„Zu oft ist die einzige Flucht der Schlaf“, schrieb der Dichter Charles Bukowski.

Keine besonders lange Flucht, klar, aber immerhin. Die meisten Gefängnisausbrecher werden ja auch innerhalb weniger Stunden geschnappt. Unser Gefängnis: das dauernde Arbeiten, das dauernde Tun, das dauernde Denken.

Ein Nickerchen befreit uns davon, 20 Minuten, 30 Minuten lang, mitten an einem Tag, in dem wir uns zwischen tausend Aufgaben und Terminen eingesperrt fühlen wie in einer 5-Quadratmeter-Zelle.

Aber viel mehr noch. Ein Nickerchen hat einen Haufen wissenschaftlich erwiesener Vorteile für uns, unseren Körper und unser Gehirn.

Hier ein paar der nahezu endlosen Gründe, diese verlorene Kunst wieder neu zu erlernen.

Mehr Energie

Fertig, irgendwie angeschlagen, wenig aufnahmefähig und leicht REIZBAR? Wie ein sehr großes Baby, das nur noch schreien will?

Für eine Studie der Université Paris Descartes-Sorbonne sollten 11 gesunde Teilnehmer, die in der letzten Nacht nur zwei Stunden geschlafen hatten, am Folgetag ein 30-Minuten-Nickerchen machen. Als sie das nächste Mal eine nahezu schlaflose Nacht hinter sich hatten, durften tagsüber sie nicht schlummern. Ergebnis: Nach den Nickerchen zeigten sie keine der typischen Folgen von Schlafentzug wie schlechteres Urteilen, schlechte Stimmung oder ein erhöhtes Unfallrisiko.

Der Leiter der Studie Brice Faraut dazu:

„Unsere Ergebnisse legen nahe, dass ein 30-Minuten-Nickerchen die negativen hormonellen Effekte einer Nacht mit wenig Schlaf ausgleichen können.“

Gerade recht in unserer Zeit, in der so viele von uns schlecht schlafen können.

Mehr Gelassenheit

Eine andere Studie zeigte, dass wir vor allem an stressigen Tagen schwierige Herausforderungen gelassener und kompetenter meistern können, wenn wir zwischendurch mal die Augen zumachen.

Für die Studie, die im International Journal of Behavioral Medicine erschien, maßen die Forscher den Blutdruck von 85 gesunden College-Studenten aus Pennsylvania. Wer nach einer stressigen Aufgabe 45 bis 60 Minuten schlafen durfte, hatte einen deutlich niedrigeren Blutdruck als seine Kommilitonen. Das, so die Wissenschaftler, ist nicht nur gut fürs Herz. Weil Körper und Geist zusammenhängen, führt das auch zu mehr Gelassenheit im Kopf.

„Kein Tag ist so mies, dass er nicht mit einem Nickerchen wieder in Ordnung kommen kann“, schrieb Carrie Snow.

Mehr Kreativität und Gedächtnisleistung

Damit die Studenten nicht nur weniger ausbrennen, sondern auch besser lernen können, führen immer mehr Colleges in den USA „Snooze Rooms“ ein, wie TIME berichtet. Ruheräume mit High-Tech-Liegestühlen und Sitzkissen.

Forschungen haben gezeigt, dass die mit Kreativität in Verbindung stehenden Gehirnareale stärker aktiviert sind, wenn wir uns ein Schläfchen gönnen.

Wissenschaftler der Saarland-Universität wiesen außerdem nach, dass Nickerchen unsere Gedächtnisleistung verfünffachen (!). Ihr Gedächtnis verbesserte sich umso mehr, je regelmäßiger sie sich eine tägliche Augen-zu-Pause gönnten.

Also wenn Du Dir inzwischen kaum noch was merken kannst, Dich weder an den Hochzeitstag erinnerst, noch an den Namen Deiner Frau (Hinweis: er lautet nicht dann weißt Du, was zu tun ist.

Mehr Jugend

So. Das Wichtigste für uns Beauty-begeisterte myMONK-Anhänger zum Schluss (mein neues Schminkvideo gibt’s am Wochenende): Schlummern macht sexy.

Unser Gesicht ist aus vielen Muskeln zusammengesetzt. Wie der Rest unseres Körpers brauchen auch diese Muskeln Erholung. Kleine Schläfchen könnten dem vorzeitigen Altern entgegenwirken, ein natürliches Anti Aging sein.

Schlafen ist so wichtig wie Essen und Trinken. Und mit dem Nickerchen ist es wie mit dem Sport oder Meditieren: Je weniger Zeit Du angeblich dafür hast, desto dringender brauchst Du’s wahrscheinlich.

(Dieser Text enthält 4.083 Zeichen – 4.083 gute Gründe, mich jetzt erstmal wieder aufs Ohr zu hauen.)

Mehr unter So lange dauert das perfekte Nickerchen und unter Wie man in 30 Sekunden einschlafen kann. Und unter Forscher: Intelligente Menschen neigen zu Chaos, Fluchen und langem Aufbleiben.

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