Kampf, Kraft, Qigong und Geld – Interview mit Thomas Zint | myMONK.de
|31. Oktober 2012 07:00

Kampf, Kraft, Qigong und Geld – Interview mit Thomas Zint

Thomas Zint ist Karate-, Qigong-, Taiji- und Managementtrainer. Warum der Kampf mit sich selbst wichtiger ist als der gegen andere, wie glaubhaft Mr. Miyagi's Verhalten im Klassiker "Karate Kid" ist, wie Spiritualität und Geldverdienen zusammenpassen – darüber und über mehr spricht Herr Zint mit mir im myMONK-Interview.

Hallo Herr Zint, vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für das myMONK-Interview nehmen. Was sehen Sie gerade um sich herum, in diesem Moment?

Ich sehe, dass ich Ihnen jetzt ein paar Fragen beantworten werde, dass ich mich jung und gut fühle und die Lust am Leben verspüre.

Ich sehe aber auch eine oberflächlich denkende Gesellschaft, die ständig im Außen und über ihre Verhältnisse lebt. Eine Gesellschaft die deutlich mehr, vor allen Dingen Unsinniges, konsumiert und keinen Zugang zum Innen, der Quelle der eigenen Kräfte und Gesundheit mehr findet.

Was hat Sie an den asiatischen Kampfkünsten fasziniert, als Sie vor 40 Jahren begannen, sich mit ihnen auseinanderzusetzen? Und was fasziniert Sie heute daran?

Ganz sicher war es für mich die sportliche Seite, die Vielfalt der Bewegungen und der Trainingsmöglichkeiten in Einem. Kraft, Ausdauer und Geschicklichkeit, Arme und Beine gleichermaßen bewegen, kontrollieren und trainieren zu können.

Dieses Training war eine hervorragende Basis, denn es  beanspruchte den ganzen Körper, es war eine sportliche Herausforderung für das ICH, weil es um die ständige Verbesserung der körperlich-geistigen Fähigkeiten ging und nicht darum, ein Sportgerät möglichst schnell wohin zu bewegen. Es war ein Training, das zu jeder Tages- und Jahreszeit, indoor wie outdoor, alleine oder im Team und ohne Geräte praktiziert werden konnte. Und es ist immer noch ein Training, das mit ein bisschen Disziplin und Willensstärke, den persönlichen Fortschritt garantiert.

Erst mit den Jahren lernte ich mehr von diesem System und dem darin verwurzelten tieferen Sinn zu verstehen. Ich meine damit, wie intensiv der Geist, das Mentale und die Emotionen mit dem Körper in Verbindung stehen und so auf geniale Art und Weise tägl., für das Leben, beruflich wie privat,  trainiert und angewendet  werden können.

Kampfkunst zu lernen ist ein Lebensbegleitender und langer Weg des Lernens.

Kampfkunst fördert die geistige und körperliche Gesundheit. Eine anatomisch korrekte Ausrichtung der Körperstruktur in allen Bewegungen, weit über die normal bekannte Beweglichkeit hinaus und den Einsatz von Energie ( Qi ), die innere und äußere Kampfkunst verbinden lässt.

Ganz nebenbei bemerkt waren viele Begründer der modernen Körper- und  Mentaltrainings-systemen sowie der Psychologie über längere Zeit in Asien bzw. mit Asiaten und deren System der inneren und äußeren Kampfkünste in Kontakt. (Dies ist nachzulesen in der jeweiligen Vita der betreffenden Personen und die Parallelen zu den klassischen inneren und äußeren Kampfkünsten finden sich in deren Systemen zu hauf).

Warum macht Karate selbstbewusst? Allein durch das Wissen, sich im Falle eines körperlichen Angriffs verteidigen zu können?

Nein, diesem Irrtum sich im Falle eines körperlichen Angriffs verteidigen zu können, unterliegt vielleicht der Anfänger durch eine getrübte Selbstwahrnehmung.

Der Nutzen, sich bei einem körperlichen Angriff verteidigen zu können, kommt erst später.

Paradoxerweise ist es aber so, dass sich mit den Jahren der körperlichen Auseinandersetzung im Training, das Interesse an einer Keilerei verliert und die Erkenntnis sich vertieft, dass nur ein nicht geführter Kampf ein gewonnener ist.

