Ich möchte so akzeptiert werden, wie ich bin, und vielleicht sogar geliebt.

Jeder möchte das, denke ich: so sein dürfen, wie er ist.

Gleichzeitig erwarten wir von unseren Mitmenschen, dass sie sich ändern.

Wenn doch mein Sohn endlich nicht mehr von mir gestillt werden müsste (er ist doch schon elf – und ich bin der Vater), wenn die Partnerin doch nur gesünder leben und mehr Zeit mit uns verbringen würde, wenn die Kollegen doch nur zuverlässiger wären und nicht solche Trottel und die Autofahrer nicht so aggressiv …

„Dann wäre mein Leben so viel leichter und schöner!“

Oder auch:

„Ich will ihm/ihr doch nur helfen!“

Also versuchen wir, sie zu ändern. Wollen ihnen die Pläne, die wir für sie haben, den Rachen runter stopfen, friss das, na los, notfalls mit grobem Werkzeug, kein Wunder, dass es zu Verletzungen führt oder zum Ersticken … nämlich zum Ersticken der Beziehung.

Wie oft klappt das schon (nie) und wie frustrierend ist das für uns und den Anderen (enorm)?

Es bringt nichts.

Nein, es bringt einfach nichts.

Das allein ist doch Grund genug, es aufzugeben (schrieb er, und tut sich selbst schwer damit).

Was wir stattdessen ändern können, und das ist schon hart genug:

  • Unser Verständnis von uns selbst. Was genau macht das Verhalten des Anderen mit uns, was löst es aus, welche Knöpfe drückt es und warum gibt es diese Knöpfe überhaupt? Fühlen wir uns bedroht, ungeliebt, verleumdet? Ist es unser Drang, im Recht sein zu wollen? Oder spüren wir womöglich, dass wir dieselben Eigenschaften haben wie der, der uns so aufregt, wir sie uns aber nicht zugestehen?
  • Unsere Erwartungen. Verletzt oder enttäuscht oder ärgert uns das Verhalten eines Menschen, dann liegt das auch an unseren Erwartungen, an unseren Geschichten darüber, wie die Welt und die Leute zu sein haben (meistens anders). Was wir tun können: die Erwartungen lockern. Den Anderen als ganzen Menschen annehmen, mit all seinen sonnigen und schattigen Seiten. Uns in Verständnis und Mitgefühl üben, hineinversetzen, so gut es eben geht. Siehe 5 Erwartungen an Deine Mitmenschen, die Du loslassen solltest (und wie Du das schaffst)
  • Unsere Reaktionen. Wir können im Gegenüber einen Meister sehen, der uns hilft zu wachsen. Wir können lernen, Dinge nicht so persönlich zu nehmen, denn meistens überschätzen wir die Rolle, die wir für andere spielen, oft hat ihr Verhalten nichts oder nur sehr wenig mit uns zu tun. Wir können auch lernen, tief durchzuatmen und erst dann zu reagieren, um nichts zu tun, was wir hinterher bereuen.
  • Unser Verständnis vom Helfen. Es ist viel dran an dem alten Psychologen-Scherz: „Wie viele Therapeuten braucht man, um eine Glühbirne zu wechseln? Nur einen, aber die Glühbirne muss sich ändern wollen.“ Wir können niemandem helfen, der keine Hilfe möchte. Wir können ihm nur Raum geben und zeigen, dass wir für ihn da sind, wenn er uns braucht und um Hilfe bittet. Tut er das, so können wir fragen, welche Hilfe genau er sich von uns wünscht; wie wir ihn unterstützen können. Der wirkungsvollste Weg ist übrigens nachweislich, ein Vorbild zu sein, zum Beispiel auch unsere Ernährung umstellen, wenn das Kind abnehmen soll – nein: will.
  • Unser Umfeld. Wir können die Menschen um uns herum nicht ändern, aber wir können in den meisten Fällen ändern, welche Menschen wir um uns haben. Da draußen gibt es viele, die so sind wie Du und ich und andere sind es nicht, und bei manchen Puzzleteilen müssen wir vermutlich anerkennen: nein, das wird nichts, das passt nicht zusammen. Siehe auch Die 5 Menschen, die über Dein Leben bestimmen und 10 Anzeichen, dass Du Deine Bezeihung beenden solltest 

Das ist, was ich lernen möchte, das ist das Beste, was ich tun kann: andere sehen und sein lassen wie sie sind und die gemeinsame Zeit genießen.

 

Inspiriert von: zenhabits, Photo: João Lavinha