehirn verändern und unter Wie Dankbarkeit Dein Gehirn verändert und Dich dauerhaft glücklicher macht.

 

Photo: lucpher