Letztlich ist es so, dass ein Meister auf Grund seiner Ausstrahlung, nicht mehr, bzw. höchst selten angegriffen wird. Dies belegen auch Statistiken der Polizei, dass Menschen mit einer entsprechenden Ausstrahlung deutlich weniger attackiert werden.

Selbstvertrauen entwickelt sich in den klassischen Kampfkünsten ganz von selbst beim Üben. Durch den  regelmäßigen Besuch des Trainings, die Auseinandersetzung mit sich Selbst und dem Trainingspartner. Genau diese Konfrontation mit dem ICH ist der Punkt der den ernsthaft Übenden stärkt.
 
Jedes Training ist gekennzeichnet von der Freude, eine neue Bewegung erlernt zu haben um im nächsten Moment vielleicht feststellen zu müssen, diese dann doch noch nicht richtig anwenden zu können. Frustration kann entstehen.

Genau dies ist der Grund, warum viele frühzeitig resignieren und aufgeben. Eine Bewegung Tausende mal zu wiederholen, ständig bemüht sein sich zu verbessern, Verbesserungsvorschläge, Anweisungen und Tipps des Trainers oder von den  älteren Kollegen anzunehmen und nicht  als persönliche Kritik zu empfinden, lassen viele scheitern.

Da ist es schon einfacher die Sportart zu wechseln oder sich etwas Neues zu kaufen und  damit zu schmücken, als sich mit den eigenen Unzulänglichkeiten auseinander zu setzten. Aber genau das, der Sieg über sich selbst, macht letztlich stark und festigt das Vertrauen in sich und seine Fähigkeiten. Selbstvertrauen ist entstanden.

Sie kennen sicherlich „Mr. Miyagi“ aus dem Klassiker „Karate Kid“. Dort weist der alte Karate-Meister seinem neuen Schüler erst mal für eine lange Zeit scheinbar sinnlose Aufgaben zu, die nichts mit dem Kampf zu tun haben, wie das Reinigen von Autofenstern. Ist es realistisch, dass ein Meister die Schulung so beginnt – und wenn ja, warum tut er das?

In unserer heutigen Zeit und im Westen ist dies wohl kaum mehr realistisch. Wir sind eine sehr schnelllebige Generation die vieles probiert, an der Oberfläche kratzt und sich dann einer anderen Aufgabe, Hobby zuwendet. Was die Dinge wirklich bedeuten, den Kern und die Wurzeln zu erfahren interessiert schon nicht mehr.

Unter diesem Aspekt macht das Verhalten von „Mr. Miyagi“ sicher Sinn.

Er prüft, bevor er sich selbst einbringt, den Charakter, die Willensstärke, das Durchhaltevermögen, den „Biss“ seines Schülers um zu  erkennen, ob dieser Willens ist den langen und manchmal steinigen Weg in der Kampfkunst zu gehen.

Resigniert er und gibt auf, hat er als Gegenleistung für des Meister Zeit den Zaun gestrichen und das Auto geputzt. Mit den Bewegungen selbst kann er nichts anfangen weil ihm Hintergrundinformationen fehlen.

Ist der Meister jedoch mit dem Verhalten seines Schüleraspiranten zufrieden, kann er auf diesen Bewegungen relativ leicht aufbauen und seinen Schüler effektiv unterrichten.

Diese Vorgehensweise ist heute kaum mehr üblich. Das Schüler-Meister Verhältnis, die Honorierung und das System haben sich deutlich verändert.

Inwiefern ist man auf dem Holzweg, wenn man zum Beispiel Qigong nur erlernt, um hinterher noch mehr leisten zu können?

Qigong sind chinesische Gesundheitsübungen, zur TCM ( traditionellen chinesischen Medizin) und zu den inneren Kampfkünsten gehörend. Sie können helfen die Menschen zu stärken und deren Leistungsfähigkeit zu verbessern.

Qigong hilft den Übenden sich zu entspannen und die körperliche, geistige und emotionale Ebene in Balance zu bringen um so an die Quelle der eigenen Energie zu gelangen.

Über dieses entspannen und zu sich, zur eigenen Quelle der Gesundheit und Lebensfreude zu finden, erhöht sich parallel die Leistungsfähigkeit.

Falsch wäre der Gedanke, weil eh schon am Anschlag der Belastung, noch mehr leisten zu wollen. Frei nach dem Motto schneller, höher, weiter. Kein vernünftiger Mensch würde ein lahmendes Pferd, das er noch weiter benötigt, noch höher belasten wollen.

