Ist die Liebe echt? Liebt sie mich echt, liebe ich sie?

Kleeblätter zählen, sie liebt mich, sie liebt mich nicht. Gedanken kreisen lassen, sie hat das gesagt, sie hat so geschaut, ich denke an sie, was bedeutet das, was bedeutet sie mir?

Oder nach gescheiterten Beziehungen, nach vielen Lieben, die keine waren, zumindest nicht mehr am Ende, wieder die alte Frage:

Was ist wahre Liebe?

Schwer in Worte zu fassen. Aber ich kann darüber schreiben, was sie nicht ist. Die Verdächtigen einkreisen durch Ausschließen,

Was wir für Liebe halten, ist oft etwas ganz anderes:

  1. Liebe ist nicht Verliebtsein. Getrennt voneinander sein eine Qual, endlich wieder zusammen die Erlösung. Beides gemeinsam haut uns um, dieser Wechsel, dieser irre Cocktail, diese Faust von Bud Spencer. Auch das unerwiderte Verliebtsein, er oder sie auf dem Podest, wir auf allen Vieren, lecken Stiefel, lecken Wunden, irgendwann. I-n-t-e-n-s-i-v. Dieses Wort beschreibt Verliebtsein am besten. Liebe hingegen ist leiser, sanfter ist nicht nur ein unbewusster Rausch, sondern neben Gefühl auch eine bewusste Entscheidung, das Beste für den Anderen zu wollen und zu tun. Liebe geht nicht hoch und runter wie eine Achterbahn, sondern in die Tiefe wie eine Wurzel.
  2. Liebe ist nicht Eifersucht. Viele glauben, zur Liebe würde Eifesucht gehören, ja, Eifersucht würde die Liebe geradewegs ausmachen, und wo sie nicht herrsche, könne auch keine Liebe sein. Eifersucht ist aber kein Zeichen von Liebe, sondern von Unsicherheit. Eifersucht ist die Angst vorm Vergleich.
  3. Liebe ist nicht das Bedürfnis nach Kontrolle. Je unsicherer wir sind, umso mehr wollen wir den Partner festhalten. Wollen, dass er sich so verhält, wie wir es uns wünschen, uns auf Kommando gibt, was wir brauchen. Wollen, dass er uns gehört. Das ist etwas anderes als zusammen zu gehören. Kann sich jedoch ähnlich stark anfühlen.
  4. Liebe ist nicht das Bedürfnis nach Sicherheit. Liebe gibt Geborgenheit. Flüchten wir uns aber nur in eine Beziehung, um nicht allein zu sein in den kalten Nächten, aus Angst vorm Alleinsein, davor, das Leben nicht allein schaffen zu können, dann ist das zuallererst eben eins: eine Flucht. Da singt nicht die Liebe, da schreit ein Bedürfnis.
  5. Liebe ist nicht Kümmern. Ich kümmere mich um mein Smartphone, installiere Updates, putze den Bildschirm. Wahre Liebe würde ich das aber nicht nennen. Auch Menschen gegenüber ist Kümmern vielleicht ein Teil der Liebe, doch nicht mit Liebe gleichzusetzen. Außerdem kümmern wir uns oft uns selbst zuliebe um einen Anderen, wollen uns gebraucht und wichtig fühlen auf dieser Welt, brauchen dieses Gefühl womöglich für uns, für unsere Identität. Dieser Drang kann darin gipfeln, dass wir jemanden „retten“ wollen, Mutter, Vater, Therapeut, Pfleger sein wollen für den Partner.
  6. Liebe ist nicht Sich-Aufwerten. Manche suchen sich einen reichen, berühmten oder attrativen Partner – in der Hoffnung, die Eigenschaften des Anderen würden abstrahlen. Boah, der kriegt das Modell ab! Wow, sie hat den Bestseller-Autor um den Finger gewickelt! Oder Blogger, reicht Blogger auch, sagt mir, dass Blogger auch reicht! Sie denken, etwas im Außen würde das Loch im Innen stopfen können, den Mangel an Selbstwertgefühl ausgleichen. Das ist eine Bewältigungsstrategie, aber keine Liebe.
  7. Liebe ist nicht Fanstasieren. Wir können uns in Menschen verlieben oder in Fantasien, in unsere eigenen Wünsche, projeziert auf jemanden, der eigentlich ganz anders ist oder den wir kaum kennen. Als würden wir ein schickes Photoshop-Instagram-Bild ausdrucken und heiraten wollen. Bis sich der Richtige als der absolut Falsche rausstellt. Manchmal leider erst Jahre später.

All das sind und bleiben Wörter, die Liebe passt nicht zwischen zwei Buchdeckel und schon gar nicht in einen Blogtext.

Aber na ja, vielleicht sind wir der Sache damit trotzdem etwas näher gekommen.

 

Siehe auch 10 Gründe, warum Menschen in kaputten Beziehungen bleibenDieser Satz ist besser als „Ich liebe Dich“ und Die 8 Arten von Beziehungen (Welche hast Du?).

 

Photo: Jake Stimpson