Die meisten Ziele wollte ich mit der Brechstange erreichen. Mit Willenskraft, Zwang und Selbstgeißelung. Manchmal klappte das sogar. Doch die Brechstange hatte auch meinen Blick für den Sinn verbogen. Zwar hatte ich die Tür aufgedrückt. Aber leider war es zu oft die falsche. Hinter ihr warteten nicht Glück und Ruhe auf mich, sondern nur die nächsten Türen, die es gewaltsam zu öffnen gab.

Nach dem, was ich von euch Lesern weiß, geht es vielen von uns so. Wir strengen uns an, sehr sogar, nutzen uns ab, und kommen doch nie an einem Ort an, an dem es uns wirklich gut geht. Das Leben bleibt ein Kampf. Blut, Schweiß und Tränen, und seltene, zu seltene Verschnaufpausen.

Über die Jahre lernte ich – und lerne es immer noch und immer wieder (alte Muster können stark sein) – dass es noch einen anderen Weg gibt. Am besten auf den Punkt bringt ihn die folgende wahre Geschichte vom Pferdezähmen:

Wird ein Wildpferd eingefangen, muss es zugeritten werden. Problem: die Angst des Pferdes vorm Sattel und vorm Reiter. Die Lösung: das Pferd mit Kraft und Dominanz unterwerfen, während es sich panisch wehrt. Brutalität. Verletzungen. Tiefes Misstrauen.

So hat man das über Jahrhunderte gemacht.

Dann kam ein Mann, den die Menschen bald „Pferdeflüsterer“ nannten. Statt das Tier zum Gehorsam zu zwingen, ging er langsam auf es zu, behandelte es sanft, schaute ihm in die Augen, streichelte es. Das Pferd entspannt sich. Er besteigt es erst, nachdem es ihm ein Signal gibt: „Ich vertraue Dir, Du kannst jetzt aufsteigen.“

Die alte Methode dauerte mehrere Tage, die neue oft nur ein paar Stunden.

Das lässt sich auf uns und unsere Ziele übertragen – das Leben ist ein Wild-Ponyhof.

Wenn wir aufhören, die Dinge mit aller Macht erzwingen zu wollen („ich muss doch … / es muss doch …“), und stattdessen darauf achten, was stimmig ist, sich gut anfühlt, geprägt ist von Vertrauen und Einklang statt von Gewalt … dann kann vieles leichter werden.

Den Weg gehen müssen wir dann immer noch selbst. Doch einige Türen öffnen sich nun fast wie von allein. Weil es die für uns richtigen sind. Und weil die Zeit reif ist.

Wo könntest Du ein bisschen locker lassen? Und was fühlt sich für Dich richtig an?

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