Vernünftiger ist es da schon, sich auf sich selbst und seine Ressourcen zu besinnen. Einen Gang zurückzuschalten, sich zu regenerieren um dann aus der inneren Ruhe und Klarheit heraus die täglichen Aufgaben zu bewältigen.

Können Sie eine einfache Übung empfehlen, mit der man seine „innere Kraft“ stärken kann?

Ja, nehmen Sie sich täglich etwas Zeit für sich. Zeit in der Sie nichts tun und einfach nur sind. Ohne Handy und sonstiges technisches „Überlebenswerkzeug“.

Sie setzen sich auf eine Bank, am besten in freier Natur und bleiben mit Ihrer Achtsamkeit bei sich. Ohne in eine bewusste geistige Aktivität zu gelangen  achten Sie auf  Ihren Atem, den Herzschlag, die Form Ihrer Hände, die wärmenden Sonnenstrahlen oder auf die frische, würzige Luft.

Beginnen Sie mit 5 Minuten und verlängern dann auf 10 oder 15. Beginnen und beenden Sie diese Übung ganz bewusst. Es sind ein paar Minuten Zeit für Sie, nur für Sie.

Sie verbinden „spirituelle“ Übungen wie Qigong mit Management-Training. Wie passen „Business“ und Geldverdienen mit Spiritualität zusammen?

Geld zu verdienen ist ein wichtiger Bestandteil in unserer Gesellschaft und nicht generell unanständig. Letztlich kommt es immer darauf an, wie man es verdient und was man damit tut.

Jede Aktion löst eine Reaktion aus, das Eine bedingt das Andere und so ist ständig auf das Zusammenwirken der Kräfte zu achten. Es macht einen gewaltigen Unterschied, ob durch mein handeln die Schöpfung (der Mensch, alle Lebewesen und die Natur) nachhaltig geschädigt wird oder ob es mir gelingt eine gut funktionierende und eigenverantwortliche Gesellschaft und Lebensform zu unterstützen.

Erfolg darf nicht ausschließlich mit viel Geld zu verdienen, als sportlichen Wettbewerb, betrachtet werden. Denn hinter jeder Aktion stehen Menschen, Menschen die letztlich das Gleiche wollen wie wir, ..ein bisschen besser leben.

Ich sage JA zu einer sozial orientierten Marktwirtschaft und Nein zu einer, ausschließlich vom Kapital bestimmten Lebensform.

In meinen Gesprächen mit Yogalehrern und anderen Anbietern aus diesem Feld habe ich manchmal den Eindruck gewonnen, dass sie ein sehr widersprüchliches Verhältnis zum Geld haben – sie brauchen es natürlich, lehnen es gleichzeitig aber auch irgendwie ab (anders als der durchschnittliche Manager). Was raten Sie diesen Menschen?

Geld wird von Menschen geschaffen und nicht umgekehrt.

Geld ist nur Geld, es sollte fließen um etwas zu bewirken, von Einem zum Nächsten.

Zweifelsohne: Geld befriedigt das Ego, bietet Sicherheit und kann Ängste reduzieren, zumindest ein Stück weit. Aber mal ehrlich, können wir Geld essen? Können wir mehr als uns satt essen, trinken? Können wir zur gleichen Zeit in mehreren Betten liegen, in mehreren Autos fahren, Häusern wohnen? Nein,natürlich nicht.

Also was nützt es, riesige Reichtümer anzuhäufen, einfach so, ohne Philosophie und Werte?

Geld kann sich vermehren, Zeit nie. Deshalb liegt es im eigenen Interesse, diese Lebenszeit sinnvoll einzusetzen und sich z.B. Gedanken zu machen was uns wirklich wichtig ist im Leben. Ist es das Geld allein, oder ist es nur Mittel zum Zweck? Denn letztlich ist es so dass wir alle auf diesem Planeten leben und hierfür die Verantwortung tragen. Jeder im Rahmen seiner Möglichkeiten. Jeder an seinem Platz.

Wo können die Leser mehr über Sie und Ihre Angebote erfahren?

Bei mir, Thomas Zint, auf meinen Internetseiten www.management-vital.de und www.asiatische-bewegungsschule.de in meinen Trainings oder ganz simpel am Telefon 08321-619391.

Herzlichen Dank!
 

 

Photo (oben): kaibara87

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